Preise zurückgeben

Erledigt: Frau Otts endgültige Ablage.
Ursula Ott ist Chefredakteurin von chrismon

Foto: Katrin Binner

Ursula Ott ist Chefredakteurin von chrismon

Ursula Ott

Ursula Ott ist Chefredakteurin von chrismon und Chefredakteurin von evangelisch.de. Sie studierte Diplom-Journalistik in München und Paris und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Sie arbeitete als Gerichtsreporterin bei der "Frankfurter Rundschau", als Redakteurin bei "Emma", als Autorin und Kolumnistin bei der "Woche", bei der "Brigitte" und bei "Sonntag aktuell" sowie als freie Autorin für Radio und Fernsehen.
Foto: Lena UphoffUrsula Ott, chrismon Chefredakteurin
Die chrismon-Redaktion hat vergangenes Jahr acht Preise gewonnen. Und behalten. Muss man betonen, weil 2014 das Jahr der retournierten Preise war. Und viele der Empfangsverweigerer wären uns gänzlich unbekannt geblieben, hätten sie ihre Preise angenommen, danke gesagt und das Geld gepflegt verspeist und versoffen.

Aber nein. „Monsieur le Président“, schrieb die Frauenrechtlerin Florence Hervé an Joachim Gauck, „ich werde diese Auszeichnung nicht annehmen.“ Mit der Anrede wolle sie an Boris Vian, den berühmten „Déserteur“-Dichter, erinnern. Angesichts von Frauenarmut und Rüstungsexporten wolle sie das Bundesverdienstkreuz nicht. Meine Mail-Freundinnen diskutierten tagelang, ob „der Gauck jetzt schön blöd gucken wird“. Und ich guckte blöd, weil ich den Namen Hervé noch nie gehört hatte, obwohl ich sehr gegen Frauenarmut und Rüstungsexporte bin.

Boris Vian, hui. Preise, die wir hier so kriegen, hat vorher vielleicht der Lokalreporter des „Darmstädter Echos“ bekommen. Boris Vian. Respekt.

Ehre, wem Ehre gebührt

Es kam noch besser. Ganz wie einst Jean-Paul Sartre, schrieb meine Lokalzeitung, verweigere ein Kleinkünstler einen Bühnenpreis. Jean-Paul Sartre hatte 1964 den Literaturnobelpreis verweigert, und wir wollen nicht kleinlich sein, aber die Kleinkunst hat ja nicht umsonst das Adjektiv im Namen. Ähnlich groß holte der Internetaktivist Jacob Appelbaum aus, der den Henri-Nannen-Preis annahm, die Bronzebüs­te aber nach einer Woche einschmelzen wollte, weil Nannen angeblich der Nazipropaganda verdächtig sei. Das mit den Nazis ist schon eine Weile her, und man hätte seit 1945 überlegen können, ob man sich für so einen Preis nominieren und auszeichnen lässt. Aber Einschmelzen macht offenbar mehr her.

Für 2015 wünschen wir uns: Ehre, wem Ehre gebührt. Wer schön schreiben und gute Fotos zaubern kann, möge dafür gelobt werden. Und Heldenorden für die, die Flüchtlinge aus dem Mittelmeer fischen oder sich ­Panzern in den Weg stellen.

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