Onlinegottesdienst in Apolda, Thüringen: Nichts beschönigt, nichts verfälscht

Zu Hause im Exil
Martinskirche Apolda

Krzysztof Golik / CC BY-SA / Wikimedia Commons

Martinskirche Apolda

Martinskirche, Apolda, Sonntag, 22. März, 10 Uhr: Livestreaming .Die Kirchgänger sitzen zu Hause auf dem Sofa und schauen auf den Bildschirm: Die Ankündigung auf der Website des Kirchenkreises Apolda-Buttstädt erlischt, plötzlich intoniert eine Organistin ein fröhliches Vorspiel. Etwas abrupter Kamerawechsel, die Technik übt noch ein bisschen, aber es läuft.

Uwe Birnstein

Uwe Birnstein ist Theologe, lebt in Berlin und arbeitet als Journalist für Zeitschriften, Hörfunk und Fernsehen.
Die Hoffotografen GmbH BerlinUwe Birnstein

Im Bild nun ein schöner geschnitzter Altar mit Spitzendeckchen und Vase, das Gelb der Forsythien findet sich in den bunten Kirchenfenstern wieder. Superintendent und Pfarrer Gregor Heidbrink tritt im Talar ins Bild. Zwei Männerstimmen aus dem Off erwidern seinen liturgischen Ruf. Der Liedzettel steht zum Download bereit, zu Hause soll ja mitgesungen werden: "Holz auf Jesu Schulter". Beim Psalmgebet möge die Onlinegemeinde, inzwischen 44 Menschen, mitsprechen. Dann liest ein Mann in Jeans und mit Zopf einen weisen Spruch Jesu vom Weizenkorn, das erst dann Frucht bringt, wenn es stirbt.

Im Predigttext geht es um Trost: Gott verheiße, er wolle uns "trösten, wie einen seine Mutter tröstet". Zur Zeit des Propheten Jesaja hätten die Gläubigen im Exil gelebt, heute wirke die leere Kirche wie ein Exil: "Die Gemeinde scheint zerstreut, die meisten sind vom normalen Leben ausgeschlossen."
Der Pastor steht jetzt rechts am Bildrand, links ist ein mächtiger steinerner Taufstein zu sehen. Hinterm Altar  sieht man den Schimmel an der Wand. Für das Onlinestreaming wird nichts beschönigt. Alles scheint wie immer. Und das wirkt irgendwie auch beruhigend, gerade in Corona-Zeiten.

Im Pflegeheim nebenan wird mitgeschaut

"Gott mit euch", grüßt der Pastor die Bewohner eines Pflegeheims im Ort, wo in jedem Zimmer mitgeschaut wird. "Quarantäne ist auch eine Form von Exil", sagt der Pfarrer; Menschen seien nun berufen,  einander "Tröster und Trösterinnen zu werden". Es geht auch um den Tod: "Dann sind Gottes Möglichkeiten nicht zu Ende."

Das nächste Lied: "Warum sollt ich mich denn grämen?" Die Fürbitten, "auch für die Menschen, die sich auf der Flucht befinden und die nicht wissen, wo sie bleiben sollen". Ein letzter Kamerazoom auf den Pfarrer:  Er stehe bis 12 Uhr im Chat und am Telefon zur Verfügung;  Telefonnummer und Links werden eingeblendet. Dann hebt er die Hände zum Segen, Kamera und Mikro ragen ins Bild. Zum Orgelausklang gibt es Bilder der Martinskirche im thüringischen Apolda von außen.

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Dornburger Straße 4
99510 Apolda

Telefon 03644-562650

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