Ziviler Kampf gegen Terrorismus

Geht das: Terroristen friedlich bekämpfen?
Kerry, de Mistura

Foto: Sven Hoppe / picture alliance / dpa

US-Außenminister John Kerry (links) und der UN-Syrien-Sondergesandte Staffan de Mistura nach der Syrien-Konferenz im Februar 2016 in München. Die Konferenz sollte den festgefahrenen Friedensprozess in Syrien wieder in Gang bringen

Mit Luftaufklärung, Logistik und Tankflugzeugen nehmen deutsche Soldaten am Syrienkonflikt teil. „Schluss damit!“, fordern die Macher der Kampagne „Zivile Lösungen für Syrien“. Sie wollen Bundestagsabge­ordnete überzeugen, den Einsatz nicht zu verlängern
Deutschland spricht 2019

chrismon: Was haben Sie gegen Luftaufklärung, Logistik und Tankflugzeuge?

Elise Kopper: Wir halten das ­Bundestagsmandat für den Syrieneinsatz für falsch und übereilt. So bekämpft man nicht die Ursachen des Terrorismus. Wer Kampfhandlungen unterstützt, beendet weder Bürgerkrieg noch Terrorismus.

Soll Deutschland seine Verbündeten, allen voran Frankreich, im Stich lassen?

Deutschland hat noch mehr ­Alternativen als seine Partner militärisch zu unterstützen oder nichts zu tun. Deutschland soll Frankreich unterstützen, aber nicht militärisch, sondern im Friedensprozess. Die Gespräche in Wien waren ein richtiger Schritt.

Was ist mit den Ländern, die den Syrienkonflikt als Stellvertreterkrieg nutzen? Soll man denen das Feld überlassen?

Deutschland soll sich nicht aus dem Konflikt heraushalten, sondern ihn mit Friedensinitiativen aktiv angehen.

Was sollte der Bundestag denn stattdessen beschließen?

Zivile Maßnahmen. Wenn schon Flugzeuge nach Syrien, dann, um Zivilisten per Luftbrücke zu versorgen oder legale Einwanderung zu ermöglichen und so die humanitäre Katastrophe beenden.

Ihre Kampagne spricht vom „zivilen Kampf gegen den Terror“. Wie soll der aussehen?

Die Geldquellen der Terroristen sind ein sehr kompliziertes System. Die Staaten müssen noch mehr daransetzen, sie zu durchblicken und trockenzulegen. Wir fordern auch einen Stopp von Waffenlieferungen. Sind Waffen einmal geliefert, kann man nicht kontrollieren, in wessen Hände sie geraten. Und wir brauchen Programme für IS-Aussteiger – vergleichbar mit Neonazi-Aussteigerprogrammen.

Kann man Gegner wie Assad, die Al-Nusra-Front und den IS nichtmilitärisch bekämpfen?

Militärisch kann man sie jedenfalls nicht bekämpfen. Sie ins­trumentalisieren ja das Feindbild vom Westen, der den Islam angreift. Mit Kriegen, wie denen in Afghanistan und im Irak, haben wir es nur bestätigt. In Europa würden Aufklärungs- und Bildungsarbeit helfen, um der Radikalisierung vorzubeugen.

Elise Kopper

Elise Kopper, geboren 1986, Politikwissenschaftlerin und Ansprechpartnerin beim Netzwerk Friedens­kooperative für die Kampagne www.macht-frieden.de
Foto: Netzwerk Friedenskooperative

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