Oppositionspolitiker in Venezuela im Hungerstreik

epd-bild/Susann Kreutzmann

Venezolaner verlassen unter Gefahren ihr Land (Archivbild)

Venezolaner verlassen unter Gefahren ihr Land (Archivbild)

In Venezuela dauert der Machtkampf zwischen Präsident Maduro und der Opposition an. Jetzt will ein Maduro-Gegner mit einem Hungerstreik die Freilassung politischer Gefangener erzwingen.
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In Venezuela ist einer der führenden Oppositionspolitiker im Gefängnis in den Hungerstreik getreten. Edgar Zambrano befinde sich seit neun Tagen im Hungerstreik, erklärte der selbst ernannte Übergangspräsident Juan Guaidó am Donnerstagabend (Ortszeit) auf Twitter. Zambrano, der auch erster Vizepräsident des Parlaments ist, wurde nach einem gescheiterten Putschversuch von Militärs Ende April inhaftiert. Seitdem befindet er sich in einem Militärgefängnis in Caracas. Die Regierung wirft ihm Verrat und Verschwörung vor.

Guaidó schrieb, Zambrano wolle mit seinem Hungerstreik auf die Lage aller inhaftierten politischen Gefangenen in Venezuela aufmerksam machen. Nach Angaben der Opposition sind rund 700 Menschen aus politischen Gründen in Venezuela im Gefängnis.

Vier Millionen Venezolaner geflüchtet

Auch UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet hatte bei einem Besuch Anfang Juli in Venezuela die umgehende Freilassung aller politischen Gefangenen verlangt. Sie prangerte zudem schwere Menschenrechtsverletzungen und Folter durch staatliche Kräfte an. In ihrem Bericht waren zahlreiche Fälle von Folter und Repressalien gegen Häftlinge aufgelistet.

In Venezuela tobt seit Monaten ein erbitterter Machtkampf zwischen dem sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro und der bürgerlichen Opposition. Guaidó ist Parlamentspräsident und wird inzwischen von mehr als 50 Staaten als Interimspräsident anerkannt. Auf der Seite von Maduro stehen Länder wie Kuba, Russland und die Türkei. Das Militär steht mehrheitlich loyal zu Maduro und ist sein größter Machtfaktor.

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) befürchtet, dass die Zahl der Flüchtlinge aus Venezuela bis Ende nächsten Jahres auf mehr als 8,2 Millionen Menschen steigen wird. Wenn die politische und wirtschaftliche Krise anhalte, werde sich die Zahl der Flüchtlinge verdoppeln, heißt es in einer Erklärung der OAS laut der venezolanischen Tageszeitung "El Nacional" vom Donnerstagabend (Ortszeit). Aktuell haben mehr als vier Millionen Venezolaner ihr Land verlassen. Es handelt sich dabei um die größte Flüchtlingskrise in der jüngeren Geschichte Lateinamerikas. Venezuela hatte vor der Krise 32 Millionen Einwohner.

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