Tafelverband: Immer mehr Rentner bitten um Essen

epd-bild / Gerhard Bäuerle

Ansturm auf "Tafel-Läden" nimmt zu

Ansturm auf "Tafel-Läden" nimmt zu

"Armut ist ein Schicksal, von dem Menschen im Rentenalter mittlerweile überdurchschnittlich und besonders hart betroffen sind", sagte Joachim Rock, Rentenexperte des Paritätischen Verbands, und forderte einen Kurswechsel in der Rentenpolitik.

Immer mehr Senioren sind nach Angaben des Tafelverbandes auf Lebensmittelspenden angewiesen. 23 Prozent der Nutzer sind mittellose Senioren, wie die aktuelle Kundenstatistik ausweist. 2007 lag dieser Wert laut einer internen Umfrage bei den Tafeln noch bei 12,3 Prozent. Der Paritätische Wohlfahrtsverband nannte Ausmaß und Dynamik der wachsenden Altersarmut in Deutschland alarmierend. Die Linkspartei sprach sich für schnelle Reformen bei der Alterssicherung aus.

Schicksal Armut

"Armut ist ein Schicksal, von dem Menschen im Rentenalter mittlerweile überdurchschnittlich und besonders hart betroffen sind", sagte Joachim Rock, Rentenexperte des Paritätischen Verbands, und forderte einen Kurswechsel in der Rentenpolitik. "Die Altersarmut wird mit hoher Dynamik in den kommenden Jahren weiter zunehmen, wenn nicht heute die politischen Weichen neu gestellt werden", warnte Rock. Er forderte, "das gesamte Alterssicherungssystem neu aufzustellen".

Die Zahl der bedürftigen Senioren habe sich binnen zehn Jahren verdoppelt, sagte der Vorsitzende des Tafelverbands, Jochen Brühl, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag). Heute ist "fast jeder vierte Tafelkunde Rentner. Das sind in etwa 350.000 Menschen."

Senioren-Cafés

Brühl sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), man reagiere bereits auf die wachsende Zahl von Senioren. "Dort, wo es die personellen Ressourcen zulassen, werden Lieferdienste für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen eingerichtet - insbesondere in ländlichen Regionen, in denen die Wege ohnehin länger sind."

Auch in größeren Gemeinden würden Angebote für ältere Menschen immer wichtiger, beispielsweise barrierefreie Tafel-Räumlichkeiten und Senioren-Cafés. "Rund 450 Tafeln organisieren solche Angebote bereits, der Bedarf nimmt zu", erklärte Brühl.

Nach Angaben des Dachverbandes gibt es in Deutschland derzeit 934 Tafeln, die regelmäßig bis zu 1,5 Millionen Menschen mit Lebensmitteln versorgen. Dafür sind über 60.000 ehrenamtliche Helfer aktiv. Brühl appellierte an die Politik, Armut zu bekämpfen.

Armutsfeste Mindestrenten

Wer sein Leben lang gearbeitet habe, dürfe im Alter nicht arm sein, betonte er. Um das zu verhindern, seien eine "armutsfeste Entlohnung im Erwerbsleben, eine gerechtere Anerkennung von Betreuungszeiten von Kindern und Eltern im Rentenrecht sowie armutsfeste Mindestrenten und Grundsicherungsleistungen im Alter nötig".

Für Sabine Zimmermann, die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, ist es menschenunwürdig, dass Rentner, die ein Leben lang gearbeitet haben, auf die Tafel angewiesen sind. "Die Armut nimmt zu, trotz Arbeit. Niedrige Löhne haben immer niedrige Renten zur Folge", sagte Zimmermann. Die Altersarmut sei eines der dringendsten Probleme, das alle Bundesregierungen bisher weitgehend ignoriert hätten.

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