Gott bewahre uns vor Verspießung

Heute hat der Bundestag mit großer Mehrheit beschlossen: Jüdische und muslimische Eltern dürfen auch künftig ihre minderjährigen Jungen gemäß ihren religiösen Vorschriften beschneiden lassen. Sie dürfen dies von einem Arzt machen lassen – oder bei Kleinkindern auch von einem Mohel, einem jüdischen Beschneider. Das ist Teil ihres Sorgerechts.

Damit hat der Bundestag richtig entschieden. Nicht, weil er Rücksicht auf die in Deutschland lebenden Juden und Muslime genommen hat, nicht aus Sorge um das Ansehen Deutschlands in der Welt, sondern aus der Sache heraus.

Warum?

Weil Eltern ihre Kinder nun einmal prägen und in Entscheidungen, die keinerlei physische oder psychische Beeinträchtigung nach sich ziehen, die Hoheit in der Erziehung haben. Die Beschneidung gehört zur religiösen Identität von Juden und Muslimen, dies rechtfertigt den Eingriff. So einfach – und so kompliziert ist das.

Denn gleichzeitig werden ja schwierige Fragen aufgeworfen: Hat der Verweis auf die religiöse Identität ein so großes Gewicht, dass er gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit ins Feld geführt werden kann? Und was ist religiöse Identität überhaupt:  Machtanspruch einer Gemeinschaft auf ein Individuum – oder vielleicht doch mehr als das?

Körperverletzung für Juristen und Nichtjuristen

Dies vorweg: Jungenbeschneidung ist nicht vergleichbar mit Mädchenbeschneidung, die darauf abzielt, den Frauen den Spaß am Sex zu nehmen.

Und: Jeder Junge, der aus medizinischen Gründen (also wegen einer auf Dauer schmerzhaften Vorhautverengung) unters Messer kommt, erfährt von seinem Arzt: „Ohne Vorhaut fehlt dir nichts.“ Der Arzt will dem Jungen damit Angst nehmen. Er muss dafür nicht einmal lügen. Viele Wissenschaftler haben beschnittene und unbeschnittene Männer untersucht, keine Studie konnte bislang Nachteile der männlichen Beschneidung eindeutig nachweisen.

Sollte sich hier die Erkenntnislage ändern, sollte jemals ein ernsthafter langfristiger körperlicher oder seelischer Schaden bei beschnittenen Männern wissenschaftlich nachgewiesen werden, müsste das deutsche Beschneidungsgesetz vom Tisch.

Und noch etwas hat sich inzwischen herumgesprochen: Juristen meinen mit Körperverletzung etwas anderes als Nichtjuristen. Jeder chirurgische Eingriff, bei dem menschliches Zellgewebe zerstört wird, kann juristisch den Tatbestand der Körperverletzung erfüllen. Deswegen holen Ärzte grundsätzlich die Einwilligung ihres Patienten oder seines Vormundes ein. Deswegen wägen sie immer ab: Ist der medizinische Nutzen des chirurgische Eingriffs wirklich größer ist als der Schaden?

Daher muss jeder Jurist zunächst auch Jungenbeschneidung als Körperverletzung einstufen – ebenso jedes Piercing und jede Tätowierung. Bei nichteinwilligungsfähigen Kindern braucht man daher eine gute Begründung, die solch einen Eingriff rechtfertigt. Um die Gültigkeit dieser Begründung zu streiten – um nichts mehr und um nichts weniger – lohnt sich.

Geht es wirklich allein um Machterhalt?

Wenn das geklärt ist, folgt die eigentliche Frage: Wiegt der Verweis auf die religiöse Identität so schwer, dass er gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit ins Feld geführt werden kann?

Interessant sind die Argumente derer, die diese Frage verneinen. Sie beruhen oft auf einer kulturell einseitigen Weltsicht. Zu denen, die hier am gründlichsten argumentieren, zählt Holm Putzke, Strafrechtsprofessor an der Universität Passau in Bayern und Gutachter bei jenem Kölner Landgerichtsprozess, der die große Beschneidungsdebatte nach sich zog. Putzke liefert starke Argumente, aber manchmal sind sie nur vordergründig stichhaltig.

Zwei Beispiele: Putzke erläutert in einem Interview:

„Der Grund, warum selbst im Islam, wo der Koran gar keinen festen Zeitpunkt festlegt, derart viel Wert auf eine möglichst frühe Beschneidung gelegt wird, ist einzig und allein die Furcht der Religionsgemeinschaften, dass ein älterer Betroffener nach Abwägung der Vor- und Nachteile letztlich doch darauf verzichten könnte, weil er die Schmerzen und das Risiko scheut. Kurz: Es geht allein um Machterhalt.“

Putzkes Analyse ist richtig – seine Schlussfolgerung weniger. Denn: Nein, es geht hier nicht um Machterhalt! Für jemanden, der in der islamischen Welt aufwächst, ist die Religionsgemeinschaft, die den Verzicht eines älteren Betroffenen auf die Beschneidung fürchtet, die Gesamtheit aller – oder fast aller – Menschen, mit denen er täglich in Kontakt kommt. Muslime nennen diese Gesamtheit die „Umma“. Die „Umma“ ist eben nicht hierarchisch, sondern durch das Selbstverständnis aller definiert. Und sie gilt als Argument, warum die Beschneidung eben doch die Körperverletzung zulässig macht.

Füge dich, raten Muslime oft. Lehne dich auf, raten Christen oft. Islamische und christliche Lebensentwürfe können nicht immer koexistieren, das ist richtig. Andererseits müssen sie auch nicht immer kompatibel sein, um koexistieren zu können. Es ist eine Anfrage an das Maß an Freiheit, das wir in Deutschland gewähren, ob wir dem muslimischen Lebensentwurf nicht zumindest hier, in der Frage der Beschneidung, sein Recht lassen. Solange niemandem nachweisbare Nachteile daraus entstehen, sollte das möglich sein.

Holm Putzkes Schlussfolgerung, hier gehe es allein um Machterhalt, den der Gesetzgeber Einhalt zu gebieten hätte – nämlich um den Machterhalt religiöser Führer über Individuen – entspricht jedenfalls nicht der Realität. Denn niemand in der muslimischen Welt hat wegen dieses Selbstverständnisses einen persönlichen Machtvorteil.

