Herzlich Willkommen und auf Wiedersehen

Besuch, wie schön! Schön, wenn er kommt, wenn er bleibt, wenn er geht. Gar nicht so einfach, das richtige Maß zu finden...

Die Freundin, die zum Abendessen kam und sich dann auch zum Frühstück überreden lässt. Der studierende Neffe, der überraschend die Einladung zum Wochenende in der Großstadt annimmt – Gäste, die länger als einen Tag bleiben, sind etwas Wunderbares, Belebendes für den eigenen Alltag. Endlich mal lange reden, ohne auf die Uhr zu schauen, in Erinnerungen schwelgen oder Pläne schmieden: herrlich! Aber auch diese Freude hat ein „Verfallsdatum“, das man nicht außer Acht lassen sollte, will man die Sympathie füreinander erhalten.

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Susanne Breit-Keßler über Gäste, die einfach nich gehen wollen. Im Vertrauen im September 2012

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Michael findet in Facebook einen alten, jahrzehntelang nicht gesehenen Freund wieder. Die Nachrichten gehen munter hin und her. Schließlich kommt Oliver angefahren, der Abend wird lang. Michael fordert ihn herzlich zum Übernachten auf: „Mensch, bleib doch gleich ein paar Tage!“ Oliver macht es sich also im Hobbykeller gemütlich und auch nach fünf Tagen noch keine Anstalten, wieder zu verschwinden.

Regeln, die man als Gast besser befolgt

Bei Mia kreuzt die gerngesehene Schwiegermutter über­raschend auf, bezieht das Gästezimmer – eine Aussage, wann sie wieder abreist, ist ihr nicht zu entlocken. Eine Planung ist für Mia und ihren Mann nicht möglich. Herzlichkeit und Spontaneität werden in solchen Fällen überstrapaziert. Natürlich ist es indi­viduell verschieden, wie lange man andere Menschen im eigenen Zuhause verträgt. Aber irgendwann ist es für jeden genug, egal, wie nett der Besuch ist.

Neue Begegnungen sind dann nicht mehr so unbekümmert – weil man fürchten muss, Freunde oder Familienmitglieder könnten die eigene Großzügigkeit wieder einmal ausnutzen, bewusst oder unbewusst. Aber nicht nur die Dauer eines Besuches muss überlegt werden. Es gibt auch sonst Regeln, die man als Gast besser befolgt. Wer stapelweise Pizzakartons hinterlässt und Kekskrümel auf dem Sofa einmassiert, der verdrießt Gastgeber mindestens genauso wie der Künstlerfreund, der täglich ein ­Mittagessen erwartet, alte Bekannte, die der berufstätigen Hausfrau seelenruhig die Bettwäsche einer vierköpfigen Familie über­lassen.

Am besten trifft man klare Absprachen

Was macht man, wenn die Gäste die Gastfreundschaft missbrauchen, wenn sie zu lange bleiben, keine Rücksicht nehmen und sich allzu sehr wie zu Hause fühlen? Deutliche Worte helfen – wie immer. Am besten trifft man vor jedem Übernachtungsbesuch klare Absprachen. Selbst wenn man aus einer weinseligen Laune heraus Einladungen ausgesprochen hat, deren Dimension einem erst hinterher erschreckend klarwird, kann man noch nachlegen. Es hilft ja auch den Gästen zu wissen, wie der Haushalt, in dem sie zu Besuch sind, funktioniert: „Wir essen nur zwei Mal am Tag, mittags kochen wir nicht.“ Oder: „Sonntags früh­stücken wir meistens um neun.“ 

Es ist auch wichtig, gemeinsam Termine für die Abreise festzulegen: „Wir hatten gedacht, ihr bleibt bis Sonntag. Montags haben wir beruflich viel zu tun.“ Wollen Gäste sich einfach nicht festlegen, kann man auch mal unverblümt fragen: „Wie lange wollt ihr bleiben?“ Und dann die eigenen Vorstellungen und ­Bedürfnisse nennen, zum Beispiel dass man Ruhe und Zeit für sich braucht. Das ist nicht spießig, sondern zeugt von einem ­souveränen und sicheren Gespür für lebensnotwendige Distanz und Nähe. In der Bibel heißt es: „Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt“ (Hebräer 13,2). Gut, wenn Gäste wissen, dass sie Engel sind – und sich auch so verhalten.

Können Gäste lästig werden? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht - mit Ihren Gästen oder als Besuch? Schreiben Sie einen Kommentar, diskutieren Sie mit.

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Lesermeinungen

Eine japanische Freundin sagte uns mal, dass es in ihrem Land ein Sprichwort gibt: "Nach drei Tagen drück dem Gast einen Besen in die Hand."

