#Integration: Deutschkurse für Flüchtlinge

Die Flüchtlinge müssen schnell in die Kurse!
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Illustration: chrismon Grafik

Viele Flüchtlinge, die zu uns kommen, können kaum lesen und schreiben. Darum kann sich Dagmar Gdanitz nicht auch noch kümmern
Deutschland spricht 2019

Ja! Wenn wir ihnen den Spaß an der Sprache vermitteln. Die meisten Menschen in meinen Kursen wollen den Deutschtest für Zuwanderer bestehen, den DTZ. Das klingt nach Grammatik, Wortschatz und nach Lehrbuch. Wenn ich mit ihnen rausgehe, ins Café, auf den Markt, wo sie sprechen müssen, schaffen sie nach den 600 Stunden im Integrationskurs auch den DTZ. Sie müssen sich trauen zu sprechen, und das lernen sie nur im richtigen Leben. Die Sprechübungen in den Lehr­büchern sind meistens sehr künstlich.

Dagmar Gdanitz

Dagmar Gdanitz ist selbstständige Lerntherapeutin und leitet Integrationskurse für die Volkshochschule Bochum.
Foto: PR
Manche Politiker wollen den Besuch von Deutschkursen vorschreiben. Doch wir haben schon jetzt zu wenige Plätze und zu wenige Fachkräfte. Und die Gruppen sind nicht homogen. Manche Teilnehmer sind vor drei Monaten nach Deutschland ge­kommen und sehr motiviert. Andere leben schon 30 Jahre hier und haben falsche Sprachstrukturen so verfestigt, dass es schwierig ist, sie aufzubrechen. Die Menschen müssen schnell in die Kurse!

Es sitzen oft Menschen bei uns, die kaum lesen und schreiben können. Oft sagen sie: „Ich will im Kurs bleiben, meine Freunde sind hier.“ Ich verstehe das. Aber es ist eine Extraaufgabe, die nicht bezahlt wird. Wir Lehrer sind hoch qualifiziert, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stellt hohe Ansprüche. Trotzdem arbeiten wir nur auf Honorarbasis. Wir müssen uns selbst renten- und krankenversichern. Es gibt kein Urlaubs­geld. Wegen der Schulferien müssen wir in neun Monaten das erwirtschaften, was wir für zwölf Monate zum Leben brauchen. So viel kann man kaum arbeiten. Dabei sind wir die erste Anlaufstelle für die Flüchtlinge. 

Ohne Sprache finden sie keine Arbeit, ohne Arbeit belasten sie den Staat – aber der Staat möchte nicht mehr Geld für uns herausrücken. In einem meiner Kurse habe ich zwei Frauen und 18 Männer im Alter von 19 bis 56 Jahren. Ich mache nur positive Erfahrungen. In unserem Team von 28 Kursleitern – nur zwei sind Männer – tauschen wir uns aus. Ich weiß von zwei Kolleginnen, die laute und unverschämte Männer vor sich hatten. In einem Fall musste die Polizei ein Hausverbot aussprechen. Bei der Menge an Kursen und Teilnehmern ist das allerdings überschaubar.

Information

Schaffen wir das?

Die Flüchtlinge sind da – eine Welle, sagen manche, eine Flut. Aber wir sind darin nicht untergegangen. Wir wollten ganz praktisch wissen, was wir tun müssen, damit wir hier alle gut leben können. Acht Experten haben uns in chrismon 06/2016 geantwortet. Sozialpsychologen, Ethnologen, Immobilienwirtschaftler. Alle haben Ideen.

