Urteil: Transplantationsarzt erhält rund 1,1 Millionen Euro

Der frühere Leiter der Göttinger Transplantationschirurgie war wegen mehrfachen versuchten Totschlags angeklagt und wurde freigesprochen. Er soll Daten manipuliert haben, damit seine Patienten früher ein Spenderorgan bekommen.

Der frühere Leiter der Transplantationschirurgie der Göttinger Universitätsklinik erhält vom Land Niedersachsen rund 1,1 Millionen Euro Schadenersatz. Der ehemalige Chefarzt hatte vor dem Landgericht Braunschweig unter anderem Verdienstausfälle für seine elfmonatige Untersuchungshaft geltend gemacht und insgesamt rund 1,2 Millionen Euro verlangt. Die Kammer gab mit dem am Freitag verkündeten Urteil der Klage des Mannes in weiten Teilen statt (AZ: 7 O 3677/18).

Manipulation unethisch, aber nicht strafbar

Der Mediziner war 2015 vom Landgericht Göttingen in einem bundesweit Aufsehen erregenden Prozess vom Vorwurf des elffachen versuchten Totschlags und der dreifachen Körperverletzung mit Todesfolge freigesprochen worden. Der Arzt soll damals Daten manipuliert haben, damit seine Patienten früher an eine Spenderleber gelangten. Das Göttinger Landgericht ging zwar davon aus, dass die Manipulation moralisch verwerflich, zum damaligen Zeitpunkt jedoch nicht strafbar gewesen sei.

Im Zuge des Verfahrens wurde der Arzt im Januar 2013 in Untersuchungshaft genommen. Der Haftbefehl wurde elf Monate später gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von 500.000 Euro außer Vollzug gesetzt. Da für die Kautionssumme ein Darlehen aufgenommen worden war, verurteilte das Gericht das Land Niedersachsen auch zur Übernahme der dafür fälligen rund 80.000 Euro Zinsen. Beide Parteien können gegen das Urteil innerhalb eines Monats Berufung beim Oberlandesgericht einlegen.

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