Berliner East Side Gallery gerettet

epd-bild/Rolf Zoellner

Von links: Stiftungsdirektor Axel Klausmeier, Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und der Vorsitzende der Künstlerinitiative East Side Gallery, Kani Alavi

Von links: Stiftungsdirektor Axel Klausmeier, Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und der Vorsitzende der Künstlerinitiative East Side Gallery, Kani Alavi

Jahrelang war die weltberühmte Berliner East Side Gallery in ihrer Existenz bedroht. Jetzt gehören das 1,3 Kilometer lange Teilstück der DDR-Grenze und die Grundstücke zur Stiftung Berliner Mauer. Bebauungen sind nicht mehr möglich.

Die Zukunft der Berliner East Side Gallery ist gesichert. Weitere Bauprojekte an der weltweit längsten Open-Air-Galerie auf dem früheren Grenzstreifen zwischen Ost- und West-Berlin "schließen wir hundertprozentig aus", sagte der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, am Mittwoch in der Bundeshauptstadt. Das mit 1,3 Kilometer längste noch erhaltene Teilstück der Berliner Mauer zwischen den Stadtteilen Friedrichshain und Kreuzberg gehört seit November zu der Stiftung, die dazugehörigen Grundstücke wurden an die Stiftung übertragen. Die East Side Gallery selbst steht unter Denkmalschutz.

Für das Gelände am Ufer der Spree gebe es keinen Bebauungsplan und keine Bauvoranfragen mehr, sicherte Klausmeier zu. In den vergangenen Jahren waren wiederholt Teilstücke der 1990 von 118 Künstlern aus aller Welt bemalten Mauer aufgrund von Bauprojekten entfernt worden. Dies hatte zu massiven Protesten geführt, die allerdings vergeblich blieben. Unter anderem wurde ein Wohnturm mit Luxusappartements errichtet.

Ausstellung über die Historie des Ortes

Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sprach am Mittwoch von einem "Tag der Freude". Jahrelang habe die Zuständigkeit für die East Side Gallery in der Luft gehangen, jetzt sei mit der Übertragung an die Stiftung Berliner Mauer "genau die richtige Lösung gefunden worden", sagte Lederer. Für den Erhalt des Denkmals, die Pflege des Areals und die Vermittlung des Ortes stellt Berlin jährlich 250.000 Euro zur Verfügung.

Stiftungsdirektor Klausmeier kündigte an, das Areal zu einer Gedenk-, Bildungs- und Kunststätte auszubauen. Mit drei Millionen Besuchern pro Jahr sei die East Side Gallery eine der Hauptattraktionen von Berlin, ohne dass es bislang eine entsprechende touristische Infrastruktur gebe. Das werde sich ändern, sagte Klausmeier. Geplant sei unter anderem eine Ausstellung über die Historie des Ortes. Zudem wird im Frühjahr ein temporärer Servicepoint für Besucher eingerichtet und Besucher werden befragt. Bereits jetzt bietet die Stiftungen Führungen über das Areal an.

"Hinter uns liegt ein langer Kampf"

Ziel sei es, den Doppelcharakter dieses einzigartigen historischen Ortes zu veranschaulichen, sagte Klausmeier: "Einerseits als künstlerisches Zeugnis und Symbol der Freude über die friedliche Überwindung der deutschen Teilung und andererseits als Zeugnis des unmenschlichen Grenzregimes." So seien an diesem Teilstück der Berliner Mauer zwischen 1961 und 1989 mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen.

Derzeit sei man zunächst dabei, den "Ort zu verstehen und in den Griff zu bekommen", sagte der Stiftungsdirektor. So wurden die Grundstücke neu vermessen und alle Mauersegmente plus zugehörige Bilder katalogisiert. Von dem bislang für das Areal zuständigen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wurden laut Klausmeier etwa vier Meter Akten übergeben, die aufgearbeitet werden. Zudem soll es halbjährlich einen Runden Tisch mit Vertretern der Künstler, des Bezirkes, des Senats, Anrainern und anderen geben. Finanziert wird das Ganze aus Mitteln der früheren Parteien- und Massenorganisationen der ehemaligen DDR.

"Hinter uns liegt ein langer Kampf", sagte der Vorsitzende der Künstlerinitiative East Side Gallery, Kani Alavi. "Ohne diese Bilder würde es dieses Teilstück der Mauer nicht mehr geben." Er hoffe deshalb sehr, dass die permanente Existenzbedrohung der East Side Gallery nun der Vergangenheit angehöre.

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