Johann Hinrich Claussen über kleine Verlage

Johann Hinrich Claussen über kleine Verlage
Eine wahre Begebenheit
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Foto: privat

Es war einmal ein kleiner deutscher Verlag. Er hatte sich einem anspruchsvollen und eigensinnigen Programm verschrieben. So etwas wird vom Markt nicht belohnt. Es drohte die Insolvenz. In seiner Not bewarb sich der Verleger bei einem Fernseh-Quizz. Extrem belesen und umfassend interessiert war er ja. Tatsächlich, er wurde auserwählt. Über ihn und seinen Verlag wurde ein kurzer Einspieler produziert. Dann kam die TV-Show, mehrere Millionen Zuschauer schalteten ein, lernten unseren Helden und seine schönen Bücher kennen, und er konnte jede Frage beantworten, überstand alle Runden, schlug seine Widersacher einem nach dem anderen aus dem Feld und gewann am Ende das fette, rettende Preisgeld. Die Insolvenz war abgewendet, das nächste Programm konnte geplant werden. Nach wenigen Monaten jedoch schaute unser Held nach, wie sich sein Millionen-Auftritt auf den Umsatz ausgewirkt hatte. Das Ergebnis: gar nicht. Kein einziges Buch mehr als sonst hatte er verkauft. Dafür hatte er eine Reihe von ganz und gar nicht anspruchsvollen Manuskripten zugesandt bekommen.

Was ist die Moral von der Geschicht‘?

Ich weiß es nicht.

P.S.: Vergangene Woche hat der NDR ein Essay von mir über die biblische Tugend der Nüchternheit – und warum sie uns heute gut täte – gesendet. Wer es nachhören oder -lesen möchte, klickt bitte hier.

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Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Johann Hinrich Claussen
Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das heißt, er kümmert sich um das Gespräch zwischen Kirche und Kultur.

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