Wissenschaftlerin: AfD-Sprache zeigt Nähe zum Rechtsextremismus

epd-bild / Christian Ditsch

Abgeordnete der AfD im Bundestag (Archivbild)

Abgeordnete der AfD im Bundestag (Archivbild)

Die Sprache der AfD ist nach Ansicht der Mannheimer Philologin und Politologin Heidrun Kämper menschenverachtend.

Antisemitische Auslassungen, die Verharmlosung des Holocaust und die geistige Nähe zum Rechtsextremismus könnten "nicht mehr mit reiner Provokation erklärt werden", sagte die Professorin am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die AfD, die vor kurzem vom Verfassungsschutz als "Prüffall" eingestuft wurde, stehe in der Tradition der Parteien- und Parlamentsverachtung, sagte Kämper. Die Partei weise eine Nähe zum völkischen Sprachgebrauch auf, der mit Wörtern wie "Volksverrat", "Kulturfremde", "entartet", "Zersetzung" oder "Volkstod" unübersehbar dem Sprachgebrauch des Nationalsozialismus' entspricht.

Provokateure, Denunzianten und Regelverletzer

Im Bundestag und in den Landesparlamenten spielten die Abgeordneten der AfD die Rolle der Provokateure, Denunzianten und Regelverletzer. "Sie denunzieren Politikerinnen und Politiker, missachten die Regeln der Hohen Häuser, indem sie etwa anfangs durch demonstratives Erheben von den Plätzen und Beifallklatschen Beiträge ihrer Abgeordneten feierten", sagte die Wissenschaftlerin.

Das Menschenbild der AfD sei "durchsetzt mit fremdenfeindlichen ethnisch-nationalistischen Denkfiguren". In ihrem Grundsatzprogramm stellten sie Deutsche und Migranten einander gegenüber, schrieben dem Deutschen positive Eigenschaften zu und kriminalisierten Migranten. Dahinter stecke als programmatisches Kalkül "der Regelbruch im Kontext mit unserer Geschichte".

Das Sprachverhalten der AfD sei aber auch ein Spiegelbild der Gesellschaft: "Wir haben es allgemein mit einem Sprachwandel zu tun, der in bestimmten Kommunikationswelten aggressiv, unverhohlen sexistisch und antisemitisch ist." Es sei aber der Auftrag der Parteien, zur politischen Meinungsbildung beizutragen. "Die Ausübung sprachlicher Gewalt gehört nicht zu dieser Aufgabe", betonte Kämper.

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