Damit ist eigentlich alles gesagt. Entweder, die Gäste sind von der Sorte, die sich in den Haushalt einfügen und ihren Teil an der anfallenden Arbeit mit übernehmen, dann sind sie auch über die drei Tage hinweg willkommen (allerdings auch dann nicht unendlich).

Oder sie brauchen den Wink mit dem Zaunpfahl, um zu begreifen: Jetzt habe ich mein Willkommen ausgereizt.

Natürlich gibt es individuelle Unterschiede. Es gibt Gäste, die will man schon nach zwei Stunden wieder loswerden. In dem Fall empfiehlt es sich, sie auf einen Zeitpunkt einzuladen, wo man drei Stunden später einen glaubwürdig wichtigen, nicht anders organisierbaren und unaufschiebbaren Termin hat.

Und es gibt Gäste - vielleicht die von besonders weit her angereisten -, die man auch länger toleriert, einfach weil einem die Freundschaft wichtig ist und man sie sonst so selten sieht. Aber das sind meist auch die, die sich sowieso ganz selbstverständlich im Haushalt mit nützlich machen.

P.S. Sehe gerade, dass weiter unten jemand meinen japanischen Spruch schon in einer afrikanischen Variante zitiert hat. Na ja, ist halt immer so eine Sache mit der Herkunft solcher Sprüche...

Auch wenn viele es falsch schreiben, auch im öffentlichen Raum, und es in vielen Flyern und über den Türen der Einkaufszentren so steht: es ist und bleibt falsch.

Es heißt: Herzlich willkommen. "willkommen" ist hier ein Adjektiv und Adjektive schreibt man bekanntlich klein.

Der Duden widmet diesem Phänomen einen Extra-Kasten. Lesen Sie's mal nach.

Mit freundlichem Gruß
Sprachpuristin

Aus Zeiten, als Gastfreundschaft so heilig war, daß sogar Feindseligkeiten temporär hintangestellt wurden stammt dieser Satz (Edda): "Ein Gast ist wie ein Fisch, nach 3 Tagen stinkt er!" Und aus eigener (leidvoller) Erfahrung darf ich noch folgendes hinzufügen: Bei mir ist Besuch stets willkommen, muß aber akzeptieren, daß ich insbesondere bei Überraschungsbesuch meinen Tagesablauf nur bedingt ändern kann. Das ist für alle Beteiligten wesentlich streßfreier, als es z.B. meine Mutter zu tun pflegte, bei der schon Wochen vorher der Perfektionsstreß ausbrach und beide, Gast wie Gastgeber schier die Kurve nicht bekamen und der eigentliche (freudige) Anlaß zu verschwinden drohte.

Meine Mutter starb 1997, mein Vater zog aus meiner Heimatstadt weg. Wir lebten seit 89 schon in Bayern. Freunde meiner Eltern hatten ein großes Haus. Sie boten an, bei Ihnen zu schlafen, wenn wir in die alte Heimat auf Besuch kommen wollten. Wenn wir kamen blieben wir 2-3 Nächte. Und wenn wir länger als ein halbes Jahr nicht zu Besuch kamen, fragten Sie schon, wann wir wieder kommen wollten. Letztes Jahr haben Sie aus Altersgründen das Haus verkauft. Wir waren vorher noch 2x da, haben Ihnen beim ausmisten geholfen. Sie sind mit uns auch auf die Baustelle gefahren. Ihre neue Eigentumswohnung war noch nicht ganz fertig. "Und das wird euer Gästezimmer, wenn ihr mal wieder nach Bonn kommt", zeigten sie uns ein kleines Eckzimmer, in dem wir mittlerweile auch schon geschlafen haben.......

In jedem Spruch steckt ein bißchen Wahrheit. So auch in:
"Besuch ist wie Fisch. Nach 3 Tagen stinkt er"

Natürlich ist Besuch nicht Besuch und jeder Gastgeber hat auch andere Erwartungen.
Wir freuten uns immer über selbständigen Besuch, der uns auch noch Zeit für uns allein ließ.
Andererseits waren wir auch nicht sehr glücklich, wenn wir das Gefühl hatten, nur als kostenloses Hotel ausgenützt zu werden.

im Vertrauen: ich mag die Kolumne sehr gern

Herzlichst, Margot Hecht

Für die Gäste stets das Beste! Willkommen!! Aber diese Sprüche treffen die Wahrheit:

Altes orientalisches Sprichwort: am dritten Tage stinken Fisch und Gast.

Oder Regel aus dem Kloster Altenberg: Ihr sollet gegen jedweden Gastfreundschaft übern, doch wenn ein Gast länger als drei Tage bei Euch verweilet, so könnt ihr mit der Gastfreundschaft langsam nachlassen. Hängt als Postkarte an meiner Tür, innen.

Oder ein afrikanischer Spruch: am 3. Tage drücke dem Gast eine Hacke in die Hand.