Deutsches Kriegsmassaker im Zweiten Weltkrieg

Besatzer auf Kreta
i34_cp1505-74-mail-3_web.jpg

Foto: action press/imagebroker.com

Mahnmal mit Aussicht. Hier töteten deutsche Soldaten 440 Griechen

Der Vorsitzende der deutschen Gemeinde auf Kreta Wolfgang Schmädeke mit einer E-Mail aus Griechenland
Deutschland spricht 2019

Ich lebe auf Kreta und komme manchmal an der Gedenkstätte in Amirás vorbei. 1943 hatten deutsche Soldaten hier und in den umliegenden Orten 440 Menschen hingerichtet, als Vergeltung für eine Partisanenaktion, bei der zwölf Wehrmachtssoldaten getötet wurden. Während der Besatzungszeit 1941 bis 1945 gab es in ganz Kreta derartige „Sühnemaßnahmen“. In Amirás stehen Tafeln mit endlosen Namenslisten, jeder Name in Stein gemeißeltes Unrecht.

Das Denkmal liegt eindrucksvoll an einem Platz mit weitem Blick auf das Umland, die Küste und weit hinaus aufs Libysche Meer. Heute bleibt mein Blick an einem ausrangierten Autobus hängen, der allein am Eingang der Arvi-Schlucht steht. Ein Gebirgsbach stürzt dort 500 Meter in die Tiefe. Auf Feldwegen fahre ich hin. Kein Mensch weit und breit, die Fahrertür steht offen. Ich mache mich vorsichtig bemerkbar. Da rührt sich etwas, ein älterer Mann erhebt sich schwerfällig. Zögernd begrüßen wir uns, mein Griechisch ist schlecht. Er wohne im Sommer hier in dem Bus, er liebe die Ruhe, erzählt er.

Wolfgang Schmädeke

Schmädeke ist Vorsitzender der deutschen Gemeinde auf Kreta evkikreta.de
Als er mich als Deutschen erkennt, stockt das Gespräch etwas. Dann zeigt er in eine Richtung: Da drüben, ganz in der Nähe, war es. Dort haben die Deutschen seine Eltern und andere Dorfbewohner erschossen. Ich bringe kein Wort hervor. Wir halten die Stille eine Weile aus. Mit einem wortlosen Händedruck und einer Geste des Be­dauerns wende ich mich schließlich ab und fahre sehr, sehr langsam zurück.

Im deutschen Fernsehen verfolge ich seit langem die Berichte zur griechischen Krise. Die Reparationsforderungen und deren schroffe Ablehnung haben die Stimmung erneut angeheizt. Ich finde die Überheblichkeit auf deutscher Seite völlig unangebracht. Der Verweis, die Reparationsfrage sei endgültig in den Londoner Verträgen geregelt, erscheint mir wie ein Schlag ins Gesicht der Opfer. Ist sie das wirklich? Ich wünsche mir mehr Sensi­bilität von meiner deutschen Regierung.

 

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Lesermeinungen

Einige Kommentare entsetzen mich in ihrer Selbstgerechtigkeit (dazu von keiner Sach- und Geschichtskenntnis getrübt) und Empathiefreiheit ebenso wie mich die Geschichte des Artikels betroffen macht. Ich habe einige Zeit in Griechenland gelebt, kenne Distomo, Kalavrita und andere solcher Orte, habe selbst derartige Situationen wie in dem Atikel geschildert erlebt. Mich hat immer wieder das große Herz der Griechen berührt, mir der Fremden ohne Vorbehalte freundlich zu begegnen, obwohl ich immer erwähnt habe, dass mein Vater Soldat in Griechenland (Kreta) war, das war gerade auch auf Kreta so.

Griechenland hat unter deutscher Besatzung am meisten gelitten , danach als Folge des krieges der schreckliche Bürgerkrieg, der noch heute nachwirkt, später die Junta (von den USA unterstützt). Vorher nach der türk. Herrschaft Krieg , Krieg , Krieg., die kleinasiat. Katastrophe. GR hatte wenig Gelegenheit, ein normales Staatswesen zu entwickeln und war immer Spielball anderer Interessen auf dem Balkan.

