Debatte über Tierschutz in der Landwirtschaft geht weiter

epd-bild/Heiner Witte

Kühe auf einem Bauernhof

Kühe auf einem Bauernhof

Nach Ostern führt der Discounter Lidl ein weiteres Label zur Kennzeichnung von Fleisch ein. Foodwatch kritisiert, die Verbraucher würden dennoch getäuscht. Ex-Landwirtschaftsministerin Künast befürchtet, dass sich beim Tierwohl wenig ändern wird.
Deutschland spricht 2019

Die frühere Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) glaubt nicht, dass die neue große Koalition beim Tierschutz in der Landwirtschaft deutlich vorankommen wird. Künast sagte dem MDR-Magazin "exakt" (Mittwoch), beim Töten männlicher Küken passiere nichts, obwohl dies schon jahrelang versprochen werde. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch kritisierte die Fleisch-Kennzeichnung beim Discounter Lidl als Verbrauchertäuschung. Lidl wies die Kritik zurück.

Dem Kükenschreddern fallen jährlich fast 50 Millionen frisch geschlüpfte Hähne zum Opfer. In der vergangenen Wahlperiode hatte der damalige Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ein Ende für 2017 angekündigt. Union und SPD haben nun vereinbart, das Töten bis Mitte der Legislaturperiode zu beenden. Künast: "Wer's glaubt, wird selig."

"Zu kurz gegriffen"

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch kritisierte unterdessen die Fleisch-Kennzeichnung nach Haltungsart beim Discounter Lidl als Verbrauchertäuschung. "Lidl gaukelt den Verbrauchern vor, dass sich das Tierwohl mit ein paar Zentimetern mehr Platz oder ein paar Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere verbessern lässt", sagte Dario Sarmadi dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Kennzeichnung nach Haltungsart sei zu kurz gegriffen.

Schweine, Rinder und Hühner litten massenweise an vermeidbaren Krankheiten, erläuterte Sarmadi. Jedes vierte Tierprodukt stammt laut Foodwatch von einem kranken Nutztier. Während Mastschweine etwa an Lungenentzündungen litten, hätten Hühner oft schwere Brustbeinschäden und Knochenbrüche. Für den Verbraucher sei all das im Supermarkt nicht zu erkennen - weder mit noch ohne Lidl-Haltungskompass, betonte Sarmadi. "Der Discounter erzählt Verbraucherinnen und Verbrauchern nur die halbe Wahrheit."

Lidl will die Kennzeichnung nach Ostern in seinen bundesweit 3.200 Filialen einführen. Frischfleisch-Produkte seiner Hausmarke werden mit einem vierstufigen System gekennzeichnet. Foodwatch fordert stattdessen präzise staatliche Pflichtvorgaben für die Verbesserung der Tiergesundheit.

Erster Schritt für mehr Transparenz

Lidl wies die Kritik zurück. Der Haltungskompass sei kein Tierwohllabel, sondern "kennzeichnet den Ist-Zustand unseres Angebots" und weise transparent aus, wie die Tiere gehalten wurden. Der gut sichtbare Hinweis solle die Kunden bei einer Kaufentscheidung für mehr Tierwohl unterstützen, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage des epd. Foodwatch habe sich in Gesprächen im Vorfeld grundsätzlich positiv zum Vorgehen des Handels geäußert. Der Haltungskompass sei ein erster Schritt für mehr Transparenz. Im nächsten Schritt werde die Einführung eines Tiergesundheitsindexes angestrebt.

Union und SPD haben sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, bis Mitte der Legislaturperiode die Voraussetzungen für die Einführung eines staatlichen Tierwohllabels zu schaffen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte vor wenigen Tagen bekräftigt, ein solches Label durchsetzen zu wollen. Ihr Vorgänger Schmidt hatte entsprechende Ankündigungen nicht umgesetzt.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.