Und die Vögel zwitschern

Foto: Ev. Pfarramt Wemding

Bewertung

Liturgie: 
4
Predigt: 
2
Musik: 
3
Atmosphäre: 
3

„Der Krater bebt!“ Auf dem Weg zum Gottesdienst laden Plakate zur Party ein. Ein gutes Motto, hier, in der bayerisch-schwäbischen Landschaft, die durch einen Meteoriteneinschlag entstand. Im Ries sind die Spuren des kosmischen Schöpfungs-Tohuwabohus besonders deutlich zu erkennen.

Etwa 30 Männer und Frauen sind an diesem Sommersonntag in die Christuskirche gekommen. Draußen erobert die Sommersonne das Firmament, drinnen besticht eine durchdachte Mischung aus kühler Sachlichkeit und hölzernem Charme der 1950er Jahre. Berückend die Gestaltung des kleinen Altarraumes: Tisch, Kanzelpult und Kerzenständer werden von metallenen Füßen getragen, an der Wand vor grauem Stein ein lebensgroßer Jesus am Kreuz, er wirkt wie ein Meisterwerk barocker Schnitzkunst. Aus einem Fenster fällt Licht auf das qualvolle Bild.

Huch, hat sich da eine Lerche auf die Empore verirrt? Täuschend echt zaubert die Orgel Vögel ins Kirchenschiff, was für eine leichte Stimmung plötzlich! Unter dem fröhlichen Tirilieren erschallt immer lauter eine bekannte Melodie, wird gern mitgesungen, da geht es um Herz, Freud und die „liebe Sommerzeit“, das passt. Pastor Horst Kohler tritt ans Pult. Nun wird es schwerer. Das Wort vom Kreuz sei gleichzeitig eine „Torheit“ und eine „Gotteskraft“. Gott gefalle es, „durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben“. Ob der Pastor gleich in die Rolle eines törichten Narren schlüpft? „Betet für uns“, heißt es im Predigttext, damit „das Wort des Herrn gepriesen werde“.

Heutzutage würden sogar Christen diese Formulierung vermeiden, klagt der Pastor. „Der Glaube ist nicht jedermanns Ding“, das behauptete schon Paulus. Diese Einsicht müsse weder in Resignation noch in „blindem Aktionismus“ enden. „Ernsthaftes Beten“ sei der Ausweg, Fürbitte für Kirchenmitarbeiter, für Kranke und Leidtragende. Plötzlich greift der Pastor in die missionarische Mottenkiste und erzählt von einem jugendlichen straffälligen Alkoholiker, der durch das Gebet zweier Christen zum Glauben ­gekommen sei. Nein, mit Theologie ­verwöhnt der Pastor die Gemeinde nicht, dem Gebet verleiht er Erfüllungs­garantie. Aber womöglich ist das ja die „Torheit der Predigt“, die Paulus meinte?

Am Ende schickt ein gospeliges Missions­lied im heftigen Viervierteltakt die Gemeinde in den Sonntagmittag: „Die Macht, die das Weltall lenkt, die Kraft, die das Beten schenkt, liegt in dir o Gott. Hab Dank!“ Draußen zwitschern die ­Vögel.

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