Bei aller notwendigen Kritik an der griechischen Politik(korrupte Elite) in der Vergangenheit :

Die Bevölkerung hatte keine überzogenen Schulden bei ihren Banken ! Wer das behauptet, hat noch nie versucht, in Griechenland einen Kredit zu bekommen, was auch vor der krise Monate dauern konnte bei relativ lächerlichen Summen und trotz Sicherheiten. Wenn man etwas bei der Bank oder Post zu erledigen hatte, musste man einen ganzen Vormittag einplanen . Wenn man zur Sicherheit nur einen Eingangsstempel für seine persönlich abgegebene Steuererklärung vom Finanzamt haben will, braucht es (auch nach der krise) nur dafür einen ganzen Tag,weil keiner zuständig sein will. Natürlich geht alles viel schneller wenn man extra zahlt. Schon Kinder in der Grundschule wissen ,wie es geht und halten ihren Elten vor sie seien blöd, wenn der eine Vater durch Korruption das dicke Auto stehen hat,der andere aber gemobbt wird, wenn er sich nicht beteiligt. Alles ist vergiftet. Aber wie dies an der Wurzel packen ? Natürlich habe ich auch daran teilgehabt : wenn man etwas kauft sagt sagt man , dass man bar zahlt und keine Quittung braucht und fragt , was es dann kostet. Bei mir im Dorf hatte jeder Laden zwei Kassen, eine offizielle und einen Kasten mit Bleistiftzetteln . Bürokratie , Korruption und Steuerhinterziehung , das sind die miteinander verknüpften Leiden des griechischen Volkes ! Der kleine Ladenbesitzer rächt sich mit der Steuerhinterziehung auch für die bürokratische Drangsal , der er kafkaesk ausgesetzt ist. Für die "Großen" gilt das natürlich nicht. Man kann auch bestimmte Leute anrufen und hat in 10 Minuten alles erreicht, was vorher Monate nicht klappte. Das kostet nichtmal unbedingt Geld , aber Gefälligkeit, ähnlich wie bei der Mafia.

Bezahlt wurden aus dem ESM (Bislang hat der "Steuerzahler" keinen müden Euro gezahlt) die Schulden der griechische Banken und des griech. Staats bei den deutschen und französ. Banken,die sonst ins Trudeln gekommen wären. Um GR ging es dabei nie !
Wenn die griech. Regierung aber die höchsten Militärausgaben in d er EU hat (besitzt 3x soviel Panzer wie D) , an denen Deutschland mit Bestechungen kräftig verdiente, verrückterweise die Olympschen Speile ausrichtet, obwohl man sich das Geld leihen muss - an deren Bauten die korrupte "Elite" dann kräftig verdient, muss man sich über die Staatspleite nicht wundern.

Die Gehälter t waren vor der Krise halb so hoch wie hier bei gleichen Preisen . Um über die Runden zu kommen und ihren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen haben viele Griechen in zwei Jobs gearbeitet (von wegen faul!) ! jetzt ist jeder froh,der noch einen hat und dann noch um 25 % gekürzt ...J , die Suizide entsprechend gestiegen ! Das Tafelsilber an öffentlichem Eigentum , aus dem man doch Einnahmen generieren könnte, wird unter Druck spottbillig an Internationale Konzerne verschleudert.
Was hat denn Lohndrückerei mit Sparen zu tun ? Angeblich soll GR wettbewerbsfähiger werden.
Womit bitte schön soll denn GR wettbewerbsfähiger werden ? Da ist nichts ... Tourismus lief auch vorher gut.

Die exorbitanten Militärausgaben wurden von keiner Seite bislang kritisiert, aber Löhne sind natürlich zu drücken und die Gesundheitsversorgung unter 3.Weltniveau . Kapiert es eigentlich einer, dass zunächst ein Krieg gegen den Euro geführt wurde und letztlich auch von unseren Eliten nur experimentiert wird, wie weit man in Europa gehen kann und dass letztlich auch wir dran kommen ,wenn alles andere abgegrast ist ? Außerdem gab es in Griechenland immer einen unabhängigen Spirit. Es war erklärtes Ziel der US (kann man nachlesen bei Kissinger , habe aber gerade den link nicht) die - immer schon -renitenten Griechen,die den strategischen Forderungen der US im Balkan nicht immer folgen wollen - von ihren Traditionen abzulösen und so gefügig zu machen. ich bin hoffe sehr, dass das nicht funktionieren wird .