„Stempel auf dem Körper der Juden“

Weiter erläutert Putzke: „Es geht allein um Machterhalt oder – wie es der israelische Oberrabbiner Metzger bei seinem Besuch in Deutschland kürzlich in erschütternder Offenheit verkündet hat – um einen «Stempel, ein Siegel auf dem Körper eines Juden. Ein Siegel, von dem man sich nie verabschieden kann.» Ist eine solche archaische Sicht wirklich zu vereinbaren mit dem Persönlichkeitsrecht und der Religionsfreiheit der Betroffenen?“

Klar, die Antwort auf Putzkes Frage muss sein: Solch eine archaische Sicht ist tatsächlich nur mühsam mit der im christlichen Abendland geprägten Vorstellung eines Persönlichkeitsrechts und einer negativen Religionsfreiheit zu vereinbaren. Aber dennoch sollte man es versuchen, zumal niemandem ein nachweisbarer Schaden daraus entsteht!

Denn auch hier geht es – anders als Putzke nahelegt – nicht zunächst um einen Machterhalt, den der Gesetzgeber einzuschränken hätte. Oberrabbiner Metzger gewinnt ja dadurch, dass jüdischen Männern durch die Beschneidung quasi ein Siegel auferlegt ist, von dem sie sich nie verabschieden können, keine Macht über diese Männer. Wie sollte diese Macht auch aussehen? Der Oberrabbiner aus Israel hat ja nicht einmal etwas annähernd Vergleichbares wie das Lehramt des römisch-katholischen Papstes!

Sondern für den Oberrabbiner – wie auch für viele andere Juden – ist dieses Siegel in erster Linie Ausdruck einer unverbrüchlichen Identität. Wer Jude ist, bleibt Jude, egal ob er Buddhist, Katholik oder Atheist wird. Juden haben diese Erfahrung in zwei Jahrtausenden Verfolgung oft leidvoll machen müssen: Für ihre nichtjüdische Umwelt bleiben Juden auch dann Juden, wenn sie konvertieren. Mit oder ohne Beschneidung!

Juden haben im Laufe der Jahrtausende dies angenommen. Zu den Bestandteilen jüdischer Identität und innerjüdischer Solidarität zählt auch deshalb die Unterscheidung von Juden und Nichtjuden.

Der Mensch ist immer schon ein geprägtes Wesen

Kein Mensch ist ein Neutrum. Jeder Mensch ist, der er ist, durch seine elterlichen Prägungen, durch sein soziales Umfeld während seiner Kindheit und Jugend, durch die Gesellschaft, in der er aufwächst. Daraus ergibt sich kulturelle Vielfalt – auch in Deutschland. Wo aufgrund dieser Vielfalt niemandem ein Schaden entsteht, sollte sie möglich sein.

Wenn nicht, würden wir dieses Land verspießern. Gott bewahre uns davor! Und das Gesetz, das der Bundestag heute beschlossen hat, auch.

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Deutsche Christen als Anwälte jüdischer Jungen? "Merkwürdig!" sagt Kirchenhistoriker Christoph Markschies.

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Lesermeinungen

Aber ich vermisse einen ernsthaften Appell, eine dringliche Bitte an die betreffenden Religionsgemeinschaften, ihre Haltung zur Beschneidung gründlich zu überdenken. Genauso wie mich die - wie soll ich es politisch korrekt formulieren - starre, feste, unnachgiebige, irgendwo unbarmherzige Haltung dieser Glaubensgemeinschaften zum Thema Beschneidung - hm - erstaunt, wenn nicht gar erschreckt. Hoffentlich gibt es da auch andere Stimmen - hoffentlich habe ich diese einfach nicht gehört oder gelesen.

Sehr geehrter Herr Weitz,
ich lese Ihre Kommentare ja gerne. Aber der Gebrauch des Unwortes "verspießern" ärgert mich in diesem Zusammenhang schon etwas ... !
Gruß
M. Spieß

Sehr geehrter Herr Weitz,
"Hinweis der Redaktion

Im hier kommentierten Text ist eindeutig und explizit von Jungenbeschneidung die Rede. Bitte lesen Sie, bevor Sie kommentieren. Vielen Dank."

Die Anregung zu lesen vor dem Kommentieren möchte ich auch an Sie herantragen.
Zwar stand im Betreff meines Kommentars "Artikel "Gott bewahre uns vor Verspießung", dennoch erwähne ich in meinem Kommentar gleich zu Anfang, daß ich mich auch auf Ihre Antwort an Kurt Schubert beziehe. Dort führen SIe als Argument an, daß Sie Erwachsene Beschnittene getroffen haben, die keine Einschränkung ihrer Sexualität empfinden. In diesem Punkt haben Sie das Thema verfehlt. Das Argument, Beschnittensein sei gar nicht schlimm wiegt hier sehr schwer, weil es 1. eine wachsende Zahl von beschnittenen und darunter leidenden Männern gibt (die Sie anscheinend ignorieren) und 2. niemand vorhersehen kann, ob die Beschneidung im Kindesalter einen Menschen später beeinträchtigt oder nicht. Und genau deshalb ist es ein no-go, Menschen diese Entscheidung nicht selbst zu überlassen und sie zwangszubeschneiden.

Unerfüllt blieb bisher mein Wunsch "Bitte überprüfen Sie Ihre Empathiefähigkeit gegenüber wehrlosen Kindern, und hier ganz speziell gegenüber den Wehrlosesten, den Säuglingen und schreiben Sie hier, warum Ihnen das Leid von Kindern und von erwachsenen Betroffenen egal ist."
Würden Sie mir den noch erfüllen?
Vielen Dank
Geraldine

