Mail aus Edinburgh: Rassismus

Ausländer im Brexit-Chaos
Posteingang - Brexit

Photocase/felix-g

Blick von Athur's Seat auf Edinburgh

Posteingang - Brexit

In Großbritannien tritt Ausländerfeindlichkeit immer offener zutage. Die Auslandspfarrerin in Schottland berichtet
Deutschland spricht 2019

Eine spanische Familie läuft durch die Fußgängerzone – und wird von ein paar Halbwüchsigen aggressiv angesprochen, sie sollten doch gefälligst Englisch sprechen. Ein dunkelhaariger Mann bekommt an der Bushaltestelle zu hören, er hätte Glück, dass er hier in Edinburgh Bus fahren könne. Bald müssten er und seinesgleichen ja wieder nach Italien verschwinden. Und das wäre gut so. Der verdutzte junge Mann ist gebürtiger Edinburgher.

Verena Jantzen

Verena Jantzen 
ist Pfarrerin an der deutschen evangelischen Gemeinde in Schottland und 
Nordost-England.

Wiederholt sich Geschichte? Ich hoffe nicht. Ich habe das Gefühl, die Fremdenfeindlichkeit heutzutage bleibt nicht unwidersprochen. Und die überwältigende Mehrheit der Begegnungen ist freundlich und respektvoll, ungeachtet ihres Hinter­grundes. Aber die Zeit der euro­päischen Leichtigkeit dahin. Dahin die Unkompliziertheit, mit der sich Menschen anderer Natio­nalität nieder­lassen konnten. Auch die Mitglieder der deutschen Gemeinden sind betroffen.

Viele, die schon lange hier ­wohnen, bemühen sich jetzt um die britische Staatsbürgerschaft. Das ist aufwendig und teuer. Britische Ehepartner beantragen den (günstigeren) deutschen Pass. Andere sind zurück nach Deutschland gegangen. Besorgt sind alle. Um die berufliche Zukunft, die wirtschaftliche Entwicklung, die Leichtigkeit zu reisen. Die Frage nach der schottischen Unabhängigkeit wird nach einem Brexit erneut laut werden. 
Die Mehrzahl der Schotten ist gegen den Austritt aus der EU. Niemand spricht leichtherzig über den ­Brexit, auch nicht unter den Deutschen. Die meisten Deutschen, die hier ­eine ­Heimat gefunden haben, lieben das Land und seine Leute. Die Liebe ist nicht weniger geworden, aber im ­Moment tut sie weh.

Leseempfehlung

Eine EU-Außengrenze quer über die irische Insel? Auslandspfarrer Stephan Arras über das Dilemma der Nordiren
Der Weltkriegsopfer können Katholiken und Protestanten in Nordirland gemeinsam gedenken. Die Opfer der Troubles zählen sie einander immer noch vor
Der Nordirlandkonflikt spaltet, auch die Fußballfans. Ein Vikar aus Deutschland bekam das im Glasgower Stadion hautnah mit

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.