Susanne Breit-Keßler über das, was einem richtig guttut

Leibgerichte
Susanne Breit-Keßler Leibgericht

Susanne Breit-Keßler

Leibgerichte können auch ganz einfach sein: Käsestulle, Mayo, Gewürzgucke - happs

Susanne Breit-Keßler Leibgericht

In diesen Zeiten braucht es Erinnerungen, die lebendig machen

„Gut essen ist mein Leibgericht“ hieß ein Buch, das meine Eltern zuhause hatten. Es ist Ende der 1950er Jahre erschienen und war eine kulinarische Reise durch ganz Deutschland. Wenn ich mich recht erinnere, waren auch angrenzende Länder mit Rezepten vertreten. Ich liebte als Kind dieses Buch fast genauso wie den häuslichen Opernführer, weil man bei der Lektüre versank in Geschichten und anderen Orten, in Tönen, Düften und Geschmäckern. Ich könnte es derzeit wieder gut gebrauchen – aber es ist offenbar nicht mehr erhältlich. 

„Gut essen ist dein Leibgericht“ pflegte meine Mutter, eine wirklich gute Köchin, in feiner Abwandlung des Buchtitels entweder zu meinem Vater oder zu mir zu sagen. Wenn sie etwas herzhafter drauf war, sagte sie auch mal „Fressmollo“ zu uns. Das Wort gab es nur im Singular und ich weiß nicht, wo es herkommt. Es gibt ein Kinderbuch, in dem der Mäuserich Mollo seinen Saurierfreund mit einer Kuchenback-Therapie davon heilt, alle Kumpels zum Fressen gern zu haben. Aber das war damals längst noch nicht erschienen. 

Diese tolle Einheit aus Materie und Bewusstsein

In Wahrheit war meine Mutter glücklich, dass ihre Zwei alles, also fast alles begeistert aufaßen, was sie servierte. Dick wurden wir nicht, wie das Wort „Fressmollo“ nahelegt. Dazu war das Essen zu gesund. Zwischendurch gab es eh nichts, es sei denn, mein Vater und ich plünderten unser geheimes Schokoladenlager. Auf jeden Fall hatten wir beide viele Leibgerichte. Er mochte zum Beispiel Kartoffeln mit Meerrettichsauce, manchmal ein  Wammerl, einen geräucherten Schweinebauch, oder Kirschauflauf. Brrrr - alles so gar nicht nach meinem Geschmack. Wenn ich wünschen durfte, waren es Nudeln mit Sauce oder Königsberger Klopse.  

Leibgericht. Ein schönes Wort. Essen stillt nicht bloß die Bedürfnisse des Körpers, den man hat. Essen dient dem Leib, dieser tollen Einheit aus Materie und Bewusstsein, Geist und Gefühl, die man selber ist. Ein Leibgericht, das ist etwas, was man, hübsch präsentiert, mit allen Sinnen und dem Verstand genießt. Kompliziert muss es nicht sein. Ich verrate Ihnen noch zwei meiner Leibgerichte: Erbsen mit Sahnesauce, Kapern und einem gekochten Ei. Käsebrot mit Mayonnaise und Essiggurke. Was glauben Sie, wie das den ganzen Menschen in dieser irren Zeit beflügelt ….

Sie wollen mehr lesen? Dann gibt es jetzt das Buch dazu von Susanne Breit-Keßler

 "Prost Mahlzeit!".  Für gute Laune beim Kochen, mit vielen Rezepten, Kolumnen und Illustrationen. edition chrismon, 144 SeitenPR

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler war bis 2019 Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern. Sie war Sprecherin vom "Das Wort zum Sonntag" und regelmäßige chrismon- Autorin. Außerdem ist sie Vorsitzende des Kuratoriums "7 Wochen Ohne" und Mitglied im Aufsichtsrat des GEP, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, in dem auch chrismon erscheint.

Blogs auf chrismon.de

Hier finden Sie eine Übersicht aller Blogs auf chrismon.de
Und hier können Sie alle Blogs direkt abonnieren

Blogs

Text:
22 Beiträge

Als das Hochwasser kam, war Pastor Thomas Rheindorf gerade zur Seelsorge unterwegs. Geschichten aus dem Ahrtal: über Trauer, Tod und Hoffnung.

Text:
Johann Hinrich Claussen
227 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
36 Beiträge

Dorothea Heintze lebt in einer Baugemeinschaft in Hamburg und weiß aus eigener Erfahrung: Das eigene Wohnglück finden ist gar nicht so einfach. Dabei gibt es tolle, neue Modelle. Aber viele kennen die nicht. Und die Politik hinkt der Entwicklung sowieso hinterher. Über all das schreibt sie hier.

Text:
Susanne Breit-Keßler
151 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Text:
Hanna Lucassen
38 Beiträge

Schwester, Schwester! Hanna Lucassen erzählt von Streiks, Spritzen und Sonntagsdiensten.

Text:
Franz Alt
194 Beiträge

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Text:
5 Beiträge

Die afghanische Frauenrechtlerin Tahora Husaini hat in Berlin Zuflucht gefunden. Oft ist sie mit ihren Gedanken in ihrer Heimat, bei ihrer Familie, bei den hochragenden Bergen um Kabul. In ihrem Blog nimmt sie uns mit.