Bittere Pillen

Ist drin, was draufsteht? Kamerunerinnen testen Arzneimittel auf Echtheit. - Foto: Rüdiger Kilian

Es liest sich wie ein Krimi: Im Sommer 2011 starb ein junges Mädchen in einem Krankenhaus in Kongo an Malaria – obwohl es rechtzeitig ins Krankenhaus gekommen war und obwohl es die Medikamente bekam, die üblicherweise helfen. Der behandelnde Kinderarzt, ein deutscher Ordensbruder, schöpfte Verdacht.
Er informierte das Deutsche Institut für Ärztliche Mission in Tübingen (Difäm). Dieses beauftragte eine große Apotheke in Nairobi, die Tabletten, die das Mädchen bekommen hatte, zu überprüfen. Ergebnis: Sie enthielten so gut wie keinen Wirkstoff – konnten ihr also gar nicht helfen.
„Das ist kein Einzelfall“, sagt Albert ­Petersen, Leiter der Abteilung Arzneimittelhilfe vom Difäm. „Bis zu 30 Prozent der Medikamente in Afrika sind gefälscht, auch lebenswichtige Mittel gegen HIV oder Ma­laria.“ Das Problem: Die wenigsten Krankenhäuser und Apotheken verfügen über Labore, um das im akuten Verdachtsfall kontrollieren zu können. Difäm stattet deshalb afrikani­sche Partnerkliniken mit sogenannten Mini­labs aus: Kofferlabore für Medikamenten-Schnelltests. Das Tübinger Institut hilft auch beim Aufbau eines besseren Kontrollsystems und eines engmaschigen Netzwerkes vertrau­ens­­würdiger Apotheken.

Fragen an Dr. Rüdiger Kilian, Pharmazeut, Dozent für Difäm in Westafrika und Mitglied von Apotheker für die Dritte Welt e.V.

 

Was ist in falschen Medikamenten drin?
Sägemehl, Kalk, Traubenzucker, Mehl – alles Mögliche. Einmal testeten wir ein Eisen­präparat für Schwangere. Es löste sich auch nach drei Tagen in einer Flüssigkeit nicht auf. Im Körper wäre es einfach durchgerutscht. 

 Wenn so etwas aufgedeckt wird – was passiert mit den Herstellern?
Die sind in der Regel nicht mehr aufzufinden.   Medikamente werden auch von Straßenhändlern verkauft, manchmal liegen Tabletten lose in durchsichtigen Plastiktüten. Aber auch viele kleine Apotheken verkaufen Verpackungen mit gefälschten Etiketten und Firmennamen, ohne es zu wissen.

So etwas wäre hier nicht möglich, oder? 
Bei uns ist das Kontrollnetz in den Kliniken und Apotheken sehr viel dichter. Wer aber seine Medikamente im Internethandel bestellt, der sollte aufpassen. Da kursieren durchaus nachgemachte Arzneimittel.

Spendenkontakt: 

Difäm – Deutsches Institut für Ärztliche Mission e. V.
Paul-Lechler-Str. 24
72076 Tübingen
Tel: 07071/206-512
E-Mail: info@ difaem.de
www.difaem.de


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BLZ: 520 604 10
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Stichwort: chrismon/AMH
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