"Der Mensch ist immer schon ein geprägtes Wesen." Es ist ärgerlich, wenn man solche Worte liest, die Menschen schreiben, um andere zu unterdrücken, vielleicht sogar,w eil sie es selber nicht besser wissen ! Der Mensch ist ein freies Wesen, und gehört nur sich selbst. Die Prägung ist der Ausgangspunkt seiner Reise, darum kommt ihr ja auch eine große Bedeutung zu. Es ist gut, Herr Weitz, dass Sie in Ihrem Beitrag "Irritiert ", Ihre Irritation erläutert haben. Mir wird deutlich, dass Ihre hehre Absicht leider voll daneben ging, weil sie von einer falschen Voraussetzung ausgehen. Nicht das Thema der Beschneidung ist von Bedeutung, weil dazu aus medizinischer Sicht kaum Fragen offen bleiben, sondern die Unfähigkeit, mit der Freiheit, die durch das Urteil begründet wird, umzugehen. Niemand muss beschützt werden, der sich aus freien Stücken für oder wider die Beschneidung entscheidet, denn es besteht kein Zwang. Er muss nur eine Entscheidung für sich selber treffen, eine freie Willensentscheidung. Der Besitzanspruch der Religion entfällt, und der Mann gerät in die Situation, sich selbst endlich einmal hinterfragen zu dürfen, statt dauernd Gott vorzuschützen. Die Frau spielt doch bei alle dem ohnehin nur eine Nebenrolle, auch im christlichen Umfeld, sie darf lediglich das Leid abfedern, abfangen, mitleiden, nur fordern darf sie nichts. Die Hauptrolle spielt der mann. Auf Dauer ist das zu wenig.

Waren Sie schon mal im Ausland? Spätestens, wenn man mit Menschen anderer Mentalität etwas mehr als nur Smalltalk hält, fällt einem die eigene kulturelle Prägung auf. Was ist gut, was ist schlecht, was finde ich appetitlich, was eklig, was regt mich auf, was lässt mich kalt, usw. In gleichem Maße ist auch die Einstellung zur Beschneidung kulturell abhängig. Es muss ja nicht auf alle Zeiten so bleiben, Mentalitäten ändern sich auch. - Schon aufgefallen, dass sich in den Kommentaren hier das deutsche WASP-Publikum breitmacht? Von wegen alles rational begründet! - Sorry, aber die Erkenntnis, dass der Mensch schon immer ein geprägtes Wesen ist, ist ziemlich banal. Zu behaupten, er sei ein freies Wesen und gehöre nur sich selbst, absolut wünschenswert - aber leider weit weg von der Realität.

Herr Igor X. schreibt, sein Penis würde niemanden etwas angehen. Da hat er zweifellos Recht. Wenn er seinen Frieden (mal angenommen, er sei beschnitten) damit gemacht hat, dass ihn seine Eltern wesentlich in seiner Sexualität zu beeinflussen suchten, dann sei ihm das gegönnt. Er sollte allerdings nicht ignorieren, dass andere Menschen eben nicht einverstanden sind mit dieser Handlung. VORHER kann man es nämlich nie wissen, ob jemand damit einverstanden sein wird, ob es schwere Komplikationen etc. gibt. Hätten Sie, Herr Igor X., auch ihren eigenen Tod oder - wie auch schon geschehen - die Penisamputation als Folge dieses Eingriffs gebilligt? Wäre Sie dann auch noch zufrieden, "watt mutt, datt mutt"?

Demzufolge ist dies bei einem Kind anders zu bewerten. Wenn Eltern meinen, sie müssten an Kindern genitale Veränderungen durchführen, sei es aus religiösen, "hygienischen" oder weniger verkappt sexualfeindlichen Motiven, so geht das uns alle etwas an. Bei Mädchen geht es uns ja auch alle etwas an! Wie bei jeder anderen Behandlung auch, die nicht nur unnötig ist, wenn sie nicht medizinisch indiziert ist, sondern auch Risiken birgt. Wie bei jeder anderen Handlung von Eltern auch, die objektiv nicht dem individuellen Kindeswohl dient, sondern einem Kollektiv oder nur den elterlichen Hygiene- oder Moralvorstellungen.

Ich werde es nie verstehen, warum sich die organisatorischen Kirchenvertreter so für die Sexualorgane der kleinsten Menschen, der Säuglinge, interessieren und an ihnen herum- und abschneiden wollen...
Man sollte bei der Religion selbst anfangen (ist sie heilbar?) und dann die gesundheitlichen Aspekte (abgeschnittene Vorhaut ist kaum heilbar!) diskutieren.
Ist Seelenheil analog zu Sexualenthaltsamkeit = Zölibat = usw. usf. zu verstehen?
Wer antwortet mir????

Lieber Herr Weitz,
Diese Sätze von Ihnen :

"Weil Eltern ihre Kinder nun einmal prägen und in Entscheidungen, die keinerlei physische oder psychische Beeinträchtigung nach sich ziehen, die Hoheit in der Erziehung haben. Die Beschneidung gehört zur religiösen Identität von Juden und Muslimen, dies rechtfertigt den Eingriff. So einfach – und so kompliziert ist das."
haben mich bewogen, meinen Austritt aus der evangelischen Kirche nach 68jähriger Mitgliedschaft in Erwägung zu ziehen.
Der Grund ist für mich: " Das Mitleiden mir dem Leid kleiner Kinder und das Unterlassen von Häme gegenüber denen, die tätlich solches Mitleid zeigen, gehören mit zur religiösen Identität von Christen. Wo ein Verteter einer Kirche, die sich christlich nennt, derlei Aspekte vermissen lässt, bzw. sie gar verhöhnt, dort rechtfertigt dies den Austritt aus besagter Organisation. So einfach - und so kompliziert ist das.
Ich persönlich erschauere bei dem Gedanken, beinahe mein gesamtes Leben zu einer Kirche gehört zu haben, die nach meinem Dafürhalten sich nun als dermaßen hartherzig zeigt, dass mir schlecht wird.
Da Sie in Ihrer Eigenschaft als Vertreter der evangelischen Kirche die Verstümmelung kleiner Jungen an ihren Genitalien gutheißen, kann ich keine weitere Gemeinschaft mit einer solchen Organisation haben.
Mit freundlichen Grüßen
Manfred Siebenrock

Gott bewahre uns vor der erneuten Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid anderer Menschen, auch solcher, die nicht in den derzeit gängigen Horizont der Rechtschaffenheit passen. Und auch dieses Land, das diese Gleichgültigkeit in der Vergangenheit bis zum Überdruss gezeigt hat.

P.S.: Unterhalten Sie sich doch bitte mal mit persönlich Betroffenen, Z. B. Herrn Ali Utlu.

