Filmfest in Ballmertshofen

Cinema Paradiso auf der Alb
Filmfestbesucher

Mario Wezel

1978 fand das Filmfest zum ersten Mal mitten im Sommer und draußen statt

Cinema Paradiso auf der Alb, Filmfestbesucher

Drei Tage Dorfkino, mit Freunden und den Freunden von Freunden. Jeder packt mit an. Seit mehr als 40 Jahren 
gibt es das kleine Filmfest in Schwaben – unsere Autorin Marianne Moesle und der Fotograf Mario Wezel 
waren vergangenes Jahr dabei.

Ballmertshofen, rund 400 Einwohner, Gemeinde Dischingen. Weit oben am Himmel ziehen Schwalben ihre Kreise, ein ­alter Bauer im blau karierten Hemd döst ­unterm Sonnenschirm vor seiner Haustür, während eine Frau mit einem Reisigbesen über blitzeblanke Pflastersteine fegt. In den Mühlenbach springen Frösche.

Die Autos, die am ersten Ferienwochenende in Baden-Württemberg Ende Juli gleich hinter dem Ortsschild am Schloss abbiegen, kommen aus Hamburg, Berlin oder Lindau, aus Straßburg oder Leipzig, aus den Niederlanden, der Schweiz und Italien. Dann lassen 
sie einen großen Sportplatz links liegen, schlängeln sich an einem Spielplatz, einem in die Jahre gekommenen Schulgebäude und dem zugehörigen Lehrerhaus vorbei, um auf einer abgegrasten Pferdekoppel einen der raren Schattenplätze zu ergattern. Auf drei ­improvisierten Campingplätzen samt Feld-Wald-und-Wiesen-Dusche haben Jugendliche eine westernreife VW-Bus-Wagenburg gebaut, Familien mit kleinen Kindern auf blau-rot-gelb karierten Picknickdecken tummeln sich auf dem Zeltplatz ohne Autos, und auf dem Campingbusplatz macht man es sich mit Aperol Spritz unterm Vorzelt gemütlich.

"Von tollen Leuten für tolle Leute"

"Hoi, isch wieder Filmfescht?", grüßt der Bauer Benno Röhm und hievt sich mit einem Ruck von der Gartenbank hoch. Seine Wiese hinterm Haus hat er gemäht und die Scheune 
ausgeräumt, um DVD-Projektoren und der Leinwand Platz zu machen. Sollen die Jungen und die Alten ruhig ihren Spaß beim ­gro­ßen Filmspektakel in idyllischer Dorfkulisse haben. Nur das Lagerfeuer und die Musik, es wär ihm ganz recht, sagt der alte Bauer, wenn beim 41. Filmfest nicht mehr die halbe Nacht neben seinem Schlafzimmer durchgefeiert würde: "Ich vertrag es nimmer so laut", 
schließlich sei er 84. Er hat es dem Udo schon gesagt, "man will in der Früh doch wieder ­seinen Kopf beieinanderhaben".
Der Udo mit der dunkelblauen Baseballcap und dem dunkelblauen Filmfest-Top mit Kuhkopf drauf hat auch prompt reagiert und beim Jugendcamp ein Schild aufgestellt: Kein ­Feuer und keine Zigaretten auf der Schlafwiese. Die Musik am nächtlichen Lagerfeuer spielt in diesem Jahr hinterm Schulhaus, von dem der Rauputz bröckelt. Wer wird denn da murren, Spontaneität ist angesagt, schließlich funktioniert das Filmfest schon immer so, ­jedes Jahr ein bisschen anders, aber jedes Jahr wieder schön.
Der Udo heißt Legner mit Nachnamen, wie seine drei Schwestern Heida, Gabi und Beate. Es sind die Kinder vom ehemaligen Dorfschullehrer und seiner Frau im Ort auf dem Härtsfeld im Osten der Schwäbischen Alb. Mit Freunden stemmen sie seit über vierzig Jahren 
das kleine Filmfest, das sie 1978 ein wenig großspurig, aber sehr enthusiastisch als "anspruchsvolles Kino auf dem Land" begannen. 2015 wurde das Filmfest von Ballmertshofen für sein kulturelles Engagement mit dem ­Bürgerpreis des Landkreises Heidenheim ausgezeichnet. Zu Recht, auch wenn der Einfluss des volkstümlichen Kinos auf den Alltag in Ballmertshofen gering blieb. Ziel verfehlt? Nee, sagen die Besucher, das Filmfest ist "von tollen Leuten für tolle Leute". "Wie Weihnachten", ist im improvisierten Gäs­tebuch zu lesen. Ein idealistisches Null-Profit-Unternehmen mit Woodstock-Flair. Sponsoring und Werbung braucht es dafür nicht.