Die Opfer der deutschen Soldaten wünschen sich vor einer gerechten Entschädigung vor allem ,erst einmal überhaupt als solche in ihrem Schmerz wahrgenommen zu werden ! Sie möchten gesehen und verstanden werden ! Nur das zu leisten wäre schon ein enormer Fortschritt und würde den Opfern vieles erleichtern. Ich schäme mich für dieses Deutschland, das sich feige selbst davor drückt, von Zahlungen ganz zu schweigen !!!
Dabei wäre unser Wohlstand ohne Schuldenerlass - übrigens auch von Griechenland - nicht möglich gewesen !

Es ist der Mut zu bewundern, mit welcher Unbekümmertheit geschrieben wird.

Wenn Sie einen Kredit aufnehmen, das Geld verprassen und ihnen dennoch geholfen werden soll, dann müssen Sie doch auch zuerst die Schulden zurückzahlen? Oder? Oder sonst wäre das doch eine billige Aufforderung zur weiteren Unbekümmertheit. So hat die EU nicht nur den Banken (die die maroden Schuldverschreibungen an andere Länder verkauft haben) geholfen, sondern der deutsche Steuerzahler hat auch die Schulden der griechischen Bevölkerung bei ihren Banken übernommen. Hätte die EU das nicht gemacht, wären dort alle Banken hops gegangen und in Griechenland wäre nichts mehr möglich gewesen.

Die Baltischen Staaten haben ein Durchschnittseinkommen von ca. € 360, die Griechen eins von ca. 650, und dennoch helfen die Balten den Griechen. Schämen sollten die sich für diese schamlose Ausnutzung der EU-Solidarität. Wir haben wahrlich schon genug an die Griechen für 70jährige Sünden bezahlt.

Und wenn wir schon in der Geschichte sind. Das Land Bayern hat nach der 400 jährigen Herrschaft der Osmanen dem ersten König (Otto Prinz von Bayern) der Griechen 1832 mehrere Millionen Goldmark zur Thronbesteigung als Darlehen mitgegeben. Die Griechen waren schon damals total pleite. Sie haben traditionell nicht mal im Traum daran gedacht, jemals die Summe zurückzuzahlen. Mit Zins und Zinseszins sind daraus inzwischen nahezu 1000 Milliarden geworden.

Kinder können ihren Eltern Versäumnisse vorhalten. Sich aber der Sünden der Ahnen zu bedienen, um von eigenen Fehlern abzulenken, das ist keine feine antike Art. Das Versagen der Griechen und deren Lügen mit den eigenen süßlichen Empfindlichkeiten zu bemänteln, ist ungenießbar.

OCKENGA schrieb am 15. Mai 2015 um 14:50: "der deutsche Steuerzahler hat auch die Schulden der griechischen Bevölkerung bei ihren Banken übernommen". Ich bin deutscher Steuerzahler. Ich habe nicht eine müde Reichsmark, Deutsche Mark, Drachme oder einen müden Euro von irgend jemandem bei irgendeiner Bank übernommen. Ich habe meine Steuern gezahlt, weil ich sonst in den Knast komme. Ich habe nicht einen Pieps zu sagen, was der Staat mit meinem Geld macht. Wer schon aus vollem Herzen gegen die Griechen hetzen möchte, könnte trotzdem davon Abstand nehmen, die Würstchenrolle hochzujubeln, die alle Steuerzahler spielen, deutsche wie griechische gleichermaßen.

Hallo,
ich finde es beschämend wie die deutsche Regierung mit den berechtigten Forderungen der griechischen Opfer und Regierung umgeht. Vor allem wenn man dann noch sieht, wie sich unser Finanzminister als Richter über das Weiterbestehen der griechischen EU-Mitgliedschaft gebärdet.

Wem hat denn die EU bisher geholfen? Nur sich und ihren Banken, bei der griechischen Bevölkerung ist keine Hilfe angekommen. Ich denke, es ist eine große Schande für die ganze EU, maßgeblich unter deutscher Führung sich so unmenschlich zu verhalten.