Sehr geehrter Herr Weitz,
ich bin entsetzt über Ihren Artikel, aber fast noch mehr über Ihre Antwort auf Kurt Schubert. Während Ihr Artikel noch Unkenntnis vermuten ließ, deutet Ihre Antwort auf Kurt Schubert darauf hin, daß Sie TROTZ inhaltlicher Auseinandersetzung eine selten empathielose Haltung an den Tag legen, die mich erschauern läßt, bedenkend, daß Ihr Beruf eigentlich die Fähigkeit zur Empathie für Schwache und Hilflose beinhalten müßte.
Offensichtlich ist Ihnen entgangen, daß das Thema der Debatte lautet "KNABENbeschneidung" und nicht "Beschneidung" an sich, auch wenn in den Medien oft nur von "Beschneidung" geschrieben und gesprochen wird. Klar ist aber allen dabei, daß es um die Beschneidung von Säuglingen und Kindern geht, die ohne Betäubung und ohne medizinische Indikation ausgeführt wird.
Daß sich Erwachsene aus jedwedem Motiv heraus beschneiden lassen können ist unstrittig.
Daß es zahlreiche Beschnittene gibt, die dadurch keine Einschränkung zu beklagen haben, ist ebenso bekannt.
Ungeheuerlich ist aber, die grenzenlosen Schmerzen, die z.B. ein 8 Tage alter Säugling (dessen schmerzunterdrückendes System erst im Alter von ca 4 Monaten voll ausgebildet ist) bei einer - betäubungslosen - Beschneidung erleidet ebenso zu ignorieren wie auch die zahlreichen Berichte von heute Erwachsenen Beschnittenen, die unter ihrem Beschnittensein enorm leiden.
Wie abgestumpft muß man sein, um dieses Leid entweder auszublenden, oder aber IN KAUF zu nehmen?
Wäre es nicht besser, die Beschneidung auf ein Alter zu verschieben, in der der Mensch
1. selbst darüber entscheiden kann und
2. der Eingriff unter VOLLNARKOSE stattfinden kann?
Bitte überprüfen Sie Ihre Empathiefähigkeit gegenüber wehrlosen Kindern, und hier ganz speziell gegenüber den Wehrlosesten, den Säuglingen und schreiben Sie hier, warum Ihnen das Leid von Kindern und von erwachsenen Betroffenen egal ist.
Meiner Meinung nach kann ein Mensch, der sich als Christ bezeichnet nur eine Haltung zur Knabenbeschneidung haben: sie abzulehnen. Daß die meisten Christen sie befürworten ist ein Armutszeugnis für die Empathiefähigkeit dieser Christen.

Herr Weitz, man muss sich wundern. So ein klares Urteil, so viele vertippte Buchstaben und dann so wenig Recherche. Und dass bei angeblich "jahrzehntelanger Beschäftigung mit Beschneidung". Ist das so? Dann aber doch wohl nur in theologischer Hinsicht. Mit Verlaub - Sie sind studierter Theologe. Wunderbar. Aber gerade wenn man von einem Fach so gar keine Ahnung hat wie Sie von Medizin und Biologie, sollte man sich belesen, bevor man sich als Fachmann für Beschneidung geriert. Für einen Theologen ist - nochmal Verlaub - Biologie fast so weit weg wie - Quantenphysik. Das sieht man schon an ihrem mehrfach verwendeten Ausdruck "Zellgewebe". Ich verkneife mir dazu jetzt Belehrungen. Dafür gibt es gut verständliche Mittelstufenbücher.

Neben den theologischen Aspekten gibt es nämlich draussen vor der Tür noch so etwas wie die reale Welt. Also belesen ist gut, aber nicht bei anderen Theologen, auch nicht in der Bibel, Koran oder Thora, sondern in einem guten Buch zur naturwissenschaftlichen Ontogenese des Menschen und hinsichtlich der Studien bei Pubmed. Da kriegt man reichlich Material, wenn man sich denn *wirklich* mit der Materie beschäftigen will. Suchen Sie da mal (haben Sie trotz vollmundiger Behauptung "gibts nicht" nicht getan; ich helfe gerne, wenn Sie mit dem Fachenglisch nicht zurecht kommen). Beschäftigen Sie sich mal nur ein paar Tage mit Medizin und Biologie und dann können wir über Ihre Vorurteile noch mal reden. Denn DANN können Sie *ein wenig mitreden*. Mit Fakten, nicht nur mit ein wenig aufbereiteter Meinung.

Auch Ihre Erklärungen zur Juristerei sind kenntnislos. Trotz Vollmundigkeit. Ein Jurist definiert auch anders, als Sie als Theologe sich bemüht haben (?, schon ein (!) Blick in einen StGB-Kommentar hätte geholfen) zu verstehen.

Und auch noch einmal für Sie der Hinweis: Wer behauptet zu nutzen, muss dies belegen. Wer behauptet, dass etwas NICHT schadet, muss dies belegen. Denn es geht um einen Eingriff und da muss nicht Mogis einen Beweis führen, sondern Sie. Tun Sie aber nicht. Können Sie auch nicht, weil Ihnen offenkundig die Studien nicht bekannt sind.

Zu Ihrer Erwähnung des Kulturrelativismus schreibe ich jetzt einmal nichts (ich kriege sonst - und noch mal Verlaub - die Krätze) jenseits: Witwenverbrennung ist für Sie auch ok? Ab wann darf man denn für die Individualrechte anderer eintreten? Sie sind mir ja ein schöner Christ. Viel gelesen - nichts verstanden wie es scheint. Ich erlaube mir einmal, auf Ihr Vorbild zu verweisen: Jesus hat - nehmen wir einmal an, es gab ihn, den genauen Wortlaut werden Sie besser wissen - nicht erst gefragt, welchem Volk die Ehebrecherin angehörte...

Im Übrigen schließe ich mich der Frage Victor Scherings an. Dann mal los.

Der unterstellte Kulturrelativismus geht an keiner Stelle aus dem Kommentar hervor. Bitte lesen Sie, bevor Sie kommentieren. Bitte belegen Sie Ihre Behauptungen.

