Blog: Verbrannte Würstchen als Salat-Revival

Rettung für meine Rostbratwürstchen
Susanne Breit-Keßler Rostbratwürstchen retten

Susanne Breit-Keßler

Susanne Breit-Keßler Rostbratwürstchen retten

Nicht alles, was zu viel Hitze bekommt, muss weggeworfen werden

Die Zeit des Scheiterns ist vorbei, schrieb ich kürzlich an dieser Stelle. Es ging um die traditionsbewusste und erfolgreiche Produktion von Gänsebrust mit Sauce, Blaukraut, Maronen und Spätzle. Bei meiner etwas voreilig-triumphalistischen Formulierung hatte ich Rostbratwürstchen nicht im Blick. Wie konnte ich auch ahnen, dass man bei solch einem simplen Gericht nahezu alles verderben kann. Nicht man. Ich.

Ich kam also nach Hause und hatte es eilig, das Abendessen zu machen.  Mein Mann liebt es nicht, wenn ich zu später Stunde noch kulinarische Staatsaktionen entfessle. Zuviel Arbeit findet er. Ein belegtes Brot würde ihm sowieso reichen. Das geht nicht, finde wiederum ich. Es muss was Warmes her. Rostbratwürstchen gehen schnell, also ab damit in die Pfanne. Die Platte hochgedreht, auf maximale Temperatur, damit es vorangeht.

Dunkelschwarz weicht buntem Salat

In so einem Fall, das sagt einem der gesunde Menschenverstand, falls man selbigen besitzt, sollte man dabeibleiben und die Temperatur zügig wieder reduzieren. Sie ahnen es: Genau das habe ich nicht getan. Ich entfernte mich gelassen, um noch dies und das zu erledigen. Als ich zurückkam, qualmte es fröhlich aus der Pfanne heraus. Die Würstchen hatten an der Unterseite eine Farbe angenommen, die nur als „dunkelschwarz“ bezeichnet werden kann.

Zum Glück sind sie nicht eigenständig in der Pfanne herumgerollert, sonst wären sie ganz zu Asche geworden. Rausholen und etwas Anderes zum Essen herrichten, ist das Eine. Aber was tun mit den angebrannten Würstchen? Einfach wegwerfen? Das schmerzt. Ich ließ sie auskühlen und schnitt die zum Glück nur oberflächlich verbrannten Stellen weg. Der Rest war völlig in Ordnung und insofern durchaus essbar. Man muss da vorsichtig sein …

Dann mixte ich einen Salat, der gut durchgezogen am nächsten Tag zur Brotzeit auf den Tisch kam. In Öl gedünstete (rote) Zwiebeln, klein geraffelte Radieschen und Möhren, Paprika, fein geschnitten, ein Hauch Bio-Mayonnaise, etwas süßer Senf und weiße Crema di Aceto kamen in die Schüssel zu den wieder gutaussehenden Würstchen. Das Ganze ordentlich gewürzt mit Kräutern - vorzugsweise Schnittlauch - und Pfeffer. Großartig!

Ich will nicht sagen, dass man unbedingt Lebensmittel in Rauch aufgehen lassen sollte, damit man aus den Resten etwas Tolles machen kann. Und Scheitern ist nicht das neue Siegen. Aber gelegentlich ist so eine Pleite wie meine wenigstens die Chance, ein neues Gericht zu kreieren. Für die nächste Zeit allerdings werde ich mit Erfolgsnachrichten etwas zurückhaltender sein. Ich habe nämlich leider auch noch … nein. Ein andermal.

Vom Blog zum Buch:
Sie wollen mehr lesen? Dann gibt es jetzt das Buch dazu von Susanne Breit-Keßler

 "Prost Mahlzeit!".  Für gute Laune beim Kochen, mit vielen Rezepten, Kolumnen und Illustrationen. edition chrismon, 144 SeitenPR

 

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler schrieb viele Jahre die Kolumne "Im Vertrauen" für chrismon. Bis 2019 war sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Mehrere Jahre sprach sie "Das Wort zum Sonntag" in der ARD. Sie war bereits Autorin des chrismon-Vorläufers "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt".

Blogs auf chrismon.de

Hier finden Sie eine Übersicht aller Blogs auf chrismon.de
Und hier können Sie alle Blogs direkt abonnieren

Blogs

Text:
Susanne Breit-Keßler
204 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Text:
21 Beiträge

Als ehemalige Klinikseelsorgerin und jetzt als Krebspatientin kennt die Pfarrerin Karin Lackus den medizinischen Alltag aus sehr unterschiedlichen Perspektiven. Im Blog "Krankenstand" schreibt sie über das Gesundheitswesen, die Sterbehilfedebatte, Patientenrechte, Patente, Heilungsgeschichten, Impfgerechtigkeit und vieles mehr.

Text:
68 Beiträge

Dorothea Heintze lebt in einer Baugemeinschaft in Hamburg und weiß aus eigener Erfahrung: Das eigene Wohnglück finden ist gar nicht so einfach. Dabei gibt es tolle, neue Modelle. Aber viele kennen die nicht. Und die Politik hinkt der Entwicklung sowieso hinterher. Über all das schreibt sie hier.

Text:
Franz Alt
248 Beiträge

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Text:
Johann Hinrich Claussen
274 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
32 Beiträge

Die afghanische Frauenrechtlerin Tahora Husaini hat in Berlin Zuflucht gefunden. Oft ist sie mit ihren Gedanken in ihrer Heimat, bei ihrer Familie, bei den hochragenden Bergen um Kabul. In ihrem Blog nimmt sie uns mit.