Johann Hinrich Claussen über Syrien

Johann Hinrich Claussen über Syrien
Erinnerungen gegen Zerstörungen
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privat

Wir scheinen in einer Zeit der Auslöschungen zu leben, ökologisch, aber auch kulturell. Ein besonders schreckliches Beispiel dafür ist Syrien. Flächendeckend haben die Bürgerkriegskombattanten wertvolle Kulturgüter zerstört. Auf Kirchen der unterschiedlichsten Konfessionen hatten es die islamistischen Fanatiker besonders abgesehen: Sie wurden geschändet, beschädigt und vernichtet.

Vieles scheint unwiederbringlich verloren, umso wichtiger ist, dass an diese Kirchen erinnert wird. Tarek Bashour, ein syrischer Flüchtling, hat mit Unterstützung der Evangelischen Kirche in Deutschland versucht, soviel wie möglich davon in einem schmalen, aber ergreifenden Buch zu dokumentieren: Zerstörungen von großen, kleinen, uralten und neueren Kirchen der Armenier, Rum-Orthodoxen, Katholiken oder Evangelischen in Homs, Idlib, Damaskus, Aleppo, Ar-Raqqa sowie in vielen, weniger bekannten Kleinstädten und Dörfern in der Provinz. Einige wenige Mal berichtet er sogar von Wiederaufbauversuchen. Wie der Vertreter einer evangelischen Kirche erklärt: „Nun bauen wir eine neue Kirche. Das wird von vielen als Wahnsinn angesehen. Jedoch wissen wir genau, was wir tun. Wir sind hier geboren, und deshalb bleiben wir hier. Das ist die Botschaft an alle, dass die Christen das Land nie verlassen werden.“

Angesichts der umfassenden Zerstörungen gibt es ein kleines Hoffnungszeichen in Berlin. Seit 2013 wird dort das Syrian Heritage Archive Project betrieben: ein digitaler Kulturspeicher, in dem die Erinnerung an viele der beschädigten und vernichteten Denkmäler Syriens aufbewahrt wird. Zwei Projektgruppen von Experten des Museums für Islamische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin und des Deutschen Archäologischen Instituts sind seither gemeinsam mit syrischen Partnern damit beschäftigt, dieses Archiv aufzubauen und zu füllen. Sie konzentrieren sich dabei zunächst auf die Altstädte von Damaskus und Aleppo, die archäologischen Sehenswürdigkeiten von Palmyra oder Ar-Raqqa. Aber sie möchten nicht nur archäologische Stätten, sondern auch Landschaften, Sitten und Erzählungen vor dem Vergessen bewahren. Natürlich richtet sich ihre Aufmerksamkeit zunächst auf die bedeutenden antiken Monumente, aber wenn möglich sollen auch die Orte des syrischen Christentums Berücksichtigung finden. Der Vernichtungswut der Islamisten setzen sie ihre Erinnerungsarbeit entgegen. Sie wünschten sich, dass ihre Forschungen und Dokumentationen einmal die Grundlagen für einen zukünftigen Wiederaufbau liefern könnten. Ob es dazu kommen wird? Zumindest leistet ihr digitales Archiv einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die Erinnerung an die reiche und vielfältige Religionskultur Syriens nicht verloren geht.

P.S.: Vor wenigen Tagen habe ich im Deutschlandfunk mit Michael Wolfssohn ein Gespräch über das eben veröffentlichte Kirchen-Papier der AfD geführt. Hier könnte man es nachhören. An dieser Stelle sei der AfD herzlich dafür gedankt, dass ich in diesem Papier als Hassprediger entlarvt werde. Das war wirklich mal an der Zeit.

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Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

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Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das heißt, er kümmert sich um das Gespräch zwischen Kirche und Kultur.

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Zwei Redaktionen, ein Blog: Dominique Bielmeier arbeitet bei der Sächsischen Zeitung in Dresden. Anne Buhrfeind und Dorothea Heintze bei chrismon in Frankfurt. Nun bloggen sie: Über ihren Redaktions-Austausch, ihr Leben als Ossi im Westen, ihr Leben als Wessi im Osten. Und ihren Alltag, hier wie dort.