Die Hetze sehe ich hier besonders gut bei einem, der scheinbar vor rund 60 Jahren sehr gut aufgehoben wäre mit seinem Wahn, andere zu diffamieren aufgrund anderer Meinungen. Da wird vor nichts zurückgeschreckt, sei es Stalking, Anzeigen, ja gar persönlichen 'Hinterlassenschaften' auf privaten Seiten.
Und ausgerechnet jene erdreisten sich, anderen Verhetzung oder Hass vorzuwerfen.
Da hat einer wohl die Demokratie nicht verstanden und möchte Widersacher nach ganz alzer Tradition aus dem Diskussionskreis bugsieren. Dabei könnte man sich zum Beispiel einem Studium widmen, um es in einem Leben noch zu beenden...

Der Penis eines jeden männlichen Individuums gehört und geht nur das Individuum etwas an, wie Igor vortrefflich feststellte. Auch das der männlichen Säuglinge. Danke für die Feststellung!

Wäre es nicht so schlimm, es wäre nur als skurril zu bezeichnen:

gerade dann, wenn Beschneidungen am gefährlichsten sind, nämlich bei Säuglingen, dürfen Nichtärzte sie vornehmen.

Narkose ist erlaubt, aber bei Säuglingen nicht möglich.

Religionsfreiheit: Was ist mit der Religionsfreiheit kleiner Kinder? Dass die Religionsmündigkeit mit 14 Jahren gegeben ist, ist ein Relikt aus der Zeit des Staatskirchentums.

Inzwischen kann ich nur noch den Kopf schütteln, auch über den von Ihnen zitierten Artikel des mir sehr lieben Burkhard Weitz - schade, dass Chrismon hier so unkritisch bleibt! Die Kommentare auf der Chrismon-Seite sprechen übrigens Bände: von Beschneidung Betroffene und Geschädigte sind fassungslos, Befürworten fabulieren darüber, dass die Beschneidungsgegner "Religionshasser" sind, die sich auf Facebook in einer radikalen Gruppe zusammenrotten.

Beschimpfungen bin ich als treuer FR-Abonnent aber schon gewohnt nach den Kommentaren im September, die "feststellten", dass Beschneidungsgegner in Wahrheit Antisemiten seien.

Jetzt bleibt die Hoffnung auf Klagen vor dem Verfassungsgericht. Die Hoffnung auf "meine" Kirche hingegen, die Grundsätze Jesu / des Evangeliums von Gewaltlosigkeit zu vertreten, habe ich - zumindest im Blick auf die sog. "Amtskirche" - aufgegeben.

Lieber Thomas, antisemitische Kommentare zu diesem Thema gibt es viel zu viele, aber sie werden auf chrismon nicht freigeschaltet. Wo wir etwas übersehen, bitten wir um Benachrichtigung. - Die Amtskirche vertritt hoffentlich konsequent den Grundsatz der Gewaltfreiheit. Sie könnte es in Sachen Konfliktprävention / präventive Friedensarbeit noch mehr tun. - Die große Empörung gegen die Jungenbeschneidung geht in Deutschland fast ausschließlich von Leuten aus, die entweder gar nicht oder nicht aus religiösen Gründen beschnitten sind. Vergleichsweise wenige Juden und Muslime distanzieren sich von dieser Praxis. Natürlich fände ich es gut, wenn es mehr wären. Aber darüber sollen Juden und Muslime entscheiden - und bitte nicht die Amtskirche!

Hr. Schiering, ich nehme ihnen nicht ab, dass sie sich um jüdische und muslimische menschen oder gar um deren penis sorgen machen. Ich kann ihnen aber sagen, dass mein penis nicht ihnen gehört und sie einen f. K. angeht.

was?männlische beschneidung keine sexuelle gewalt?kein trauma?das regt mich zum lachen an und traurigsein und dann soll es auch noch erlaubt sein? ich muß ihen sagen auch linkshändige, behinderte menschen wollen leben und zwar so das es würdig ist. sämtlische sachen die jemals beschlossen wurden beruhen darauf das sexuelle möglist klein, wenn überhaupt zu halten. und damit werde ich mich auch in zukunft nicht abfinden.da hatte ein gericht mal eine gute idee und dann wird mit blendwerk dagegengehalten.

Wenn sie tatsächlich noch keine Studien finden konnten,
so empfehle ich als Vorgeschmack einfach mal diejenige,
die Dr.Hartmann in seiner Stellungnahme für den Rechtsausschuss
zitiert.
http://www.rz-etelsen.net/Stellungnahme_Hartmann.pdf

Oder schauen sie in die Wikipedia, hier mal ein Beispiel:

Spezifische körperliche Probleme, die berichtet wurden, umfassten Unempfindlichkeit der Eichel (55 %), den Bedarf an übermäßiger Stimulation, um einen Samenerguss zu ermöglichen (38 %), auffällige Narben (29 %) und unzureichende Restschafthaut, um vollständige, spannungsfreie Erektionen zu ermöglichen (27 %).[106] Bereits 1983 dokumentierte eine Studie den Verlust von Dehnungsrezeptoren in der Vorhaut und des Frenulums und eine damit einhergehende Verminderung der sexuellen Reaktion, wodurch die Fähigkeit des beschnittenen Mannes, Erektionen zu erreichen, eingeschränkt sei, und in der Folge eine erektile Dysfunktion als mögliche Komplikation der männlichen Beschneidung auftreten könne.[107]

106.↑ Taylor, J.R., Lockwood, A.P., & Taylor, A.J. (1996). The prepuce: „Specialized mucosa of the penis and its loss to circumcision.“ British Journal of Urology, 77, 291-295. cirp.org.
107.↑ Money, J., & Davison, J. (1983): Adult penile circumcision: Erotosexual and cosmetic sequelae. Journal of Sex Research, 19, 289-292. cirp.org.

Selbstverständlich ist mir die Stellungnahme von Herrn Hartmann bekannt. Ich kann die genaue Lektüre dieser Argumentation nur dringend empfehlen.

Also irgendwie kapier ich das nicht...

Sprüche 23, 13 Entziehe dem Knaben die Züchtigung nicht! Wenn du ihn mit der Rute schlägst, wird er nicht sterben.

In der Bibel steht also, daß man seine Kinder züchtigen kann, um sie vor Sünde zu bewahren, aber DAS ist komischerweise in Dland verboten... nicht mal ein Klaps auf den Po ist erlaubt. Ist der Bibelspruch keine religiöse Vorgabe?

