Kretschmann: Europa braucht eigene Datenstrategie

epd-bild/Stefan Arend

Winfried Kretschmann

Winfried Kretschmann

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht Europa in Sachen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz im Hintertreffen.

Die USA und China seien weit voraus, sagte Kretschmann am Freitag in Stuttgart. Wenn Europa keinen eigenen Weg entwickle, sei es mit der Freiheit irgendwann vorbei, warnte der Politiker: "Wer nicht mitkocht, der steht am Ende auf der Speisekarte."

Kretschmann warb dafür, einen eigenen europäischen Datenspeicher ("Cloud") zu schaffen. In der Medizin sieht der Politiker durch Künstliche Intelligenz neue Chancen für Diagnostik, Körperprothesen oder Roboter, die operieren. Die Unikliniken im Südwesten vernetzten bereits Patientendaten, um etwa die Behandlung von Krebskranken zu verbessern.

Der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, berichtete von rasanten Entwicklungen in der Medizin Chinas. So würden dort für Patienten inzwischen telefonzellenähnliche Boxen aufgebaut. Innen sitzt statt einem Arzt ein Computer, der die Diagnose stellt. Angeschlossen ist ein Automat, der die gängigsten Medikamente sofort ausgeben kann.

Digitalisierung nicht ohne Datenschutz

Ein Mediziner könne sich heute in Fachfragen nicht mehr auf dem neuesten Stand halten, weil sich das Wissen der Forschung alle 73 Tage verdoppele, sagte Baas. Patienten wollten aber nicht aufgrund von veraltetem Wissen therapiert werden - Künstliche Intelligenz könne dieses Problem wahrscheinlich lösen. Der Krankenkassenchef warb für eine Digitalisierung, die den europäischen Datenschutz zum Wettbewerbsvorteil mache.

Veranstaltet wurde die Konferenz von der Evangelischen Akademie Bad Boll gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse. Akademie-Direktor Jörg Hübner sprach sich für eine Weiterentwicklung der Digitalisierung unter Beachtung der Menschenrechte aus. Man dürfe im Einsatz für die Menschenwürde nicht den Mut verlieren, empfahl Hübner.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.