Jüdische Landesgemeinde: Wahl Kemmerichs ist Tabubruch

"Bestätigung unserer schlimmsten Befürchtungen": Mit der Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten gemeinsam mit der AfD hätten FDP und CDU einen Tabubruch begangen, kritisiert die Jüdische Landesgemeinde Thüringen.

Thüringens Jüdische Landesgemeinde hat entsetzt auf die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten auch mit Stimmen der AfD reagiert. Dies sei "die Bestätigung unserer schlimmsten Befürchtungen", heißt es in einer gemeinsam mit dem jüdischen Kulturfestival "Yiddish Summer" in Erfurt verbreiteten Erklärung. Mit der Wahl des Ministerpräsidenten gemeinsam mit der AfD hätten FDP und CDU einen Tabubruch begangen und die Brandmauer gegen Faschismus und Rechtsextremismus eingerissen.

"Wir als Jüdische Landesgemeinde Thüringen und Yiddish Summer Weimar - eines der größten jüdischen Kulturfestivals Europas - fordern gemeinsam, diese Brandmauer wieder zu errichten und Faschismus und Rechtsextremismus keinen Raum zu geben", fordern die Unterzeichner der Erklärung, der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Reinhard Schramm und Festivalschaf Alan Bern. Was jetzt Wirklichkeit geworden sei, müsse wieder undenkbar werden.

Heftige Kontroversen und Demonstrationen

Thüringen solle Heimat jüdischen Lebens und kreativer, impulsgebender jüdischer und jiddischer Kultur bleiben. Dies werde mit einer von rechtsextremen Kräften gewählten Landesregierung eine zunehmend schwere, wenn nicht unmögliche Aufgabe, befürchten die Verfasser der Erklärung.

FDP-Landeschef Thomas Kemmerich hatte am Mittwoch im Erfurter Landtag im dritten Wahlgang 45 der 90 abgegebenen Stimmen erhalten. Er setze sich damit gegen Amtsinhaber Bodo Ramelow (Linke) durch, der 44 Stimmen auf sich vereinen konnte. Die Wahl führte deutschlandweit zu einer heftigen Kontroverse und zu Demonstrationen in mehreren Städten.

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