Christin Asia Bibi in Pakistan aus Gefängnis entlassen

epd-bild/Friedrich Stark

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Freigelassen, aber nicht frei: Die Sorge um die pakistanische Christin Asia Bibi hält an, die Jahre nach einem Todesurteil freigesprochen worden war. Ihr Aufenthaltsort und ihr Schicksal sind weiter unklar.

Nach acht Jahren in der Todeszelle ist die pakistanische Christin Asia Bibi aus dem Gefängnis entlassen worden. Pakistans Regierung erklärte am Donnerstag, sie sei "sicher" in Pakistan untergebracht worden, wie pakistanische Medien berichteten. Sie widersprach Berichten, die etwa 50 Jahre alte Katholikin sei außer Landes geflogen worden. Dies seien "Fake News", erklärte Informationsminister Fawad Chadhry und hielt die Medien an, sich angesichts des sensiblen Themas "verantwortungsvoll" zu verhalten.

Bibis Anwalt Saif-ul-Malook hatte zuvor mit seinem Kommentar für Verwirrung gesorgt, Bibi sei aus dem Gefängnis entlassen worden und befinde sich an einem unbekannten Ort außerhalb Pakistans. Malook war am Samstag selbst aus Pakistan in die Niederlande geflohen, weil er um sein Leben fürchtete. Nach Protesten von Islamisten gegen den Freispruch Bibis blieb die Situation in Pakistan weiter angespannt. Bibis Schicksal ist unklar. Die Regierung hatte unter dem Druck von Islamisten eine Ausreisesperre angekündigt, die aber nur ein Gericht verhängen könne.

Grüne: Schutz in Deutschland gewähren

Der außenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Omid Nouripour, forderte die Bundesregierung auf, Asia Bibi und ihrer Familie Schutz in Deutschland anzubieten: "Die Bundesregierung muss in dieser dramatischen Situation handeln und ein Zeichen für Religionsfreiheit setzen." Bibis Freispruch bedeute weder Freiheit noch Sicherheit.

Die fünffache Mutter Bibi war 2009 nach einem Dorfstreit um ein Glas Wasser wegen Gotteslästerung angezeigt und 2010 zum Tode verurteilt worden. Am 31. Oktober war sie freigesprochen worden, blieb aber zunächst in Haft. Religiöse Parteien schickten Tausende Demonstranten auf die Straße, um gegen das Urteil zu protestieren und forderten ihren Tod. Bibis Familie rief Länder wie Kanada, Italien und die Niederlande auf, ihnen und Bibi Asyl zu gewähren. Bereits während ihrer Haft waren mehrere Anschläge auf Bibi versucht, aber vereitelt worden.

Menschenrechtler fordern Gesetzesreform

Menschenrechtler fordern immer wieder die Reform der harschen pakistanischen Blasphemie-Gesetze, weil sie für Racheakte und Behördenwillkür missbraucht würden. Auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) äußerte sich tief besorgt. Die Gesetze über Gotteslästerung seien inakzeptabel und ungerecht, sagte der Internationale Direktor des ÖRK, Peter Prove, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Blasphemie-Regelungen in dem islamischen Staat bedrohten nicht nur die Rechte und die Sicherheit der Christen und anderer religiöser Minderheiten. Sie stellten auch eine Gefahr für Muslime dar, weil sie viel Raum für falsche Anschuldigungen böten.

Alle Versuche, das Gesetz zu ändern, scheiterten bislang am Widerstand religiöser Hardliner. Zwei wichtige Politiker wurden 2011 ermordet, weil sie eine Lockerung forderten: Der liberale Gouverneur Salman Taseer und der Minister für religiöse Minderheiten, der Christ Shahbaz Bhatti.

epd ta fu

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