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Lesermeinungen

Jeder, der meckert, ist sicherlich herzlich willkommen, im kleinen oder größeren Rahmen ehrenamtlich mitzuhelfen. Ich bin sprachlich nicht so gut, auch etwas schwerhörig + selbst überbelastet mit dem Versorgen eines Kranken, unserem kleinen Verlag, meinen eigenen Gesundheitsproblemen + den finanziellen Sorgen als Freie Künstlerin, + im Gegenüber kontaktscheu. ... Aber wenn wir nicht die Arbeit derer achten, die sich ohne viel Lohn (d.h. mit der Sorge selbst in Hartz 4 abzurutschen) für andere einsetzen, also wesentlich zum Gelingen der Integration beitragen -- schaden wir unser aller Zukunft! Lehrer sein heißt ja kein 8 Std.-Alltag + in großartigen Ferien 3 Monate im Jahr frei, sondern (meine Mutter bildete Erzieherinnen aus, voll bezahlt) zu Hause beginnt die Arbeit erst: von Unterrichtsplanung, Vorbereitung für jeden einzelnen Schüler (d.h. dort beginnen, wo er steht) bis zu Arbeiten nachsehen, Besuche zu Hause, Unternehmungen, zusätzliches Material einkaufen (ohne Rückerstattung) oder selbst herstellen, ...! + Daß passiert alles in der Zeit, wo andere Feiertag haben: Nachts + am Wochenende + in den Ferien. Meine Mutter tat es mit Begeisterung + mit Freude an ihrer Arbeit, an jedem einzelnen Studierenden + für die Kinder, für die ihre Schüler später verantwortlich waren! So + ähnlich, gleich oder ganz anders wird dieser "Job" auch sein: nur zu gering bezahlt!
Frau Gdanitz ist selbstständig (wie ich), d.h. mit großen Sorgen für jeden Tag, für die Zukunft. Sie möchte mit ihrem Beitrag uns Lesern nahe bringen, durch unsere breite Mehrheit die Regierung zu überzeugen, zu begreifen, daß ohne Spracherwerb + Bildung Integration, ein Funktionieren der Gemeinschaft nicht geht + daß sich der Staat dafür voll einsetzen muß! Sprache ist ein Kulturerwerb für unsere aller Zukunft, aber nur wenn er vernünftig finanziert wird, so daß die Ausbilder davon leben können.
Sorry, zu viele Worte,
Therese Fischer Freie Künstlerin, Inh. Anne Fischer Verlag Norderstedt

Ich würde mich freuen, über die Erfolge dieser Aufrufe zu erfahren. Aber, offen gestanden, begreife ich das nicht. Und, meine Hochachtung für diese großartige Leistung. Ich bin nur ein kleiner unbedeutender und ungebildeter Bürger, der für eine recht kurze Zeit, ein bisschen Bildung genießen durfte. Aber wäre ich eine so "hochdottierte " Kraft , wie sich die Autorin hier selbst darstellt, so machte ich, wofür ich stehe, ohne mich selbst so in den Himmel anzupreisen ! Und mich zudem noch zu beklagen, dass meine Honorare nicht so hoch ausfallen, wie ich sie gerne hätte !
Die Flüchtlinge sind auf altruistische Hilfe angewiesen, auf nichts anderes sonst.
"Ohne Sprache finden sie keine Arbeit, ohne Arbeit belasten sie den Staat- aber der Staat möchte nicht mehr Geld für uns HERAUSRÜCKEN ". Wow, was für ein Ton !
Eine herzerreissende Diskussion !
Ja, liebe Frau Dagmar Gdanitz: wozu haben Sie und Ihresgleichen denn gelernt ??? Auch Ihre Ausbildung hat den Staat eine wenig was gekostet !
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Es ist beschämend.
Da tut man schon alles, um den Staat zu entlasten, und findet nicht genug Leute für das Ehrenamt !
Ich finde , der Staat ist verantwortlich.

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Um dem Ganzen die Ironie zu nehmen, finde ich Profis, die sich nicht engagieren wollen, unter aller Sau, und es sollte zu ihrem Karriereknick beitragen. Umgekehrt, sollte es, in diesem unseren ach so christlich altruistischen Land eine reine Selbstverständlichkeit sein !
Nebenbei bemerkt : Für viele Promis ist soziales Engagement längst selbstverständlich.