Hilfsorganisation: Gelder in Syrien zur Selbsthilfe einsetzen

epd-bild/Sebastian Backhaus

Ein obdachloser Junge auf einer Straße in Qamishli in Syrien (Archivbild)

Ein obdachloser Junge auf einer Straße in Qamishli in Syrien (Archivbild)

Von Dienstag bis Donnerstag geht es bei der internationalen Syrien-Geberkonferenz in Brüssel um Hilfen für die Bevölkerung in dem Kriegsland und für die Nachbarstaaten. Es steht viel auf dem Spiel.

Von der internationalen Syrien-Konferenz in Brüssel erwarten Hilfsorganisationen direkte und zukunftsorientierte Unterstützung für die leidenden Menschen in dem Kriegsland. Gelder in der Region müssten verstärkt dafür eingesetzt werden, dass Menschen ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen können, erklärte die Diakonie Katastrophenhilfe. Die Unterstützung müsse über rein existenzsichernde Maßnahmen hinausgehen, sagte Vera-Magdalena Voss, Leiterin des Syrien-Büros, dem Evangelischen Pressedienst (epd) telefonisch aus der jordanischen Hauptstadt Amman. Mitte März jährt sich zum achten Mal der Beginn des Syrien-Kriegs.

Bisher würden Gelder internationaler Geber zum Teil auf den Zweck des reinen Überlebens beschränkt, sagte Voss. Stattdessen könnten zum Beispiel Familien "den Blick nach vorne richten", indem man Hilfen auch für kurze Ausbildungskurse oder die Instandsetzung von Wohnungen einsetze. Zudem sollten die Geber lokale Hilfsorganisationen vor Ort stärker bedenken.

Besserer Schutz der Zivilbevölkerung

Finanzielle Unterstützung für Syrien dürfe keinesfalls zur "Kriegsdividende" werden, warnte die Hilfsorganisation "Adopt a Revolution" am Montag in Berlin. Sie forderte von der Brüsseler Konferenz ein klares Zeichen gegen Wiederaufbauhilfen für das syrische Regime. Nach ihren Recherchen zielten aktuelle Wiederaufbau-Pläne auf die Belohnung von Günstlingen und Verbündeten Assads, erklärten die Aktivisten. Die Not der vertriebenen und ausgebombten Bevölkerung würde damit nicht gelindert. "Wiederaufbauhilfen drohen daher Diktatur und Nepotismus zu stärken und letztlich die Grundlage für neue Konflikte zu legen."

Von der Konferenz in Brüssel von Dienstag bis Donnerstag erhofft die Diakonie Katastrophenhilfe auch Lösungen für einen besseren Schutz der Zivilbevölkerung: "Die Frauen, Männer und Kinder müssen vor Bomben ebenso geschützt werden wie vor Landminen oder sexueller Gewalt", erklärte Präsidentin Cornelia Füllkrug-Weitzel in Berlin. "Die Menschen sind dem Krieg und seinen Folgen schutzlos ausgeliefert." Über zwei Drittel der syrischen Bevölkerung gelten als extrem arm, mehr als sechs Millionen Menschen sind innerhalb Syriens vertrieben.

Gewalt, zerrissene Familien, zerstörte Infrastruktur

"Von einem Leben in Würde kann für diese Menschen keine Rede sein", sagte Füllkrug-Weitzel. "Wenn noch nicht einmal die Bevölkerung im Land angemessen versorgt wird, kann niemand ernsthaft die Rückkehr von über fünf Millionen Flüchtlingen nach Syrien fordern."

Die Hilfsorganisation "Save the Children" rief dazu auf, die besonderen Bedürfnisse von Kindern stärker in den Blick zu nehmen. Gewalt, zerrissene Familien, zerstörter Infrastruktur und fehlende Bildung prägten das Leben der Kinder: "Mehr als vier Millionen Kinder in Syrien kennen nur Krieg und haben Dinge erlebt, die kein Kind erleben sollte", betonte Susanna Krüger, Geschäftsführerin der Kinderrechtsorganisation.

Die dritte internationale Konferenz zur Unterstützung der Menschen in Syrien und in Nachbarstaaten soll über konkrete Hilfen diskutieren, Zusagen für Hilfsgelder erbringen und eine politische Lösung unterstützen. Gastgeber sind die EU und die Vereinten Nationen. Nach EU-Angaben wurden bei der zweiten Konferenz 2018 für das laufende Jahr 3,5 Milliarden Euro und für 2019 bis 2020 2,7 Milliarden Euro zugesagt.

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