"Spiegel" kündigt früherem Gesellschaftschef Geyer

epd-bild / Stephan Wallocha

Das Spiegel Verlagsgebäude (Archivbild)

Das Spiegel Verlagsgebäude (Archivbild)

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat dem früheren Leiter des Gesellschaftsressorts, Matthias Geyer, gekündigt. Geyer galt als Förderer von Claas Relotius.

Die Kündigung steht offenbar im Zusammenhang mit dem Fälschungsskandal um Claas Relotius, wie das "Hamburger Abendblatt" berichtete. Eine "Spiegel"-Sprecherin wollte sich am Freitag auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) nicht zu der Personalie äußern. Geyer wehrt sich beim Hamburger Arbeitsgericht gegen die Kündigung.

Für Dienstag ist in dem Verfahren ein Gütetermin angesetzt, wie ein Gerichtssprecher dem epd bestätigte. Jedoch hätten beide Seiten die Aufhebung des Termins beantragt. Das Gericht werde am Montag darüber befinden, ob es den Anträgen folgt.

Geyer galt als Förderer von Claas Relotius. Der frühere "Spiegel"-Redakteur hatte im vergangenen Dezember massive Fälschungen zugegeben und das Haus verlassen. Der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Journalist bestätigte anschließend über seinen Anwalt öffentlich, dass er "über mehrere Jahre hinweg vielfach Fakten falsch dargestellt, verfälscht und hinzuerfunden hat". Geyer war zum Zeitpunkt der Aufdeckung noch Leiter des Gesellschaftsressorts und damit direkter Vorgesetzter von Relotius.

"Redakteur für besondere Aufgaben"

Zum Jahresbeginn 2019 hatte Geyer eigentlich die neu geschaffene Aufgabe eines "Blattmachers" beim "Spiegel" antreten sollen. Dieser Schritt war jedoch nach Bekanntwerden der Relotius-Fälschungen zunächst auf Eis gelegt worden. Im März hatte der Verlag dann verkündet, dass Geyer die Leitungsfunktion nicht antreten werde und auf eigenen Wunsch auch die Verantwortung für das Gesellschaftsressort abgebe. Seither war er als "Redakteur für besondere Aufgaben" direkt der Chefredaktion unterstellt.

Auch für Geyers Vorgänger im Gesellschaftsressort, Ullrich Fichtner, hatte der Fall Konsequenzen: Fichtner rückte nicht wie geplant in die "Spiegel"-Chefredaktion auf, sondern ist "Reporter für besondere Aufgaben". "Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann erklärte im März zugleich, die Untersuchung der internen Aufklärungskommission in der Causa Relotius habe ergeben, dass Fichtner und Geyer keine persönliche Schuld an den Betrugsfällen treffe.

In ihrem im Mai veröffentlichten Abschlussbericht im Fall Relotius warf die Kommission Geyer und Fichtner vor, die Aufklärung in dem Fall nur zögerlich vorangetrieben zu haben. So habe etwa Geyer auf eine erste Warnung eines Lesers nicht reagiert. Die Kommission betonte aber auch, Relotius sei als "Einzeltäter" "in allererster Linie für sein Handeln verantwortlich."

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