 Sie haben das Festival 1978 gegründet: die Geschwister Heida, Gabi, Beate und Udo Legner. "Anspruchsvolles Kino auf dem Land" hieß damals die Devise - das macht bis heute Spaß und viel ArbeitMario Wezel

Und keinen detaillierten Plan. Es ist Samstagmorgen, neun Uhr, die Sonne scheint, heute ­
wird es wieder heiß. Wer nicht die ganze Nacht am Lagerfeuer saß, schlüpft in Joggingschuhe, dehnt seine Glieder und trippelt ein bisschen. Ein schneller Kaffee bei Küchenfee Heida, dritte Legner-Schwester, die mit ein paar Frühaufstehern Obst fürs Frühstücksmüsli in eine große Badewanne schnitzt. Mit der Freundin Barbara Holl ist sie fürs Küchenzelt und das Catering verantwortlich. Gleich pfeifen Barbara und die Geschwister Beate und Udo den Sebastian-Kneipp-Gedächtnislauf an. Wer mitwill, läuft mit. Wer nicht mitwill, kann trotzdem was tun und sich der kleinen Putzkolonne von Schwester Gabi ­anschließen, die letzten Gläser vom Abend einsammeln und mit Putzeimern übers Schul­gelände ziehen.

Der rote Teppich ist das grüne Gras

Los geht’s. 40 Frühaufsteher zwischen sieben und 70 Jahren joggen durchs herausgeputzte Dorf inmitten abgeernteter Stoppelfelder. "Heimkommen" nennt Sozialarbeiterin Beate, aus Tübingen angereist, die drei Filmfesttage. Dazu gehören das Laufen, gute Filme, klar, aber ohne Cannes und Glamour. Der rote 
Teppich von Ballmertshofen ist das Gras, T-Shirt, kurze Hose und Birkenstock sind die Abendgarderobe. Auch Joggingschuhe passen. "Langsam, nicht so schnell losrennen!" An gepflasterten Hofeinfahrten vorbei, an deren Rändern die Anemonen rosa blühen, rauf auf den Härtsfeld-Waldweg entlang der ehemaligen Bahntrasse, dann zwei, drei Kilometer bis zur kleinen Kneipp-Anlage, wo man barfuß durchs kalte Egauwasser watet.


Udo, Beate und Barbara geben den Takt nicht nur beim Lauf vor, sie bilden auch das Filmsichtungskomitee und halten das ganze Jahr über Ausschau. Drei Filmfans, drei Geschmäcker, jeder darf fünf Filme bestimmen. Regionale Dokumentation oder amerikanische Milieustudie, Bankraubkomödie oder sozialkritisches Drama, Theaterfilme oder Kinderfilme. Auch wenn sich die drei nicht immer einig sind bei der Auswahl, seien sie in den vergangenen 40 Jahren noch nie in Streit geraten, versichern sie.

In den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wuchsen die Lehrerkinder Heida, Udo, Gabi und Beate mit dem Flackern auf der Leinwand und dem Rattern des Projektors im Schulhaus auf. Denn früh schon hatte der Vater Filme beim Volksbildungswerk ausgeliehen und mit öffentlichen Filmvorführungen eine Prise weite Welt und Anarchie in das schwäbische Dorf gebracht, das die Filmleute gern als "gerade noch links von der bayrischen Grenze" bezeichnen. Ihre ersten prägenden Filmerfahrungen als Kinder? 
"Die Zehn Gebote" und "Ferien auf Immenhof".

Als alle vier Geschwister dann Mitte und Ende der 1970er Jahre aus der Provinz ausschwärmten, um in Würzburg, München, ­Heidelberg und Tübingen zu studieren, hatten sie eine Idee. Immer an Weihnachten, wenn sich die ganze Familie samt Freunden zu Hause 
wiedertraf, wollten sie das Dorfkino ihres ­Vaters fortsetzen. Von der Idee ließen sich zwar nicht alle Dorfbewohner anstecken, doch die Leh­rerkinder genossen Narrenfreiheit und nutzten sie auch. Während die Schwestern von Haus zu Haus gingen, um Kinokarten zu verkaufen, sah sich Filmfan Udo beim Würzburger Filmfest um und brachte ambitionierte Filme wie "Der junge Törless" mit aufs Härtsfeld.