Aber Vorhaut abschneiden, eine andere religiöse Vorgabe, DAS ist erlaubt?? Bin gespannt, wann mit der gleichen Begründung die Scharia eingeführt ist... mal schnell Hand abhacken für Diebe und so...

Kapier ich echt nicht... Bei Körperverletzung, also Züchtigung mit der Rute, Vorhaut-Abschneiden und Hand abhacken hört die Religiöse Vorrangstellung auf, aber ganz schnell!!!

Als evangelischer Pfarrer bin ich irritiert von diesem einseitigen Artikel in einem von mir geschätzten Magazin. „Keinerlei physische oder psychische Beeinträchtigung“ durch die medizinisch unsinnige Amputation der Vorhaut eines gesunden Kindes? Was sollte sich der Schöpfer dann aber bei diesem Organ gedacht haben, als er es den männlichen Geschöpfen gab? Wieso hat sich Gott (oder die Natur, wem das lieber ist) die ganze Mühe mit den rund 70 Meter Nerven und den rund 20.000 Nervenenden in diesem Organ gegeben?

Schon im Mittelalter wusste das der jüdische Philosoph Maimonides (gest. 13.12. ! 1204) besser als Herr Weitz, wenn er im „Führer der Verirrten“ schrieb, die Beschneidung sei unter anderem dafür gut, um den Männern die (böse) Lust am Sex zu nehmen bzw. diese einzudämmen. Und warum kam die Beschneidung wohl ausgerechnet im spießigen puritanischen England des 19. Jahrhunderts auch bei Christen in Mode? Doch einzig, um die Jungen von der „schweren Sünde der Masturbation“ abzubringen. Übrigens gibt es sehr wohl wissenschaftliche Studien zu diesen Fragen. Nur dass Herr Weitz diese entweder nicht kennt oder sie hier falsch wiedergibt. Männer, die erst als Erwachsene beschnitten wurden, können vergleichen. Und da fällt der Vergleich signifikant häufig für den intakten Körper aus, so eine Studie aus Dänemark. Auch das Standardwerk zur Geschichte der Beschneidung aus der Feder des amerikanischen Medizinhistorikers David Gollaher „Das verletzte Geschlecht“ (deutsch 2002) scheint Herr Weitz nicht zu kennen, genauso wenig wie die Werke von Hanny Lightfoot-Klein (Der Beschneidungsskandal, deutsch 2003), Ronald Goldman (Circumcision the hidden Trauma, 1997) oder die Arbeiten von Sigmund Freud und Bruno Bettelheim, um hier nur einige zu nennen. Wenn Herr Weitz die wissenschaftlichen Studien auf der Internetseite des Opferverbandes MOGIS e.V. vermisst, dann hat er vielleicht die Links übersehen, die ihn hätten zu www.beschneidung-von-jungen.de und www.beschneidungsforum.de führen können.

In meinen Augen ist es vorwissenschaftlicher Unfug, was ich in diesem Chrismon-Artikel zu lesen bekam. Meine letzten Fragen dazu: Braucht es denn überhaupt Studien für einen derart evidenten Sachverhalt mit deutlicher Abnahme der Sensibilität der Eichel, die mehr und mehr verhornt? Gibt es eigentlich für die Genitalverstümmelung bei Frauen entsprechende Studien, wie Herr Weitz sie fordert? Würde man dann nicht zu Recht sagen, dass eine solche Forderung menschenverachtend ist? Reicht es nicht, auf die Stimme von Betroffenen zu hören und ihnen mitfühlend zu begegnen? Weiß Herr Weitz zudem, dass es unterschiedliche Grade der Zirkumzision gibt? Ganz radikal und weniger radikal. Weiß er, dass im Judentum seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. mit der Peria eine besonders radikale Form der Beschneidung aufkam, um damit den Epispasmos, die künstliche Wiederherstellung dieser wertvollen Haut, für immer zu verhindern? Kennt Herr Weitz das schmerzvolle Leid von Neugeborenen (und älteren Jungen), die in unserer Welt des 21. Jahrhunderts bei einer solchen Operation ohne Narkose aus voller Kehle schreien? Hat Herr Weitz einmal entsprechende Videos gesehen? Bei Youtube gibt es solche zuhauf. Hat Herr Weitz die engagierten Filme jüdischer Filmemacher gesehen wie "Circumcision" von Ari Lipsker, "Das verlorene Stück“ von Oded Lotan und "It's a boy" von Victor Schonfeld. Und kennt Herr Weitz eigentlich das Jesuswort aus dem apokryphen Thomasevangelium? Jesus wurde gefragt, ob die Beschneidung nützlich oder unnützlich sei. Darauf die Antwort im Thomasevangelium: „Wenn sie nützlich wäre, würde der himmlische Vater den Jungen schon beschnitten auf die Welt kommen lassen. Sehr nützlich ist dagegen die Beschneidung im Geist. “ (ThEv 53). Dieses Zitat zeigt, dass die Vorhaut-Beschneidung schon in antiker Zeit auch innerhalb des Judentums umstritten war. Ähnlich hatte sich ja auch der Prophet Jeremia geäußert, wenn er die Beschneidung der Herzen (statt der Beschneidung der Vorhaut) forderte (Jer. 4,4 u.ö.). DAS ist in meinen Augen nicht spießig :) Und wenn doch, dann bin ich gerne ein Spießer und werde mich weiterhin für die Minderung des Leids der Kinder und der Betroffenen einsetzen.

