Claudius Grigat über Kleintierdiskussionen

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Haustiere
Zwei braune Zwergkaninchen

Foto: Claudius Grigat

Leo und Lilly

Zwei braune Zwergkaninchen

"Wenn wir umziehen, dann haben wir doch Platz, oder?" So fragte meine Tochter damals. "Ja, das ist der Sinn der Sache." "Bekomme ich dann ein Haustier?" So begann das alles damals. Irgendwann waren es nur noch Rückzugsgefechte, die meine Frau und ich ausfochten. Es ging nicht mehr um "ja" oder "nein", sondern nur noch um "wann" und "was".

Dann der denkwürdige Tag, kurz nach dem Umzug, als die Nachbarin von schräg gegenüber im Garten stand und die Kinder aus der Häuserreihe zu sich rief. Sie hatte etwas im Arm, was sich später als winziges, wollknäueliges, riesenäugiges und flauschiges Katzenbaby herausstellte. Dazu ihre Worte: "Kinder, stellt euch vor, dieses kleine Katzenjunge sucht ein Zuhause. Wer von euch will es geschenkt haben?" Kurz danach wünschte ich mir, sie hätte meinen beiden Kids lieber Koffeintabletten in Cola aufgelöst, sie mit einer Tüte Bonbons vor einen Horrofilm gesetzt und ihnen zum Abschied noch ein chinesisches Spielzeug mit Dauerpiepsgeräusch überreicht. Meine Frau reagiert nun mal mit starken asthmatischen Allergie-Beschwerden auf Katzenhaare. Drei Tage lang hatten wir weinende Kinder zuhause.

Fische sind toll! Und so leise.

Eine Zeit lang waren dann Rennmäuse im Gespräch: Süß und anspruchslos, brauchen über mehrere Tage nur einen kleinen Futtervorrat und etwas Wasser, selbst Kurzurlaube sind so kein Problem. Gegenargument: Sie werden nur etwa zwei Jahre alt, dann wieder drei Tage lang weinende Kinder. Hamster sind nachtaktiv, meine Kinder nicht (zumindest, wenn es nach uns geht). Meerschweinchen sind genauso problematisch. Ich wäre ja für Fische gewesen: absolut allergie-proof und so schön still. Und stubenrein.

Schlussendlich haben wir uns auf Kaninchen geeinigt, Zwergkaninchen. Die leben im Garten, essen unsere schrumpeligen Karotten und sind süß. Und leben hoffentlich bis zu viermal so lang wie Mäuse. Es mussten übrigens braune, im Züchterdeutsch "wildfarbene" werden. Die Namen standen nämlich schon lange fest: Leo und Lilly. Und zu diesen Namen passen nur hellbraune Kaninchen, da ließ meine Tochter nicht mit sich reden. Mein Sohn reagierte pragmatisch auf die mahnenden Elternworte, dass er nur eines von den beiden sein eigen nennen könne, wenn er sich auch darum kümmern würde: Wasser, Futter, Stall sauber machen…: "Ach nee, dann komme ich nur manchmal als Gast zum Streicheln."

Papa, was ist eine Kastration?

Bei der Züchterin wurde er dann aber doch weich. Und ließ sogar den einstündigen Vortrag über sich ergehen, was alles zu beachten sei - vor allem, weil die beiden ja noch ganz klein sind, erst acht Wochen alt. Selbst, was eine Kastration ist, weiß er nun. Und macht sich mit seiner Schwester Gedanken darüber, ob das die Kaninchen wohl traurig macht. Und der Papa? Ist wider Erwarten und widerstrebend verliebt! In zwei winzige, wollknäuelige, riesenäugige und flauschige Zwergkaninchenbabies.

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Claudius Grigat
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