Bruderhahn Initiative Deutschland rettet Küken vorm Schreddern

Wozu die Küken vorm Schreddern retten?
Kueken

Foto: Dirk Heine / flickr.com

In Deutschland werden jährlich rund 50 Millionen männliche Küken nutzlos getötet. Im Jahr 2014 entkamen rund 28 000 Küken durch die Bruderhahn Initiative Deutschland diesem Tod.
Deutschland spricht 2019

chrismon: Sie retten ein halbes Promille aller Hähnchen. Was wollen Sie damit erreichen?

Pamela Wieckmann: In erster Linie klären wir über die massenhafte Tötung männlicher Küken auf und bieten die Übergangs­lösung, sie auf Biohöfen aufzu­ziehen. Langfristig engagieren wir uns für die ökologische Zucht von Hähnchen mit ausreichen­dem Fleischansatz.

Klingt nach mehr Profit.

Wirtschaftlich muss die Aufzucht schon sein. Uns geht es um den respekt­vollen Umgang mit Tieren. Höfe, die von uns die männlichen Küken übernehmen, verfüttern nur Biofutter, halten artgerecht, bieten genug Auslauf und behandeln nicht mit Anti­biotika.

Warum retten Sie nur Tiere aus Biobrütereien?

Die Qualität des Geflügels muss stimmen. Die Küken stammen von ökologischen Elterntieren ab. Noch kümmert sich niemand um die männlichen Küken aus Massentierhaltung.

Vertragen sich die Hähne?

Man muss sie im Auge haben. Sie benötigen viel Platz und Beschäftigung, damit sie sich nicht gegenseitig picken. Besonders aggressive Hähne werden mit viereinhalb Monaten aussortiert. In der herkömmlichen Mast werden viele Hähne schon mit sechs Wochen geschlachtet.

Wenn ich einmal groß bin

...werde ich ein Biomasthähnchen. Das dauert zwölf gut organisierte Wochen. chrismon-Redakteurin Mareike Fallet und die Fotografin Angela Wahl haben immer mal wieder auf einem Hof vorbeigeguckt, um zu erfahren, wie moderne Hühner leben – und sterben

In fünf Jahren erkennt man das Geschlecht des Kükens schon am Ei. Männliche Eier wären dann fürs Frühstück geeignet.

Die technischen Vorrichtungen der In-ovo-Geschlechtsbestimmung werden für kleine Höfe zu kostspielig sein. Für uns gibt es nur die Alternative einer alter­nativen Geflügelzucht.

Hähnchen, die dem Schredder entkommen, landen auf dem Teller. Dabei wird doch schon so viel Fleisch produziert!

Das Fleisch unserer Hähnchen ­ ist zu teuer, um im Müll zu landen. Vieles hängt vom Bewusstsein des Verbrauchers ab. Macht er sich Gedanken, woher sein Fleisch kommt? Ist er bereit, einen höheren Preis zu zahlen?

Wäre ein Verbot des Kükenschredderns sinnvoll?

Nein, Geflügelverbände könnten ihre Brütereien nach außerhalb Deutschlands oder der EU ver­legen. Damit sich wirklich etwas tut, müsste das gesamte System verändert werden. Wir wollen ­bewussten Verbrauchern eine Alternative bieten.

Pamela Wieckmann

Pamela Wieckmann, 38, koor­diniert die Bruderhahn Initiative Deutschland. Der Verein wurde 2012 gegründet.

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