Fall Lügde: Missbrauchsbeauftragter sieht Politik in der Pflicht

epd-bild/Christian Ditsch

Johannes-Wilhelm Rörig

Johannes-Wilhelm Rörig

Nach dem Urteil im Lügde-Prozess hat der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, weitere Anstrengungen im Kampf gegen Kindesmissbrauch gefordert.

Der Fall habe "uns bitter vor Augen geführt, dass neben dem Schutz vor sexueller Gewalt auch der Schutz vor behördlichen Fehlentscheidungen verstärkt werden muss", sagte Rörig der "Passauer Neuen Presse" (Freitag). "Die Bekämpfung von Missbrauch und seinen schweren Folgen muss künftig in Bund, Ländern und Kommunen ressortübergreifend geführt und dauerhaft verstärkt werden."

Das Landgericht Detmold hatte im Prozess um den hundertfachen Kindesmissbrauch in Lügde die Hauptangeklagten am Donnerstag zu 13 und zwölf Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

"Schieflage im Kinderschutz beenden"

Rörig forderte in der Zeitung, die Politik müsse "die eklatante Schieflage im Kinderschutz jetzt schnell beenden und ihren Handlungswillen auch materiell unter Beweis stellen".

Er sei erleichtert, dass die Innenministerkonferenz im Juni beschlossen habe, die gesetzgeberischen Bestrebungen zur Bekämpfung von sexuellem Kindesmissbrauch und Kinderpornografie "entschieden zu intensivieren und auch die Mindest- und Höchststrafen anzuheben", sagte Rörig: "Dass etwa ein Mittäter im Fall Lügde im Juli nur auf Bewährung verurteilt wurde, weil er bei der Ausübung der Taten nicht vor Ort, sondern über Internet und Webcam dem Kindesmissbrauch zugeschaltet war, muss zu einer Neubewertung des Unrechtsgehalts dieser internetbasierten Straftaten führen."

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