"Vergiss mich nicht" in Berlin vermittelt Paten für Kinder von alkoholkranken Eltern

Über 2,5 Millionen Kinder in Deutschland ­haben eine suchtkranke Mutter oder einen suchtkranken Vater. Etwa ein Drittel dieser Kinder und Jugendlichen wird später selbst alkohol- oder drogensüchtig. Doch es ist schwer, diesen Kindern rechtzeitig zu helfen. Denn das Familiengebot lautet: Niemand darf merken, was bei uns wirklich los ist. Also sind die Kinder loyal und schweigen eisern. Die Berliner Diakonie Stadtmitte hat nun das Patenschaftsprojekt "Vergiss mich nicht" ins Leben gerufen. Der Grundgedanke: Die Kinder kommen nicht von sich aus zu den Helfern, also gehen die Helfer zu den Kindern. Gesucht werden Paten, am besten solche, die dem Kind bereits vertraut sind: die Oma, der Nachbar oder der Fußballtrainer. Sehr häufig wissen diese Verwandten oder Freunde längst, was in der Familie los ist, doch sie fühlen sich hilflos. Über die Diakonie bekommen sie nun die dringend notwendige professionelle Begleitung und haben bei Problemen einen Ansprechpartner. Ein Honorar für die Patenschaft gibt es nicht, aber es werden Auslagen ersetzt - wie beispielsweise die Eintrittskarte für den Zoo oder das Kino.


 

Fragen an Albert Nägele, Sozialpädagoge und Projektleiter


Wer ist schwerer zu finden: Paten oder Kinder?
Albert Nägele:
Die Kinder! Keine trinkende Mutter, kein trinkender Vater will, dass die eigene Sucht öffentlich wird. Die Kinder sind Teil der Festung Familie. Sie haben niemanden, dem sie sich anvertrauen können.

Und da kann ausgerechnet Oma helfen?
Sehr oft sind es die nächsten Verwandten, die eh schon unterstützen: die Großmutter, die Schwester, die Nachbarin. Denen müssen wir helfen, denn die haben den Leidensdruck, nur sie sehen die Not, nicht der Suchtkranke. Unsere wichtigste Aufgabe ist, das Vertrauen dieser Menschen zu gewinnen.

Die wichtigste Aufgabe jetzt?
Wir brauchen mehr Öffentlichkeit. Hier in Berlin-Kreuzberg sprechen wir die Menschen direkt an. Das funktioniert. Ich hoffe sehr, dass unser Modell in vielen anderen Städten Nachahmer findet.

Spendenkontakt: 

Diakonisches Werk Berlin Stadtmitte e.V.
Segitzdamm 46
10969 Berlin
Tel. 030 / 61 65 93 40
Fax 030 / 6 15 63 24
www.dw-stadtmitte.de

Bankverbindung
Evangelische Darlehensge­nossenschaft
BLZ: 210 602 37
Konto: 907 734 50
Stichwort: chrismon/Vergiss mich nicht
Für die Spendenquittung unbedingt die eigene Anschrift
im Betrefffeld der Überweisung angeben

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