1978 fand das Filmfest zum ersten Mal mitten im Sommer und draußen statt. Die Kindergarten- und Schulfreunde waren ebenso dabei wie die Studienfreunde aus den bayrischen und baden-württembergischen Unistädten. Ein paar holländische Jungs stießen 1979 auf Durchreise mit dem Fahrrad dazu. Wie müde sie waren – "mijn hemel", "meine Güte" – Johan Molenaars und Jos Schouten aus Beverwijk erinnern sich an Kuscheln unterm Sternen­himmel zu "Was heißt ’n hier Liebe?", Verfilmung des legendären Theatererfolgs der Roten ­Grütze in Berlin. Bis heute kommen sie jedes 
Jahr wieder – wenn auch nicht mehr radelnd.

Enkel und Urenkel sind dazugekommen, Freunde und deren Freunde und noch mehr Freunde von Freunden

Der Legner-Vater ist früh gestorben, die Mutter starb im vergangenen Jahr, trotzdem zieht es die Kinder regelmäßig heim ins Dorf. Nicht nur zum Filmfest, aber zum Filmfest besonders. Enkel und Urenkel sind dazugekommen, Freunde und deren Freunde und noch mehr Freunde von Freunden. So ist das Filmfest zu einem Familien-Freunde-Treffen gewachsen, kein Filmfestival wie in Cannes, 820 Kilometer entfernt, sondern ein richtiges Fest, wie Weihnachten halt.
"Ein Farbtupfer im Ort", findet Ortsvorsteher Werner Koths. Regelmäßig lässt er sich beim traditionellen Filmfest-Fußballderby, einziges Fußballevent im Jahr, blicken, wenn die Mannschaft der Filmfestgäste gegen die Ballmertshofener spielt. Zuerst sind die Kinder auf dem Platz, anschließend die Champions, dann schreit und fiebert halb Ballmertshofen mit. Als wahre Profis zeigen sich die Einheimischen da und gewinnen locker zwei von drei Spielen. Die Freude darüber ist dem Ortsvorsteher bei der Pokal­übergabe ins Gesicht geschrieben.
Auch wenn es für manche mehr um den Ball als um die Filme geht, gehört das Filmfest zum Jahreslauf von Ballmerts­hofen wie das Königsschießen des Schützenvereins, wie das Feuerwehrfest, das Schlossgartenfest und das Brunnenrinnenfest. Biobauer Siegmar Haußmann zieht dann seine Schürze an und lädt Frühkartoffeln, Klaräpfel und Sonnenblumenöl in den Marktwagen, um sie zur alten Schule zu fahren, die Festbuden hilft der Schützenverein aufstellen, der in Ballmertshofen geborene Yogalehrer Thorsten Scherbaum rollt seine Matte auf dem Sportplatz aus, der Pfarrer wünscht den Filmfestgästen aus allen Himmelsrichtungen viel Vergnügen.


Die Kirchturmuhr schlägt zehn Mal, als die Frühsportler schweißnass und außer Puste auf der asphaltierten Bahntrasse zurück ins Dorf laufen. Der eine oder andere biegt gleich zum Entenspitz an der Egau ab, tunkt seine Zehenspitzen ins eiskalte Wasser, um dann vom Stauwehr an der ­alten Mühle zu springen. Die Enten schnattern ­zwischen Wasserlinsen. Manu und Michel, zwei junge Männer mit ihren kleinen Söhnen im Schlepptau, stellen sich als Entdecker vor. Es war einmal vor über 20 Jahren; Michel, jeden Sommer beim Filmfest, wollte seinen 15. Geburtstag mit Manu feiern. Die Eltern hatten vor der Mühle am Bach gewarnt, ein Hund sei dort im Zwinger angebunden. Weil man sich aber mit 15 wie Christoph Kolumbus fühlt, sind Michel und Manu mitten in der Nacht mit der Sektflasche losgezogen, um übers kleine Stauwehr zu ba­lancieren. Prompt brach Michel zwischen zwei Gittern ein. Nix passiert, aber der Schreck war groß. Wer den überlebt, fürchtet keinen Hund im Zwinger mehr.


