Johann Hinrich Claussen über den 31. Oktober 2017

Das allerschönste Zitat zum Reformationsjubiläum von allen
beneke.jpg

Foto: Staatsarchiv Hamburg (Elmar Schwarze)

Das Schönste, Klügste und Frömmste zum „Reformationsfeiern“ hat vor genau 200 Jahren ein Mann geschrieben, den immer noch zu wenige kennen. Ferdinand Beneke war ein bedeutender Hamburger Politiker und Jurist, vor allem aber ein großartiger Tagebuchschreiber. Zum Glück werden Benekes Tagebücher gerade nach allen Regeln der Kunst ediert und Stück für Stück in wunderbaren Büchern veröffentlicht. Am 31. Oktober 1817 nun schrieb er dies in sein Tagebuch:

„Als ein öffentliches Jubelfest will mir das Reformationsfest nicht gelingen. Schon beym ersten Erwachen leuchteten der theure Gottesmann Luther und die Freyheit des Geistes, welche er allen Christen erstritten, durch mein Gebet. Als ein öffentliches Kirchenfest kann mir diese Feyer aber nicht zusagen, weil die Reformazion wie alles Menschenwerk nicht rein genug ist, sowol in ihrer Katastrophe selbst als in ihren religiösen und politischen Folgen (unter welchen wir die unseligste, blutigste Periode unsers deutschen Vaterlandes mitzuzählen nicht vergeßen dürfen). Und weil dieses Fest als öffentliche Jubelfeyer immer einen polemischen, sich gegen katholische Mitchristen triumphirend rühmenden Charakter hat, der weder mit dem liebreich innigen und demüthigen Charakter des Christenthums noch mit der Unsicherheit übereinstimmen kann, welche über alle unsre verschiedenen Ansichten des Lebens und der Kirchen schwebt. Die Evangelische Kirche und die Katholische – beyde sind die Träger und Säulen Eines Tempels. Darum freue sich jede ihrer Eigenthümlichkeit. Sie erkenne auch an der Schwesterkirche das Gute in dem, was in ihr anders ist. Aber nicht lautjubelnd rühmen müße sich die Eine ihrer Vorzüge vor der anderen mit Festgeläute, Kanonendonner und Triumph. Ach, beyden Christenparteyen hat der gnädige Gott viel zu vergeben!“

P.S.: Auf zwei Bücher möchte ich die geneigte Leserschaft hinweisen. Zum einen haben wir gemeinsam mit den Luthergedenkstätten ein Buch herausgegeben, das eine Bilanz dieses Reformationsjubiläums versucht. Zum anderen habe ich mit dem Berliner Kurator Alexander Ochs einen Bild- und Textband über eine spektakuläre Kunstaktion im Berliner Dom zum Reformationsjubiläum veröffentlicht.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Johann Hinrich Claussen
Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das heißt, er kümmert sich um das Gespräch zwischen Kirche und Kultur.

Blogs auf chrismon.de

Hier finden Sie eine Übersicht aller Blogs auf chrismon.de
Und hier können Sie alle Blogs direkt abonnieren

Blogs

Text:
Susanne Breit-Keßler
25 Beiträge

Fußball ist ihr Leben - sagt die ehemalige Regionalbischöfin und Schiedsrichtertochter Susanne Breit-Keßler. Und da der Ball rund ist und das zugehörige Spiel mindestens die wichtigste Nebensache der Welt, schreibt sie - wie schon bei der EM 2016 und der WM 2018 - wieder auf, was sie während der EM 2021 bewegt.

Text:
Hanna Lucassen
30 Beiträge

Schwester, Schwester! Hanna Lucassen erzählt von Streiks, Spritzen und Sonntagsdiensten.

Text:
Franz Alt
167 Beiträge

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Text:
Johann Hinrich Claussen
205 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
16 Beiträge

Dorothea Heintze lebt in einer Baugemeinschaft in Hamburg und weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das eigene Wohnglück zu finden ist.

Text:
Susanne Breit-Keßler
131 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!