Präses Rekowski verurteilt Kriminalisierung von Seenotrettern

epd-bild/Hans-Juergen Vollrath

EKD-Migrationsexperte Rekowski (Archiv)

EKD-Migrationsexperte Rekowski (Archiv)

Der rheinische Präses Manfred Rekowski hat bei einem Besuch auf Malta Vorwürfe zurückgewiesen, private Seenotretter spielten Schleppern in die Hände.

"Diese Helferinnen und Helfer retten Menschenleben, die in Seenot sind", sagte Rekowski am Montag nach einem Treffen mit Crew-Mitgliedern des von Behörden festgesetzten Rettungsschiffs "Sea-Watch 3" im Hafen von Valetta. "Der Vorwurf, sie arbeiteten den Schleppern in die Hände, kriminalisiert sie und ihren wertvollen Dienst."

Der Besuch der Seenotretter war Auftakt einer dreitägigen Malta-Reise von Rekowski, der auch Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Der Theologe will sich ein Bild von Rettungsmissionen im Mittelmeer machen. Die EKD ist an der Finanzierung der Hilfsorganisation Sea-Watch beteiligt.

"Unbedingte Verpflichtung"

Rekowski erklärte, der Vorwurf der Beihilfe zur Schlepperei sei auch deshalb absurd, weil internationales Seerecht eingehalten werde. "Die Pflicht zur Seenotrettung ist eine unbedingte Verpflichtung, unabhängig davon, ob die Notlage von den zu rettenden Personen selbst herbeigeführt wurde oder sie ohne ihr Zutun hineingeraten sind." Die Seenotretter seien nicht die Ursache für die Flucht über das Mittelmeer, sondern die Reaktion auf eine Entwicklung, die auch Ergebnis einer falschen Flüchtlingspolitik sei. Auch wenn sich die politische Stimmung gewandelt habe, halte die EKD den Einsatz für Menschenleben unverändert für geboten, betonte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland. "Niemand soll ertrinken müssen."

Mehrere Rettungsschiffe im Mittelmeer konnten in den vergangenen Wochen nicht an den nächstgelegenen Häfen anlegen. Italien verwehrte die Einfahrt, zudem dürfen in Malta Seenotretter nicht mehr auslaufen. Am Wochenende hatten zwei Schiffe der EU-Grenzschutzbehörde Frontex rund 450 Menschen gerettet und in italienische Gewässer gebracht. Für sie wurde inzwischen eine Lösung gefunden: Mehrere europäische Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Malta, nehmen die Migranten auf.

Für Dienstag plant der rheinische Präses Rekowski einen Flug mit der "Moonbird", einem von Sea-Watch betriebenen Aufklärungsflugzeug. Am Nachmittag will der Präses auf dem Friedhof Santa Maria Addolorata in Paola bei Valletta der Flüchtlinge gedenken, die im Mittelmeer ertrunken sind.

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