Unesco fordert mehr Bildung für Flüchtlingskinder

epd-bild/Odile Jolys

Schüler im Senegal

Schüler im Senegal

Etwa die Hälfte der Migranten und Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche. Vor diesem Hintergrund fordern Bildungsforscher der Vereinten Nationen größere Anstrengungen der Staaten, das Potenzial der Jugend zu nutzen.

Flüchtlingskinder und Migranten sind laut einem Bericht der Unesco in vielen Staaten der Welt von Schulen und Bildung weitgehend ausgeschlossen. Einige Regierungen verweigerten das Recht auf eine hochwertige Bildung sogar gänzlich, heißt es in dem am Dienstag in Berlin vorgestellten Weltbildungsbericht der UN-Sonderorganisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

Danach ist rund die Hälfte der weltweit geflüchteten Menschen unter 18 Jahre alt. Bildung sei deshalb ein Kernfaktor bei der Bewältigung der Folgen von Flucht und Migration. Deutschland loben die Autoren des Berichts für viele Maßnahmen bei der Integration von Geflüchteten und Migranten. Allerdings sehen sie Verbesserungsbedarf bei der Chancengerechtigkeit im deutschen Bildungssystem.

Wichtigste Ressource

Die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer (CDU), sagte bei der Vorstellung des Berichts, Bildung sei die wichtigste Ressource der Gesellschaft in Deutschland. Dabei müsse alles daran gesetzt werden, auch die Talente von Flüchtlingen und Migranten zu entfalten. "Es darf keine verlorene Generation geben", unterstrich Böhmer. Der Weltbildungsbericht 2019 steht unter dem Motto "Migration, Flucht und Bildung: Brücken bauen statt Mauern". Er wurde zeitgleich in sechs weiteren Städten weltweit vorgestellt.

Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay sagte bei der Präsentation in Berlin, eine der dringendsten Herausforderungen weltweit sei eine bessere Ausbildung von Mädchen und jungen Frauen. Dies wäre ein kraftvolles Instrument, um Armut zu überwinden.

"Auf dem richtigen Weg"

Nach den Worten von Böhmer hat Deutschland bei der Integration von Geflüchteten in das Bildungssystem bereits viel erreicht. "Wir sind auf dem richtigen Weg." Zugleich sprach sich Böhmer für weitere Bildungsangebote für Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund aus.

Laut Weltbildungsbericht haben asylsuchende Kinder, die in Lagern beispielsweise in Australien, Ungarn, Indonesien, Malaysia und Mexiko leben, allenfalls eingeschränkten Zugang zu Bildung. Es gebe auch einige Aufnahmeländer, die gar keine Sprachkurse für Geflüchtete anbieten. Dies sei aber für eine soziale Integration und Chancen auf dem Arbeitsmarkt dringend nötig. In vielen Fällen erhielten Flüchtlinge zwar Zugang zu Bildung, könnten aber nicht mit Gleichaltrigen aus dem Land lernen.

Positiv hebt der Weltbildungsberichts hervor, dass acht der zehn Länder mit den meisten Geflüchteten deutliche Fortschritte bei ihrer Integration in die nationalen Bildungssysteme gemacht haben. Darunter sind einkommensschwache Länder wie Tschad, Äthiopien und Uganda.

Früher Schulabgang

Mit Blick auf die Europäische Union heißt es in dem Bericht, dass 2017 doppelt so viele im Ausland geborene Kinder und Jugendliche die Schule früher verlassen, als die im Land Geborenen. Schüler der ersten Zuwanderungsgeneration seien in Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) weiterhin benachteiligt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie Grundkenntnisse in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften erwerben, ist 32 Prozent geringer als bei im Land Geborenen, heißt es weiter.

Der aktuelle Unesco-Weltbildungsbericht fordert die Staaten unter anderem auf, die Bildungsbedürfnisse von Migranten und Geflüchteten mit in die nationalen Strategien einzuplanen. Als Beispiel wird etwa auf Kanada verwiesen, das Land mit dem höchsten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund unter den sieben reichsten Industrieländern.

Der Unesco-Weltbildungsbericht untersucht jährlich die Fortschritte bei der Umsetzung des globalen Nachhaltigkeitsziels vier. Darin heißt es, dass "bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen" sichergestellt werden sollen.

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