Susanne Breit-Keßler über selbstgemachte Essiggurken, die lustig machen

Susanne Breit-Keßler über selbstgemachte Essiggurken, die lustig machen
Sauer macht lustig
Gurken mögen auch Radieschen

Susanne Breit-Keßler

Kann man kaufen, muss man aber nicht!

„Sauer macht lustig“, rief meine Mutter heiter, wenn sie wieder mal etwas in dieser Geschmacksnuance eingelegt hatte. Vorsichtshalber fügte sie hinzu: „Aber erst in drei Tagen!“ weil sich bei mir die Wirkung nicht so recht einstellen wollte. Die Redewendung "Sauer macht lustig" ist ein übliches Sprichwort, das die Wirkung von säuerlichem Essen beschreibt. Wie so oft, stellen sich mütterliche Weisheiten, ohne jedes Argument apodiktisch in die familiäre Welt hinausposaunt, später als richtig heraus. 

Sauer macht nämlich Appetit. Es macht „gelüstig“ auf Essen und rundet den Geschmack von Lebensmitteln ab. Außerdem wirken saure Speisen positiv auf die Verdauung. Und wer Lust auf Essen hat, sich dazu eines munteren Stoffwechsels erfreut, der hat ganz gewiss gute Laune. Also macht sauer lustig. Diese späte Einsicht hat bei mir trotzdem keinen Effekt, weil ich viel Säure weder mag noch vertrage. 

Nach drei Tagen wird‘s lustig! 

Aber mein Mann ist Fan von Essiggurken – und zwar von denen ohne Zucker. Die gibt es bei uns so gut wie gar nicht zu kaufen. Die anderen schmecken einfach besser. Aber weil ich hin und wieder eine verständnisvolle Gattin bin und obendrein weiß, dass viel Zucker ziemlich ungesund ist, habe ich dem Liebsten selber Gurken eingelegt. Das ist sehr einfach – aber die Wirkung bei dem, der es mag, absolut überzeugend. 

Also: Ich nehme ein Pfund kleine Einlegegurken, 250 ml Essig, einen halben Liter Wasser, eine in Ringe geschnittene Zwiebel, einen Eßlöffel Salz, Dill, Senfkörner, Lorbeerblätter, ein bisschen Chili und was mir sonst noch passend für Gurken erscheint. Geeignete Schraubgläser wasche ich sauber aus, schrubbe die Gurken, schneide die Stielenden ab. Die Gurken lasse ich ganz oder schneide sie in Scheiben – dann sind sie schneller „durch“. Alle Gewürze verteile ich gleichmäßig auf die Gläser.

Wasser, Essig und Salz bringe ich zum Kochen. Das heiße Essigwasser gieße ich in die Gläser und verschließe sie. Dann lasse ich sie kühl und dunkel stehen – zwischen zwei und vier Wochen. Das klappt aber nicht, weil mein Mann sie eher auffuttert. Deshalb Gurkenscheiben machen! Die sind nach drei (!) Tagen durchgezogen, servier- und essbar. Aus eigener Anschauung kann ich sagen: „Sauer macht lustig“, jedenfalls meinen Mann. Ok, Mama. Wieder mal recht gehabt. 

 

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Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler schrieb viele Jahre die Kolumne "Im Vertrauen" für chrismon. Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern und seit 2003 Ständige Vertreterin des bayerischen Landesbischofs. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Mehrere Jahre sprach sie "Das Wort zum Sonntag" in der ARD und war bereits Autorin des chrismon-Vorläufers "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt".

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Zwei Redaktionen, ein Blog: Dominique Bielmeier arbeitet bei der Sächsischen Zeitung in Dresden. Anne Buhrfeind und Dorothea Heintze bei chrismon in Frankfurt. Nun bloggen sie: Über ihren Redaktions-Austausch, ihr Leben als Ossi im Westen, ihr Leben als Wessi im Osten. Und ihren Alltag, hier wie dort.