Franz Alt zum Thema Glaubwürdigkeit in Wirtschaft und Politik

Franz Alt zum Thema Glaubwürdigkeit in Wirtschaft und Politik
Wie glaubwürdig sind E.ON und die Politik?
Energiewende, Strahlen

pixabay.com | geralt

Energiewende, Strahlen

Energiewende, Strahlen

„Deutschland wird grüner: Bis zum 20. Juni, könnte sich die Bundesrepublik rein rechnerisch komplett mit Ökostrom versorgen. Das geht aus einer aktuellen E.ON Berechnung hervor. Damit steuern die Solar-, Wind-, Wasser- und Biomasseanlagen 2020 voraussichtlich bereits genug Energie bei, um unseren Bedarf für insgesamt 172 Tage vollständig aus Erneuerbaren zu decken – so viele wie nie zuvor“. 

Mit dieser Meldung versucht der Energieriese E.ON mal wieder, rechtzeitig die Kurve zu kriegen. Jahrzehnte lang wurden die Erneuerbaren auch von E.ON verteufelt und verspottet. Deutschland könne bis zum Ende des 21. Jahrhunderts höchstens 4% Ökostrom erzeugen, prophezeite die alte Energiewirtschaft im Jahr 1993 in ganzseitigen Anzeigen. Doch jetzt im Sommer 2020 sind wir bereits bei 52%. E.ON rechnet nun damit, dass hierzulande bis Ende dieses Jahres 47,3% Ökostrom produziert wird und schreibt – einen Tag nachdem der Bundestag den berüchtigten 52-Gigawatt-Solardeckel aufgehoben hat – „Deutschland wird grüner“, ja ruft sogar für den 20. Juni einen „Tag der grünen Energie aus. Welch ein Wandel von einem Tag zum anderen, um beim zukünftigen Geschäft dabei zu sein.

 Deutschland wird immer grüner

Noch 2003  fiel der Tag, an dem ganz Deutschland mit dem pro Jahr erzeugten Ökostrom versorgt werden könnte, auf den Januar, 2010 in den März und 2019 fiel er bereits auf den 4. Juni. Nur ein Jahr später bereits auf den 20. Juni.

Die E.ON-Rechnung zeigt tatsächlich, dass unser bisheriger Stromverbrauch im Jahr 2020 rein theoretisch komplett ökologisch gedeckt werden könnte und damit künftig auch praktisch alle Energie in Deutschland erneuerbar erzeugt werden kann. Das wäre für dieses Jahr vom 1. Januar an bis zum Tag der Sommersonnenwende, also dem 20. Juni. Im interaktiven „Eon Energieatlas“ können die Verschiebungen von Jahr zu Jahr nachvollzogen werden.

Welch ein Fortschritt gegenüber den Bedenkenträgern aus der alten Energiewirtschaft der früheren Jahre. Damit ist bewiesen, dass Deutschland und Europa den kompletten Umstieg bis 2030 schaffen kann – was die Klimawissenschaftlerr immer energischer fordern.

In der Arktis ist es 2020 an manchen Tagen bereits um 10 Grad wärmer als früher im Durchschnitt. Eine dramatische Erhitzung, die deutlich macht, dass die komplette Energiewende - weit früher als noch vor wenigen Jahren erwartet - erfolgen muss, wenn wir es gut meinen mit unseren Kindern und Enkeln. Und wenn wir unsere menschliche Zivilisation erhalten wollen.

Das neue EEG entbürokratisieren

Das Gewürge um die Abschaffung des 52-Gigawattdeckels – es ist hauptsächlich vom Wirtschaftsflügel der CDU/CSU in enger Kooperation mit der Lobby der alten Energiewirtschaft zu verantworten – lässt für die nächsten Schritte zur Energiewende wenig Gutes erwarten. Im Herbst muss der Bundestag ein neues Erneuerbares-Energien-Gesetz (EEG) verabschieden, wobei es hauptsächlich darum gehen wird, dass alle PV-Betreiber ihren selbst erzeugten, preisgünstigen Strom auch selbst verbrauchen können und nicht teuren Strom aus der Steckdose vom alten Energieversorger verbrauchen müssen. Das peinliche Tauziehen um den Solardeckel hat viel Vertrauen in die Vernunft der Politik verspielt und die Solarbranche wie auch die Verbraucher stark verunsichert.

Im nächsten EEG muss der Einspeise-Vorrang der Erneuerbaren bleiben und das Motto gelten: „Mein Dach gehört mir“. Weitere Hemmnisse beim Ausbau sowie eine Reihe unsinniger bürokratischer Hürden beim Ausbau der Erneuerbaren müssen beseitigt werden.

Der dringend notwendige und rasche Durchbruch der erneuerbaren Energien insgesamt – vor allem im Heizungs- und Mobilitätsbereich - braucht endlich wieder eine klare politische Perspektive. Nur damit wird eine dezentrale Bürgerenergiewende mit preisgünstigem, selbsterzeugtem Solar- und Windstrom möglich und erfolgreich.  

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Franz Alt
Dr. Franz Alt, Jahrgang 1938, war 20 Jahre lang leitender Redakteur und Moderator des ARD-Magazins "Report". Heute arbeitet er als freier Autor und Kolumnist. In der edition chrismon gibt von ihm das Buch zu seinem Blog: "Die Alternative. Plädoyer für eine sonnige Zukunft."

Blogs auf chrismon.de

Hier finden Sie eine Übersicht aller Blogs auf chrismon.de

Blogs

Text:
Susanne Breit-Keßler
83 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Text:
Johann Hinrich Claussen
156 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
Franz Alt
117 Beiträge

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Text:
Hanna Lucassen
10 Beiträge

Schwester, Schwester! Hanna Lucassen erzählt von Streiks, Spritzen und Sonntagsdiensten.