Franz Alt zum Thema Verkehrswende

Franz Alt zum Thema Verkehrswende
Die Verkehrswende kommt aus China
China Flagge

pixabay.com | RonnyK

Die globale Energiewende nahm im Jahr 2.000 durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Deutschland  ihren Anfang. Inzwischen haben nahezu 100 Länder dieses Gesetz mit Einspeise-Vergütungen  in der Intention übernommen. Heute ist das bevölkerungsreichste Land der Welt, China mit 1,4 Milliarden Menschen, bei der Energiewende vorn.

Auch mit Hilfe deutscher Technik und durch kluge staatliche Unterstützung – vor allem durch billige Staatskredite für die Solarbranche ist China heute Solarweltmeister in einer der wichtigsten Zukunftsbranchen. Solarstrom wird jetzt weltweit Sozialstrom.

Aber auch bei der Verkehrswende sind die Chinesen inzwischen an der Spitze. Während Deutschland und Europa bei der E-Mobilität noch zögern und die deutschen Autokonzerne noch immer schlafen, zeigt das Reich der Mitte, dass und wie es schneller geht mit dem Umstieg auf E-Mobility.

Keine Energiewende ohne Verkehrswende

Weltweit sind bereits 385.000 Elektro-Busse unterwegs, aber noch wenige in Deutschland. Daimler hat bisher ein einziges Modell vorgestellt. 99% aller E-Busse fahren in China. In der 13-Millionen-Stadt Shenzhen in Südchina fahren über 16.000 öffentliche Busse, alle elektrisch. Ebenso zwei Drittel aller 17.000 Taxen. In der Stadt gibt es über 13.000 öffentliche Ladestationen. Fast jeder fünfte Bus in China fährt bereits elektrisch, in Peking jeder dritte.

Hauptursache: Der chinesischen Bevölkerung stinkt´s. Die Luft ist so schmutzig und gesundheitsgefährdend, dass an manchen Herbst- und Wintertagen  die Chinesen nur noch mit Mundschutz auf die Straße gehen. Die Regierung hat angeordnet, dass Kinder nicht mehr im Freien spielen dürfen. Zehntausende Aufstände in ganz China sind die Folge, etwa eine halbe Million Menschen erleiden jedes Jahr einen frühzeitigen Tod durch schlechte Luft.

Die dramatische Klimaveränderung und Luftverschmutzung ist in China zu einer Machtfrage für die kommunistische Partei geworden.

Zum Vergleich Deutschland: Hierzulande fahren von 78.000 Omnibussen ganze 458 ohne Verbrennungsmotor. Wann endlich stink´s auch den Deutschen? Es kann keine Energiewende geben ohne Verkehrswende.

Lernen von China

Es ist die schiere politische Not und die zunehmende Umweltbelastung, welche China ins Zeitalter der Elektro-Mobilität treibt. Dadurch nimmt das Reich der Mitte  eine Vorreiterstellung bei der Verkehrswende ein. 

Westlichen Ländern steht diese Entwicklung noch bevor. Die ersten Fahrverbote für Diesel in Deutschland machen aber auf die notwendige Veränderung auch hierzulande  aufmerksam. Die Politik hat den verantwortungslosen und kriminellen deutschen Autobossen bisher wie blind zugesehen. Immerhin macht die deutsche Justiz noch ihre Hausaufgaben gegenüber der Öffentlichkeit: Audi-Chef Stadler sitzt bereits hinter Gittern, dem früheren VW-Boss Winterkorn droht Gefängnis in den USA und Daimler-Chef Zetsche könnte ebenfalls bald im Knast sitzen.

Es gibt nur noch einen Ausweg: Lernen von China! 

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Franz Alt
Dr. Franz Alt, Jahrgang 1938, war 20 Jahre lang leitender Redakteur und Moderator des ARD-Magazins "Report". Heute schreibt er Gastkommentare und Hintergrundberichte für über 40 Zeitungen und Magazine, hält weltweit Vorträge und berät Konzerne und Regierungen in Energiefragen auf der ganzen Welt.

Blogs

Text:
Susanne Breit-Keßler
47 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Text:
Claudius Grigat
23 Beiträge

Schön bunt ist das Familienleben, manchmal auch zu bunt. Geschichten aus dem turbulenten Alltag von Claudius Grigat

Text:
Johann Hinrich Claussen
92 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
Franz Alt
56 Beiträge

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Text:
Susanne Breit-Keßler
19 Beiträge

Fußball ist ihr Leben - sagt Regionalbischöfin und Schiedsrichtertochter Susanne Breit-Keßler. Und da der Ball rund ist und das zugehörige Spiel mindestens die wichtigste Nebensache der Welt, schreibt sie - wie bereits bei der EM 2016 - auf, was sie während der WM in Russland bewegt

Text:
Anne Buhrfeind, Dominique Bielmeier
17 Beiträge

Juhu, wir machen Schüleraustausch! Dominique Bielmeier von der Sächsischen Zeitung übernimmt für drei Wochen den chrismon-Schreibtisch und die Frankfurter Wohnung von Anne Buhrfeind. Die zieht nach Meißen, als Elbland-Reporterin. Hier tauschen sich die beiden aus über den Austausch.