Den zugewucherten Weg zur Badestelle neben dem Stauwehr mäht der Mühlenbauer Klaus Würth inzwischen regelmäßig ­
frei. Er hat nichts gegen die Filmfestgäste aus der Stadt, nur wenn da Jungs am Rad vom Stauwehr rumkurbeln und damit das ­Mühlrad aus dem Takt bringen, sapperlot, so geht’s nicht. Oh, ­sorry, entschuldigen sich die Buben und laden ihn ein, ob er nicht beim Filmfest vorbeischauen 
will. "Das ist nicht so ganz meine Richtung", sagt der Bauer. Aber er würde schon kommen, wenn er nicht dringend aufs Feld müsste, schließlich sei er mit dem Udo in die Schule gegangen.

 Die Regisseure Valentin Kemmner und Erol Papic zeigten ihren Dokumentarfilm "Genkingen"Mario Wezel

"Alles, was ich gern mach, hab ich hier", erzählt Udo, Filmfan der ersten ­Stunde, Bob-Dylan-Kenner, Lehrer und Kulturpolitiker in Augsburg. Seit dem ersten Filmfest organisiert er neben den Filmen auch das Konzert und alle Jahre wieder einen ­neuen Bob-Dylan-Vortrag. Dylan ist ein Fixpunkt, es gibt Dylan-Filme, Dylan-Plakate und Dylan-Lieder. Immer wieder wird der Bob auch eingeladen. Aber womit den Musiker nach Ballmertshofen auf die Schwäbische Alb locken, wenn er nicht mal seinen Literaturnobelpreis in Stockholm abholt? "Homeward Bound" werden die Jungs, die morgens am Stauwehr rumgekurbelt haben, am Abend singen. Und 
wenn er tatsächlich mal kommt? – "Dann ­sitzen wir zusammen am Lagerfeuer und ­sagen’s niemandem."

Und Sonntag gibt es Maultaschen

Wer was erledigt – dafür gibt es keine geschäftliche Struktur, braucht man auch nicht bei so vielen Helfern, von denen jeder weiß, was er zu tun hat. Die Aufgabenteilung ergibt sich wie in einer großen Familie, in der man sich aufeinander verlässt. Die 30-köpfige Filmfestcrew, die sich manchmal Filmfestkruh nennt, ist ein gewachsener Organismus, in den sich jeder mit dem einbringt, was er kann. Neue Besucher bringen neue Ideen. Ein ­
Wochenende lang Filme gucken, zwei Konzerte, ein Dylan-Vortrag, ein Backgammon-­Turnier, ein Fußballderby – mit Freunden ­feiern ist der Lohn. Die Dauerkarte für 15 Filme kostet schlappe 25 Euro, Zelten ist ­umsonst, die Gartenschlauchdusche ist kalt, der Kinosaal ist heiß, jeder reißt mal Eintrittskarten ab oder spült Gläser.
Am späten Vormittag sitzt die Jugend ­unterm großen Zeltdach um einen großen Tisch herum und schält Kartoffeln, hackt Knoblauch klein und Zwiebeln, schneidet Paprika und Zucchini fürs Mittagessen, rund 300 Leute sollen davon satt werden. Manche schnippeln mit, seit sie ein Messer in der Hand halten können, andere sind zum ersten Mal dabei. "So macht helfen Spaß", sagt ­Magda, sagen auch Jamal und Nico. Nico hat sogar Kommilitoninnen von der Münchner Uni mitgebracht. Alle sind gespannt auf Heidas Küche. Schon vor Weihnachten stellt diese das Menu fürs Filmfest im folgenden Jahr zusammen. Global und regional gleichzeitig, ein iranisches Gericht am Samstag, schwäbische Maultaschen am Sonntag.


"Ich bin hier fast mehr daheim als in dem Ort, wo ich lebe", sagt Heida, Lehrerin in ­Freising und Hobbyköchin. Als Einzige trägt sie Schwarz und Elegant. Beim Aufsetzen von geschätzt 20 Kilo Reis im Riesenkochtopf guckt ihr die 36-jährige Tochter Lucie aus ­Berlin über die Schulter. Ihre schöne Mama hat sie schon immer mit zum Filmfest geschleppt, genauso hält Lucie es jetzt mit ihren drei Kindern. Ihre jüngste Tochter, neun Tage alt, trägt sie im bunten Wickeltuch vor der Brust. Sie ist die bei weitem Jüngste im Dorf, in dem mehr gestorben als geboren wird. Nur die Zuschauerzahlen beim jährlichen Filmfest steigen kontinuierlich.
 

