Staatsanwaltschaft prüft Bericht über erfundenen Terroranschlag

Das "Rheinneckarblog" hat einen ausgedachten Artikel über den "größten Terroranschlag Westeuropas" veröffentlicht. Nun beschäftigen sich Staatsanwaltschaft und Presserat mit dem Fall.
Deutschland spricht 2019

Ein erfundener Bericht des "Rheinneckarblogs" über einen Terroranschlag beschäftigt die Staatsanwaltschaft Mannheim. "Wir prüfen, ob ein Anfangsverdacht auf Straftaten vorliegt", sagte eine Sprecherin der Behörde am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch der Deutsche Presserat prüft den Fall. "Rheinneckarblog" hatte in der Nacht zum Sonntag einen Bericht über einen angeblichen Anschlag in Mannheim online gestellt.

Fake-Artikel schon länger geplant

"Überall in den Straßen liegen leblose Körper auf dem Boden. In der Luft liegt der Geruch von Blut. Verletzte schreien oder betteln um Hilfe. Menschen rennen ziellos umher", hieß es in dem Beitrag, in dem von insgesamt 50 mit Messern und Macheten bewaffneten Angreifern die Rede war. 136 Menschen seien bei dem "bisher größten Terroranschlag in Westeuropa" an mindestens 25 Tatorten getötet worden.

Beim Deutschen Presserat sind bis Montagnachmittag vier Beschwerden über den Artikel eingegangen. "Die Beschwerdeführer werfen dem Blog vor, eine massive Unwahrheit verbreitet zu haben und die Bevölkerung mit Absicht verunsichert zu haben", sagte Presseratssprecherin Sonja Volkmann-Schluck dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Redaktion des Blogs wollte mit dem Bericht nach eigenen Angaben provozieren und eine Debatte anregen. "Deutschland ist nicht mehr sicher - was können wir tun? - das ist ein interessantes und notwendiges Debattenthema", hieß es in einer am Sonntagnachmittag auf dem Blog veröffentlichten Erklärung von Redaktionsleiter Hardy Prothmann.

Information der Polizei

Die Redaktion hatte den Fake-Artikel demnach schon länger geplant und bereits im Dezember den Mannheimer Polizeipräsidenten Thomas Köber und den Oberbürgermeister der Stadt, Peter Kurz (SPD), darüber informiert. Beide hätten von einer Veröffentlichung abgeraten. "Dieser Bitte sind wir zunächst gefolgt", erklärte Prothmann. Aufgrund "aktueller Ereignisse" habe sich die Redaktion dann jedoch eigenverantwortlich entschieden, den Text zu publizieren, und anschließend die Polizei informiert.

Die beim Presserat eingegangenen Beschwerden kritisieren nach Angaben von Sprecherin Volkmann-Schluck auch, dass die Aufklärung der Sachlage hinter einer Bezahlschranke verborgen geblieben sei. Die Redaktion verwies dagegen darauf, dass im Text "ausreichend Informationen" vorhanden seien, die den Artikel "als fragwürdig erscheinen lassen". Als Beispiele führte sie in einem auf Facebook veröffentlichten Statement unter anderem an, dass der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) als "Siegfried Kretschmann" bezeichnet und statt vom Bundeskanzleramt vom "Bundeskanzlerinnenamt" die Rede gewesen sei.

Polizei reagiert bei Twitter

Am Montagmittag war die Paywall im Text entfernt, so dass die Aufklärung auch für nicht eingeloggte Benutzer sichtbar war. Die Mannheimer Polizei hatte bereits kurz nach Erscheinen des Textes via Twitter klargestellt, dass es keinen Anschlag gab.

Der Presserat prüft nun, ob er ein Verfahren gegen das "Rheinneckarblog" einleitet. Grundlage dafür ist Ziffer 1 des Pressekodex, die unter anderem die "Achtung vor der Wahrheit" und die "wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit" als oberste Gebote der Presse festschreibt. Dort heißt es: "Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien."

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