Sehr geehrter Herr Schubert, vielen Dank für Ihre Hinweise und Anregungen. - Weil mir jede Art von Eingriff in das menschliche Zellgewebe zuwider ist und schon immer zuwider war (und zwar schon bei vergleichsweise geringfügigen Eingriffen wie Ohrlochstechen), und weil ich wegen dieser meiner Abscheu nie ein Blatt vor den Mund genommen habe, befasse ich mich schon seit Jahrzehnten mit dem Thema Beschneidung. Ja, dass mich das Thema schon lange vor dem Kölner Urteil interessiert hat, ist alles andere als originell. Wie Sie selbst schreiben ist die Debatte um die Beschneidung Jahrtausende alt. Ich habe viel mit religiös Beschnittenen diskutiert. Ich habe mich aufgrund von zwei Anlässen im unmittelbaren Verwandtenkreis mit Ärzten über Risiken und Folgen von medizinisch erforderlichen Beschneidungen eingehend informiert - in beiden Fällen übrigens machte die Diagnose "Phimose" die Eingriffe nötig. Immer war ich der Skeptiker, der Infragesteller. Immer wurde ich belehrt. "Ja, die Jungenbeschneidung ist ein Routine-Eingriff. Ja, es kann - wie bei jedem chirurgischen Eingriff - Komplikationen geben, vor allem vorübergehende. Und: Nein, Jungenbeschneidung ist dennoch nicht gefährlich. Nein, beschnittenen Männern fehlt nichts für eine erfüllte Sexualität." Und glauben Sie bitte nicht, ich lasse mich mit einfachen Besänftigungen von Ärzten abspeisen. So etwas wird bei mir gründlich nachrecherchiert! So viel zu meinem Hintergrund. Umso merkwürdiger ist es, dass ich mich in dieser Debatte auf einmal als angeblicher Befürworter der Beschneidung wiederfinde. Bitte lesen Sie noch einmal meinen Kommentar. Er ist vielleicht meinungsstark, aber überhaupt nicht "einseitig", wie Sie schreiben. Ich befürworte nicht die Beschneidung, sondern ich habe begriffen, dass vielen Männern die Beschneidung wichtig ist - ja, gerade auch solchen, die als Unmündige beschnitten wurden. Nicht ausnahmslos allen, aber doch in der überwältigenden Mehrzahl. Mein persönlicher Widerwille gegenüber jeder Art von Körperverletzung ist deshalb nicht weg. - Die Heftigkeit der aktuellen Debatte finde ich besorgniserregend. Grundsätzlich finde ich es wünschenswert, Beschneidungsgegner würden auf Unterstellungen, persönliche Attacken und Gewaltandrohungen verzichten und lieber sachlich und wissenschaftlich begründet argumentieren. Nur so erreicht man Menschen anderer Meinung. Und nur so werde ich weiterhin die Diskussion mit Befürwortern der Beschneidung, ja selbst mit Befürwortern des Ohrlochstechens führen: als einer, der auch weiterhin gegen jede medizinisch nicht nötige Verletzung der Haut im persönlichen Gespräch seinen Einspruch erhebt, und der sie - im Fall der Beschneidung - anderen deshalb aber noch lange nicht gesetzlich verbieten lassen will. Vielen Dank.

Zitat: Dies vorweg: Jungenbeschneidung ist nicht vergleichbar mit Mädchenbeschneidung, die darauf abzielt, den Frauen den Spaß am Sex zu nehmen.

Natürlich ist es nicht vergleichbar. Während bei der "leichten Sun(n)a" nur die Klitorisvorhaut !angeritzt! wird, übrigens auch aus den gleichen Gründen, wie sie die Befürworter der männlichen Beschnedung anführen, wird bei den Knaben gleich die ganze Vorhaut entfernt/amputiert.

Sie haben da in dem Punkt tatsächlich Recht. (Mit Ausnahme, dass bei der leichten Suna die Sexualität völlig intakt bleibt, somit wir diese Praktik natürlich zulassen MÜSSEN. Alleine doch schon, um die armen Eltern in ihrer Religion und Tradition nicht einzuschränken.)

Vielen Dank - Sie sind ein Geschenk Gottes!

ich bin auch MItglied der von Ihnen geschmähten Facebook-Seite und finde mich in Ihrer Beschreibung "antisemitisch", "Volksverhetzend" und "Religionshasser" nicht wieder. Anders als Sie als begeisterter Anhänger der Beschneidung kleiner Jungen würde ich nie zu irgendwelchen Keulen greifen, um die Menschen, die eine andere Auffassung haben, in der Form, wie Sie es mit uns tun, zu verunglimpfen.
Ich bin allerdings guter Hoffnung, dass die Diskussion zu diesem unsäglichen Gesetz auch die Diskussion in den betroffenen Gemeinden befeuern wird, und dass fortschrittliche Kräfte sich engagieren werden, um das Recht der körperlichen Unversehrtheit für alle Kinder durchzusetzen.
Das weiche Wasser bricht den Stein.

Jeder operative Eingriff ist mit Risiken verbunden. Das müsste auch Ihnen als offensichtlicher medizinischer Laie klar sein.
Natürlich kommt es häufig zu Infekten und Nachblutungen.
Wo bleibt Ihr Interesse am Kindeswohl?- jede muslimische oder jüdische Pflegefamilie darf nun Ihre Schutzbefohlenen für diesen medizinischen Unsinn unters Messer zwingen, egal welcher Religion ( oder auch keiner) Sie angehören.
Religionsinteressen dem Kindeswohl dem Vorrang zu geben ist natürlich nachtpolitisches Kalkül und spricht von großer Ignoranz gegenüber dem Willen des Kindes. Das Kind ist nicht Eigentum der Eltern oder einer Religion. Mit welcher unglaublichen Selbstüberschätzung meinen die Religionen vorbestimmen zu können was das Kind als erwachsene Mensch denken soll.

Es wird Kindern ein Teil vom Geschlechtsteil ( vorzugsweise ohne adäquate Betäubung) abgeschnitten. - das ist doch unglaublich hier eine höhere spirituelle Handlung hineinzu interpretieren. - Für wie dumm werden die Menschen gehalten?

Und je kleiner die Jungs, desto mehr Schmerzen werden sie ausgesetzt. Vorhautamputation ohne Betäubung. Brauchen sie eine Studie, um sich vorzustellen, dass das Folter ist? Würden Sie das auch mit sich machen lassen?
Mit ein bißchen Salbe und einem Schluck Rotwein?

Und Sie heißen das gut!

Sie haben keine Ahnung, worüber Sie sprechen. Sind eiskalt und mitleidslos.

Wahnsinn. Ihretwegen müsste ich aus der Kirche austreten.
Mache ich aber nicht, ich überlasse die Kirche nicht gefühllosen Verharmlosern von menschlichem Leid.

Sehr geehrter Herr Weitz!

