Alternativer Nobelpreis für blinde Aktivistin aus Äthiopien

Der indische Menschenrechtler Colin Gonsalves setzt sich fuer Menschen am Rande der Gesellschaft ein, hier Bettler in Indien.

epd-bild/Andy Meyers

Nicht so altehrwürdig wie das "Original", aber mittlerweile ebenfalls hoch angesehen: Am Dienstag sind die Träger der diesjährigen Alternativen Nobelpreise in Stockholm bekanntgegeben worden.

Die Alternativen Nobelpreise gehen in diesem Jahr an die äthiopische Behinderten-Aktivistin Yetnebersh Nigussie, den indischen Menschenrechtler Colin Gonsalves und die Journalistin Khadija Ismayilova aus Aserbaidschan. Das gab die Right-Livelihood-Stiftung am Dienstag in Stockholm bekannt. Die Auszeichnung ist mit insgesamt drei Millionen Schwedischen Kronen (umgerechnet rund 315.000 Euro) dotiert. Der US-Jurist Robert Bilott erhält den undotierten Ehrenpreis.

"Rechtsgeschichte geschrieben"

Für ihre Arbeit zugunsten der Rechte von Behinderten wird die Äthiopierin Yetnebersh Nigussie geehrt, die im Alter von fünf Jahren erblindet ist. Die 35-Jährige setzt sich besonders für behinderte Frauen und Mädchen ein und gilt als wichtige Stimme für die Umsetzung der UN-Behindertenrechte-Konvention. Die Organisation "Licht für die Welt", für die Nigussie seit Jahren tätig ist, würdigte, dass Nigussie sich schon als Schülerin und Studentin für mehr als 20 Organisationen engagiert habe.

Colin Gonsalves wird für seinen Einsatz für Menschen in Indien ausgezeichnet, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Zu seinen Mandanten gehören Slumbewohner und Angehörige von Minderheiten. Einer der größten Erfolge des 65-Jährigen war der Stiftung zufolge das 2001 erstrittene "Recht auf Nahrung”. Damals habe Indiens Oberster Gerichtshof unter anderem die Einführung eines kostenfreien Mittagessens für alle Schulkinder festgelegt. "Colin Gonsalves hat Rechtsgeschichte geschrieben und das Leben Millionen Marginalisierter und Entrechteter verbessert", erklärte das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt", das Gonsalves zu seinen Partnern in Asien zählt.

Mut und Hartnäckigkeit

Die Aserbaidschanerin Khadija Ismayilova bekommt den Preis "für ihren Mut und ihre Hartnäckigkeit, Korruption auf höchster Regierungsebene durch herausragenden investigativen Journalismus aufzudecken". Die Recherchen und Dokumentationen der 41-Jährigen zeigten, wie der Reichtum ihres Landes geplündert und ins Ausland geschleust werde, erklärte die Stockholmer Stiftung. Ismayilova schreibt unter anderem über politische Gefangene und musste dafür selbst ins Gefängnis.

Der Ehrenpreis geht an den US-Amerikaner Robert Bilott (52), weil er eine über Jahrzehnte andauernde Umweltverschmutzung aufdeckte. Der Jurist habe Entschädigung für die Opfer erreicht und sich für eine effektivere Regulierung gefährlicher Chemikalien eingesetzt, erklärte die Stiftung. Bilott habe in einem fast zwei Jahrzehnte währenden Rechtsstreit 70.000 Anwohner vertreten, deren Trinkwasser durch einen Chemiekonzern verseucht worden sei.

Preisverleihung am 1. Dezember

Mit den Right-Livelihood-Awards zeichnet die Stiftung jedes Jahr Personen und Organisationen aus, die beispielhafte Antworten auf die drängendsten globalen Probleme finden. Die Auszeichnung wurde 1980 von dem Deutsch-Schweden Jakob von Uexküll gestiftet. Verliehen werden die Preise am 1. Dezember in Stockholm.

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