Die Rechtsambulanz Sozialhilfe e.V. in Berlin

Hartz IV hat das Leben vieler Menschen verändert. Es gibt neue Leistungsbescheide, die sind oft nicht auf Anhieb zu verstehen, und am Ende stellt sich vielleicht heraus: Sie sind fehlerhaft. Und nun? Wer hilft, wenn man Widerspruch einlegen möchte? Der Berliner Verein Rechtsambulanz Sozialhilfe e.V. vermittelt und organisiert unentgeltliche Rechtsberatung durch Anwälte für Menschen mit geringem Einkommen. Da kann man einfach hingehen, ohne Formalitäten, in ein Büro mit festen Sprechzeiten. Darüber hinaus unterstützt die Rechtsambulanz die Sozialarbeiter der Wohlfahrtsverbände und Sozialeinrichtungen.

Eigentlich wäre all dies nicht nötig. Schließlich gibt es das Beratungshilfegesetz. Danach erhält jeder, der bedürftig ist, vom Amtsgericht einen Beratungsschein und kann sich damit einen Anwalt seiner Wahl suchen. Aber nur wenige Anwälte sind bereit, für ein Honorar von 30 Euro zu arbeiten. In Hamburg und Bremen gibt es daher seit Jahrzehnten die öffentliche Rechtsauskunftstelle - andere Bundesländer haben so etwas nicht.

Jürgen Gosch, Rechtsanwalt vom Verien Rechtsambulaz Sozialhilfe e.V., Berlin

chrismon: Muss man wirklich Geld sammeln für Menschen, die sich keinen Rechtsanwalt leisten können?

JÜRGEN GOSCH: Gerade sozial Schwache scheuen oft den Gang zum Amtsgericht oder zum Rechtsanwalt. Sie haben Angst vor den Kosten, und sie haben Angst davor, Formulare nicht richtig ausfüllen zu können.

Ein Leser spendet Ihnen 100 Euro -  was machen Sie damit?

GOSCH: Unser Büro kostet uns für 2006 8690 Euro. 100 Euro finanzieren uns demnach für vier Tage.

Warum engagieren sich so wenig deutsche Rechtsanwälte in der sozialen Rechtsberatung?

GOSCH: Das deutsche Anwaltsrecht verbietet kostenlose Rechtsberatung, selbst die von mittellosen Hilfsbedürftigen. Dies sind anachronistische Vorschriften, die dringend geändert werden müssen. Im Ausland ist das ganz anders.

 

Was andere meinen

Professor Uwe-Dietmar Berlit, Richter am Bundesverwaltungsgericht, Leipzig: "Sozial Schwache sind durch Hartz-IV-Gesetze stark betroffen. Gerade sie brauchen Schutz durch qualifizierten Rechtsrat, ohne große Zugangshürden. Die Rechtsambulanz ermöglicht eine intensive Betreuung, auch in Fällen, die sich für Anwälte typischerweise nicht ,rechnen'."

 

Spendenkontakt: 

Spenden Rechtsambulanz Sozialhilfe e.V., Berliner Volksbank, Konto 719 066 3005, BLZ 100 900 00, Stichwort chrismon. Für die Spendenquittung unbedingt die eigene Anschrift im Betrefffeld der Überweisung angeben. Einnahmen 2005 (Spenden, Mitgliedsbeiträge) 10.370 € , Ausgaben 2005 (Miete, Sachkosten) 9.965,86 €, Etat Sachkosten 2006 8.690 €

Adresse
Rechtsambulanz Sozialhilfe e.V.,
Exerzierstraße 23,
13357 Berlin,
Telefon 030/460 675 34,
Fax 030/460 675 51,
http://www.rechtsambulanz-sozialhilfe.de/

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Lesermeinungen

Liebe chrismon-Redaktion,
gerade habe ich die Liste der Projekte durchgesehen, die Sie bisher vorgestellt haben, in der Hoffnung, dort Informationen darüber zu finden, was aus ihnen geworden ist. Etliche davon habe ich unterstützt und weiß aus dem fortdauernden Kontakt wie z.B. bei der Moldawien-Hilfe in Berlin, dass sie engagiert und motiviert weiter arbeiten. Bei anderen wie z.B. der Rechtsambulanz für Bedürftige in Berlin ist mir nicht klar, wie aktiv sie noch sind. Für die einzelnen Projekte wäre es etwas viel verlangt, dass sie den Spendern Rechenschaftsberichte geben. Daher möchte ich anregen, dass Sie in chrismon gelegentlich auch Folgeberichte über die Projekte schreiben, für den erfolgreichen und vielleicht auch den weniger erfolgreichen Fall, aus dem andere Engagierte ja sicher auch etwas lernen könnten.
Im übrigen: Kompliment für Ihre Arbeit; in jeder chrismon
-Ausgabe findet sich Interessantes. Gerne nehmen auch Freunde mein Exemplar entgegen, auch wenn sie so wie ich nicht mehr Mitglied der evangelischen Kirche sind.
Mit freundlichen Grüßen aus Leverkusen, Helgard Bausch-Weirauch

Sehr geehrte Frau Bausch-Weirauch,

auch wenn die Antwort erst ein Jahr später kommt:
Die Rechtsambulanz konnte sich innerhalb der letzten Jahren als Insitution fest etablieren.
Mit inzwischen über 400 Beratungsgesprächen im Jahr können wir aktiv dazu beitragen, sozial bedürftigen Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen.

Dies ist uns vor allem wegen Menschen wie Ihnen möglich, die uns bei unserer Aufgabe unterstützen.
Ein herzliches Dankeschön hierfür!

Mit besten Grüßen

Rechtsambulanz Sozialhilfe e.V.