Mordprozess Susanna F. mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt

epd-bild/Maik Reuss

Rund 150 Menschen waren im Juni 2018 in Mainz zu einer Trauerkundgebung gekommen (Archivbild).

Rund 150 Menschen waren im Juni 2018 in Mainz zu einer Trauerkundgebung gekommen (Archivbild).

Der Prozess um den Mord an der 14-jährigen Schülerin Susanna F. ist am Montag am Landgericht Wiesbaden mit ersten Zeugenvernehmungen fortgesetzt worden.

Der angeklagte irakische Asylbewerber Ali B. machte wie angekündigt am zweiten Verhandlungstag keine weiteren Angaben mehr zu der Tat. Der 22-Jährige hatte zum Prozessauftakt in der vergangenen Woche gestanden, die Schülerin aus Mainz getötet zu haben. Die ihm ebenfalls zur Last gelegte vorausgegangene Vergewaltigung bestritt er dagegen.

Eine maßgeblich mit dem Fall befasste Kriminalbeamtin aus Wiesbaden sagte am Montag aus, dass das Verschwinden Susannas in der Nacht zum 23. Mai vergangenen Jahres von der Polizei zunächst als normaler Vermisstenfall behandelt wurde und noch kein Tötungsverdacht bestand. Gleichwohl hätten die Ermittler schon am Tag nach Eingang der Vermisstenanzeige durch Susannas Mutter begonnen, das persönliche Umfeld des Mädchens und ihre Bekannten in Wiesbaden zu durchleuchten. Die Mutter des Mädchens habe der Polizei Namen ihrer Freundinnen und Freunde genannt. Deren Vernehmungen hätten anfangs keinerlei Hinweise auf den Verbleib oder gar die Ermordung der 14-Jährigen ergeben.

Späte Aussage

Erst eine Woche nach der Vermisstenanzeige habe sich am 30 Mai 2018 eine neue Lage für die Fahnder ergeben, nachdem Susannas Mutter von anonymen Anrufen eines Mannes berichtet hatte, der vom Tod des Mädchens sprach. Dabei sei auch davon die Rede gewesen, dass Susannas Leiche an den Bahngleisen in Wiesbaden-Erbenheim liege, in deren Nähe später tatsächlich die tote Schülerin ausgegraben wurde. Die Polizei habe noch am selben Tag einen Hubschrauber angefordert, der das Gelände überflog. Dabei hätten sich aber ebenfalls noch keine konkreten Spuren ergeben.

Die eigentliche Wende brachte am 3. Juni die Vernehmung eines damals 13-jährigen Jungen aus Afghanistan, der Ali B. als Täter nannte und konkretere Angaben dazu machte, wo dieser Susannas Leiche vergraben habe. Der Junge namens Mansoor Q. habe wegen der inzwischen eingeleiteten Fahndung von sich aus ein Wiesbadener Polizeirevier aufgesucht und seine späte Aussage damit begründet, er habe Angst vor der "kriminellen Familie" von Ali B. gehabt, die aber inzwischen ausgereist sei. Am 6. Juni wurde schließlich die in einem Erdloch vergrabene Leiche Susannas gefunden.

Zurück nach Deutschland

Der mittlerweile mit seiner Familie in den kurdischen Teil Iraks ausgereiste Ali B. wurde kurz darauf von den dortigen Sicherheitsbehörden der Bundespolizei übergeben und zurück nach Deutschland gebracht.

Der inzwischen 14 Jahre alte afghanische Flüchtling Mansoor Q., der damals den entscheidenden Tipp über den Mord an Susanna gab, steht ab diesem Dienstag in einem separaten Verfahren zusammen mit Ali B. selbst wegen der Vergewaltigung einer Elfjährigen in einer Flüchtlingsunterkunft vor Gericht. Die Verhandlung findet vor einer Jugendstrafkammer des Wiesbadener Landgerichts statt.

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