Ihnen fehlt eine Studie?
Zu Ihnen sprechen MENSCHEN!
Was sollen wir noch tun?
Merken Sie gar nicht, wie ignorant und verletzend Sie sind?
Haben Sie gar nicht bemerkt, das ich Ihnen mein persönliches Erleben schildere?
Auch da von Ihnen KEIN WORT der Empathie. Unfassbar!
Nicht wir müssen beweisen, dass irgendwas schädlich ist.
Diejenigen, die Kindern ungefragt möglichem Schädigungspotenital aussetzen, müssen beweisen, dass es AUSGESCHLOSSEN ist, dass Menschen zu schaden kommen.
Es fehlt uns bis zu 70% erogenen Gewebes des Penis!
Wozu ist erogenen Gewebe Ihrer Meinung nach da?
Sie sagen gerade einem auf einem Auge Erblindeten (also 50% weniger Organ zum Sehen), er müsse Studien vorweisen, bis Sie ihm glauben, dass er weniger sähe.

Gehen Sie in sich! Wo bleibt BARMHERZIGKEIT?

Victor Schiering

Lieber Herr Weitz,

lassen Sie sich in Ihren richtigen und wichtigen Ansichten nicht verwirren.

Die meisten, die hier schreiben, organisieren sich in einer radikalen Gruppe auf Facebook, die sich lediglich scheinbar gegen die rituelle Beschneidung stellt, in Wirklichkeit jedoch allenthalben antisemitisch und volksverhetzend agiert. Es handelt sich auf Neudeutsch gesagt um einen "Shitstorm" von Religionshassern.

Herzliche Grüße!

Herr Weitz, ich warte darauf, dass Sie mir den Schaden nachweisen, wenn ich Ihnen die Ohrläppchen abschneide. Ansonsten käme ich gerne mal bei Ihnen vorbei. Es sei Ihnen versichert: Ohne Ohrläppchen fehlt Ihnen nichts.

Sehr geehrter Herr Weitz!

KEINE BEEINTRÄCHTIGUNG???
Sagen Sie mal, haben Sie sich wenigstens einmal fünf Minuten Zeit genommen, um sich zu informieren, bevor Sie hier derartiges behaupten, was für negativ von aufgezwungenen Vorhautamputationen Betroffene wie ein Schlag ins Gesicht ist?
Haben Sie sich informiert, was die deutschen Kinder- und Jugendärzte an Komplikationen von überflüssigen Beschneidungen allein seit 2010 feststellen mußten? Sind Ihnen über 1800 faches unnötiges Leid von Jungen egal??? Keiner der Ärzte heutzutage behauptet, ohne Vorhaut fehle einem nichts! Was auch für ein absurder Gedanke! Bis zu 70% des erogenen Gewebes - nutzlos???
Und die 1800 Fälle Kollateralschäden religiös-kultureller Vielfalt?
Meinen Sie, uns Betroffenen macht es Spass, ständig in der Öffentlichkeit über intimste Details sprechen zu müssen, um hartnäckiger zutiefst demütigender Ignoranz, wie Sie es hier an Tag legen, entgegen zu treten?
LESEN SIE: www.mogis-verein.de
www.beschneidungsforum.de
www.beschneidung-von-jungen.de

Dort berichten Männer unter Überwindung großer Scham von dem Leid, was ihnen das aufgezwungene Verstümmeln ihres Penis bescherte, was Sie für so harmlos halten.

Können Sie sich vorstellen, wie ich mich fühle, wenn ich dann so etwas wie Ihren Bericht lese?

Ich bin übrigens Mitglied der evangelischen Kirche und bleibe es auch und NEIN, ich bin nicht für die Abschaffung der Taufe, die bei mir nicht zur Entfernung von Körpersubstanz führte.

Wenn Sie nur einen Funken von Barmherzigkeit leben, dann erwarte ich von Ihnen an uns Betroffene eine Entschuldigung.

Hochachtungsvoll,

Victor Schiering, Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V.
Lindenaststrasse 58
90409 Nürnberg

Sehr geehrter Herr Schiering, ich selbst bin - so wenig wie Sie - kein Anhänger der Jungenbeschneidung. Mein Punkt ist, dass ich den Menschen, denen die Jungenbeschneidung wichtig ist, dies nicht verwehren will, solange sich kein bleibender Schaden daraus wissenschaftlich nachweisen lässt. Mir fehlt auf www.mogis-verein.de die wissenschaftliche Studie, die diesen Nachweis führt. Mit freundlichen Grüßen Burkhard Weitz

Sie schreiben: "Weil Eltern ihre Kinder nun einmal prägen und in Entscheidungen, die keinerlei physische oder psychische Beeinträchtigung nach sich ziehen, die Hoheit in der Erziehung haben. Die Beschneidung gehört zur religiösen Identität von Juden und Muslimen, dies rechtfertigt den Eingriff. So einfach – und so kompliziert ist das."

Damit sagen Sie, Sie seien überzeugt, dass die Beschneidung keinerlei physische oder psychische Beeinträchtigung nach sich ziehen würde.

Leider wissen Sie nicht, wovon Sie sprechen. Und vielen Dank für den Spießer. Selber.

Ich habe einmal einen etwa vierjährigen Jungen, dessen medizinisch indizierte Beschneidung vielleicht eine Woche zurück lag zum Kindergarten gehen sehen. Wie mag es da einem siebentägigem Säugling gehen?

Und die Identität einer Religionsgemeinschaft hängt doch nicht an einem Stück Haut...

Letztendlich ist es wohl gut, dass der Bundestag so entschieden hat, der Religionsfreiheit und Sorgerechtsfreiheit zuliebe. Auch wenn ich dabei immer an den obengenannten Jungen denken muss und sich alles in mir sträubt.

Aber ich vermisse einen ernsthaften Appell, eine dringliche Bitte an die betreffenden Religionsgemeinschaften, ihre Haltung zur Beschneidung gründlich zu überdenken. Genauso wie mich die - wie soll ich es politisch korrekt formulieren - starre, feste, unnachgiebige, irgendwo unbarmherzige Haltung dieser Glaubensgemeinschaften zum Thema Beschneidung - hm - erstaunt, wenn nicht gar erschreckt. Hoffentlich gibt es da auch andere Stimmen - hoffentlich habe ich diese einfach nicht gehört oder gelesen.

Sehr geehrter Herr Weitz,
ich lese Ihre Kommentare ja gerne. Aber der Gebrauch des Unwortes "verspießern" ärgert mich in diesem Zusammenhang schon etwas ... !
Gruß

M. Spieß