Ansonsten gibt es wenig Veränderungen, okay, das Team ist in den vergangenen 40 Jahren gewachsen, auch das Programm, aber noch passt es auf einen Flyer. Dass eine Leinwand schief hängt und Falten wirft, kann vorkommen; manche Filme beginnen mit Verspätung. Oder haben einen leichten Grauschleier wie der preisgekrönte Dokumentarfilm "Genkingen – Ein schwäbisches Volksmärchen". Wie einst bei Werner Herzogs "Fitzcarraldo" haben die Filme­macher Erol Papic und Valentin Kemmner es geschafft, die Genkinger Dorfbewohner dazu zu überreden, ein Schiff über die frühjahrsgrüne Schwäbische Alb zu ziehen. Beifall brandet durchs Scheunenkino: "Superaktion und Superfilm!" Doch wo sind bloß die sorgsam abgemischten Farben hin? Das Projektorlicht war falsch eingestellt – kann passieren. Nach einem kurzen Schreck lassen sich die aus Stuttgart angereisten Filmemacher schnell von der ausgelassenen Stimmung mitreißen. "Passt scho", sagen sie, "a bissle anders" als 
Berlin oder Cannes halt.

"Das Filmfest versöhnt mich mit der Lange­weile im Dorf", erzählt die dritte Legner-­Schwester Gabi beim Abspülen am Spülstand und wischt mit dem Unterarm über die Stirn. Ödnis und Langeweile haben sie als Jugendliche hinaus in die Welt getrieben. Bei der gemeinsamen Arbeit am Spülmobil ist nichts mehr davon zu spüren. Dafür kommt man ins Schwitzen. Denn das Geschirr muss aus- und eingeräumt werden. Wer nach einer Runde 
Federball oder Wikingerschach auf dem Sportplatz Richtung Toilette, Dusche oder Zelt unterwegs ist, kommt am Spülstand vorbei und legt mit Hand an.

Wie beim abendlichen Grillen und beim ­Bier­ausschank. Hier findet man Johan und Jos aus den Niederlanden wieder, die in ihrem Berufsleben IT-ler und Bauingenieur sind und beim Filmfest für die Elektrik zuständig. Wahrscheinlich gibt es kein zweites Filmfest, das in so hohem Maße von Pädagogen, IT-Technikern, Designern, Ingenieuren und anderweitigen Experten organisiert wird. ­Johan, lass mal eine warme schwäbische Seele 
rüberwachsen. Bitte schön. Sogleich stimmt Englischlehrer Udo einen Song von Nina Simone an: "I got my heart, I got my soul", zögert und singt weiter: "Everything is fine", muss sich ja nicht immer alles reimen.

 Wo sind bloß die sorgsam abgemischten Farben hin? Das Projektorlicht war falsch eingestellt - kann passierenMario Wezel

Rund lief’s auch nicht immer in 41 Filmfestjahren, Gläser gingen zu Bruch, ein Wolkenbruch verhagelte das samstägliche Konzert, Ehen begannen, Ehen gingen auseinander, alle Exlieben kamen trotzdem wieder. Denn, so sagt Astrophysiker Nicolai am Grill: "Für mich ist das hier die totale Utopie." Auch wenn mal ein Würstchen schwarz wird. "Jeder zieht beim Filmfest einen anderen Hut auf, und auf einmal funktioniert Gesellschaft." Gesundheitsforscher Uli Otto ohne Hut nickt zustimmend, während die 16-jährige Lara ihre langen Haare zu einem Knoten windet und mit Sekt anstößt. "Happy Birthday", seit 16 Jahren feiert sie ihren Geburtstag in Ballmerts­hofen: "Echt kuhl hier."

Infobox

2019 findet das Filmfest Ende Juli statt. Das komplette Programm steht auf der Website: filmfestkuh.de. 
Gezeigt werden unter anderen "Sandstern" über einen türkischen Jungen in der Bundesrepublik der frühen Achtziger, außerdem "Capernaum", "Gegen den Strom", "Gundermann", "Cold War" und "Jim Knopf". Beim 
Konzert zum Filmfest spielt die Band Between Owls 
aus Freiburg.

Leseempfehlung

Seit 41 Jahren organisieren die Geschwister Legner ein Filmfest in ihrem Heimatdorf Ballmertshofen. Am ersten Wochenende in den Sommerferien kommen Filmfans aus ganz Deutschland auf die Schwäbische Alb.
Hier ist für jeden Festivalfan etwas dabei. Tipps aus der Redaktion!

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