Präsident der Stiftung DHM: "Cape Cross" sollte zurückgegeben werden

epd-bild/Heike Lyding

Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum, Raphael Gross (Archivbild)

Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum, Raphael Gross (Archivbild)

Der Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum (DHM), Raphael Gross, befürwortet eine Rückgabe des dort ausgestellten "Cape Cross" an Namibia.

Zwar habe Namibia nach deutschem und internationalen Recht keinen Anspruch auf eine Restitution, schreibt Gross in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Mittwoch). Doch sprächen ethische und politische Gründe für eine Rückgabe der Steinsäule aus dem 15. Jahrhundert, die während der Kolonialzeit nach Berlin gebracht wurde. Wie eine Sprecherin dem epd sagte, wird Gross dem Kuratorium des Museums, das letztlich die Entscheidung treffen muss, im Mai die Rückgabe vorschlagen.

Das "Cape Cross" ist eine 3,50 Meter hohe und über eine Tonne schwere Säule aus Kalkstein, die mit einem Kreuz abschließt. Sie wurde 1486 von portugiesischen Seefahrern an der Südwestküste Afrika im heutigen Namibia aufgestellt. Kaiser Wilhelm II. ließ sie 1894, als das Land zur Kolonie Deutsch-Südwestafrika geworden war, nach Berlin bringen. Namibia forderte 2017 erneut die Rückgabe die Säule.

"Geste" der Anerkennung historischen Unrechts

Das Kreuz sei kein koloniales Raubgut wie etwa die kürzlich restituierte "Witbooi-Bibel", erklärt Gross. Doch sprächen "gute Gründe" dafür, es zurückzugeben. Für Namibia sei das "Cape Cross" von außerordentlich großer historischer und kultureller Bedeutung. Es sei eines der wenigen Objekte, das die Landnahme durch die Portugiesen und damit der Beginn der Kolonialgeschichte für die Namibier dokumentiere.

"Die Geschichte des deutschen Kolonialismus ist eine Geschichte, die Deutschland mit Namibia verbindet", betonte der Stiftungspräsident. Eine Rückgabe solle daher nicht den Abschluss der Dokumentation dieser Historie darstellen, sondern den "Anfang einer neuen und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen deutschen und namibischen Museen eröffnen." Sie würde die Verpflichtung unterstreichen, sich "auch jenseits der rechtlichen Notwendigkeiten" differenziert mit der Kolonialgeschichte zu beschäftigen. Es gehe dabei um eine "Geste" der Anerkennung historischen Unrechts.

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