Deutsche Rotkreuz-Krankenschwester in Somalia entführt

In Somalia ist eine deutsche Krankenschwester entführt worden. Die Mitarbeiterin des Roten Kreuzes wurde am Mittwochabend vom Gelände der Hilfsorganisation in der Hauptstadt Mogadischu verschleppt, wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz am Donnerstag in Genf mitteilte.
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Dabei seien bewaffnete Männer in die Einrichtung eingedrungen. Das Rote Kreuz zeigte sich tief besorgt über die Sicherheit der Kollegin und entsetzt über die Entführung. "Sie ist eine Krankenschwester, die jeden Tag dafür arbeitete, Leben zu retten und die Gesundheit von einigen der Schwächsten in Somalia zu verbessern", erklärte der stellvertretende IKRK-Delegationschef in dem ostafrikanischen Krisenland, Daniel O'Malley. Die Organisation stehe in Kontakt mit verschiedenen Behörden, um auf eine Freilassung hinzuarbeiten.

Weitere Auskünfte machte das Rote Kreuz zunächst nicht. Die somalische Internetzeitung "Garowe Online" meldete unter Berufung auf Kollegen des Opfers, die Deutsche sei während des Abendessens entführt worden. Sicherheitskräfte hätten das Gelände abgeriegelt und die Ermittlungen aufgenommen.

Mitarbeiterin erschossen

Somalia zählt für Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zu den gefährlichsten Ländern der Welt. Nach Daten des Projekts "Aid Worker Security Database" wurden dort von 1997 bis 2016 mehr als 240 Helfer Opfer von schwerer Gewalt. Aufgelistet sind tödliche Angriffe, schwere Verletzungen und Entführungen. Neuere Zahlen liegen nicht vor, doch nahmen die Angriffe laut "Garowe Online" zuletzt noch zu. Im März wurde ein somalischer Rotkreuz-Mitarbeiter bei der Explosion eines Sprengsatzes in seinem Wagen getötet, als er das Gelände der Organisation in Mogadischu verließ. Und erst am Dienstag wurde laut Medienberichten eine für Polio-Impfungen zuständige örtliche Mitarbeiterin der Weltgesundheitsorganisation auf einem Markt in Mogadischu erschossen.

Verheerende Dürre

Somalia versank nach dem Sturz der Diktatur von Siad Barre 1991 in Bürgerkrieg und Anarchie. Trotz der Stationierung von 22.000 Soldaten unter Mandat der Afrikanischen Union kommt es noch immer nicht zur Ruhe. Seit mehr als zehn Jahren kämpft die islamistische Al-Shabaab-Miliz für einen islamischen Staat und gegen die Zentralregierung. Internationale Helfer werden häufig als Unterstützer der Regierung angesehen.

Das internationale Rote Kreuz steht in Somalia gemeinsam mit dem dortigen Roten Halbmond Opfern des anhaltenden Konflikts und von Naturkatastrophen zur Seite. Dazu zählen auch Nothilfe, Zugang zu sauberem Wasser und die Kontaktaufnahme für auseinandergerissene Familien. Somalia leidet derzeit unter einer verheerenden Dürre.

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