Als "entartet" beschlagnahmtes Gemälde kommt zurück nach Leipzig

Die Bayer AG gibt ein durch die Nationalsozialisten beschlagnahmtes Gemälde des Künstlers Oskar Moll (1875-1947) an das Leipziger Museum der bildenden Künste zurück.

Das "Stillleben mit Mohn und schwarzer Kanne" von 1916 befinde sich seit 1951 im Besitz des Leverkusener Chemiekonzerns, teilte das Museum am Dienstag in Leipzig mit. Der offizielle Schenkungsakt soll demnach am 21. Januar erfolgen.

Die Bayer AG habe das Gemälde rechtmäßig erworben, hieß es. Es bestehe keine Verpflichtung zur Rückgabe. Dass sich der Konzern dennoch zu der Schenkung entschlossen habe, sei auch mit der Hoffnung verbunden, diese möge "zu einem Beispiel für ein neues Verständnis von gesellschaftlicher und kultureller Verantwortung im 21. Jahrhundert" werden.

Das Museum hatte das Gemälde den Angaben zufolge 1937 zusammen mit rund 400 weiteren Werken im Zuge der NS-Beschlagnahmungsaktion "Entartete Kunst" abgeben müssen. Von der Reichskammer nahm es im Anschluss der Berliner Galerist Karl Buchholz in Kommission, der es jedoch mangels eines Käufers 1941 wieder zurückgab.

Später übernahm der Kunsthändler Bernhard A. Böhmer viele Werke aus Buchholz' Fundus. Nach dem Ende des Dritten Reichs im Mai 1945 landeten sie im Kunsthandel. 1951 verkaufte der Kölnische Kunstverein Molls Stillleben an die Kulturabteilung der Farbenfabriken Bayer Leverkusen. Im Rahmen der Provenienzrecherchen der Bayer Kultur sei nun zusammen mit dem Leipziger Museum zweifelsfrei die Frage geklärt worden, dass es sich um das einst als "entartet" bewertete Stillleben des in Brieg im heutigen Polen geborenen Malers handelt.

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