Das Kind wählt den falschen Partner.

Dürfen sich Eltern in Liebesdinge einmischen?

Herzklopfen, Schmetterlinge im Bauch, alles ist, wie es sein soll. Pamela hat sich wahnsinnig verliebt, sie ist so glücklich wie noch nie. Nur bei dem Gedanken, ihren Freund Greg, einen Krankenpfleger, demnächst ihren Eltern vorzuführen, wird ihr etwas mulmig. Eine prekäre Situation ­ das erste Treffen mit den Schwiegereltern in spe. Oder andersherum: mit dem Schwiegersohn in spe. Sie kennen den Film? In "Meine Braut, ihr Vater und ich" will Greg (Ben Stiller) bei Pams Vater (Robert De Niro) in aller Form um die Hand seiner Tochter anhalten. Doch der Bräutigam entspricht so gar nicht den Vorstellungen des gestrengen Familienoberhaupts und Ex-CIA-Agenten. Er lässt Greg von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpern. Als der die Katze, Augapfel des Schwiegervaters, versehentlich entkommen lässt, bahnt sich zu unserem großen Vergnügen weiteres Unheil an... Die rasante Komödie zielt auf ungebremste Heiterkeit. Und als Vater oder Mutter kann man erst recht schmunzeln, weil der Film vorführt, was passiert, wenn Eltern ihre Befürchtung sehr lebhaft äußern, dass da eine wirkliche "Miss-Wahl" stattgefunden hat. Ernstlich empfehlen kann man eine solche mütterliche oder väterliche Inszenierung nicht, weil für Eltern in Liebesdingen ihrer Kinder höchste Sensibilität angebracht ist.

Wir wissen nach wie vor besser als du, was gut für dich ist.

Eltern haben ein Leben lang versucht, einem beizubringen, was gut und was falsch ist. In dem Moment, in dem man sich einen Partner wählt und damit zeigt, dass man gewillt ist, sein Leben in die Hand zu nehmen, ist ihre Meinung eher nicht erwünscht. Denn wenn Mutter oder Vater etwas auszusetzen haben an der oder dem Liebsten, dann signalisieren sie einem damit: Wir wissen nach wie vor besser als du, was gut für dich ist. Du bist immer noch nicht in der Lage, wichtige Entscheidungen selbst zu fällen. Das kann nicht gut gehen. Denn es muss einfach vehementen Widerspruch wecken, wenn Eltern in die wunderbaren Momente des Erwachsenwerdens hineinreden und einen damit sofort wieder zum Kind machen.

Die gerade erst erreichte Unabhängigkeit, die vielleicht noch auf wackligen Beinen steht, bekommt so einen ziemlichen Schlag. Eltern, die Einfluss auf die Partnerwahl ihrer Söhne und Töchter nehmen und ihnen die Liebe zu diesem einen Menschen austreiben wollen, gefährden ihre eigene Beziehung zu den Kindern. In der Weisheitsliteratur der Bibel, die nicht umsonst so heißt, wird darauf hingewiesen, dass Kinder "eine Gabe des Herrn" sind (Psalm 127,3) ­ sie sind einem eine Zeit lang anvertraut, um dann eigene Wege zu gehen. An anderer Stelle ist zu lesen, dass alles seine Zeit hat: "suchen und verlieren" etwa, genauso wie "herzen und aufhören zu herzen" (Prediger 3,5­6). Kinder sind einem geschenkt, doch irgendwann ist es Zeit loszulassen: Der Sohn, die Tochter, sie müssen selbst wissen, wen sie lieben ­ selbst wenn sie sich, was vorkommt, nach gescheiterten Ehen beschweren, dass Vater oder Mutter sie nicht vor der Heirat gewarnt haben.

Möchte ich mein Kind vielleicht noch nicht hergeben?

Es gibt Situationen, in denen es schwer fällt, die Partnerwahl zu akzeptieren: Die Tochter hat sich jemanden ausgesucht, der ihr jede Freiheit nimmt. Der Sohn verfällt Frauen, die sich wie Teenager benehmen. Was tun in solchen Fällen, in denen einem um das Wohlergehen des eigenen Kindes angst und bange wird? Zunächst in aller Ruhe überlegen: Möchte ich mein Kind vielleicht noch nicht hergeben? Welche Anhaltspunkte habe ich für meine Einschätzung ­ stimmt sie, oder ist mir bloß keiner gut genug? Mütter sind oft skeptisch bei potentiellen Schwiegertöchtern, während Väter gerne misstrauisch die Männer ihrer Töchter beäugen. Wie viel Konkurrenz versteckt sich in der Abwehr?

Es schadet auch nicht, darüber nachzudenken, wie die eigene Familienkonstellation die Kinder geprägt hat: Vielleicht sucht sich der Sohn eine Frau, die sich nicht so herumscheuchen lässt wie die eigene Mutter von ihrem Mann. Möglicherweise spiegelt die Tochter mit der Wahl ihres Partners genau das, was sie an Beziehung im eigenen Elternhaus erlebt hat. Man sollte sich Zeit für diese Überlegungen gönnen und die eigenen Motive überprüfen. Denn Worte, zumal die der Eltern, wirken! Es kann passieren, dass das Kind sich zornig von den Eltern abwendet. Sprichwörtlich baut der Segen der Eltern das Haus ­ ihre Ablehnung kann dafür sorgen, dass unnötigerweise tatsächlich eintritt, was sie an Negativem ausmalen. Wer aus guten Gründen nicht anders kann und will, als zu reden, muss das behutsam tun.

Am besten erkundigt man sich, ob Sohn oder Tochter die eigene Meinung hören möchten. Dann haben sie immerhin die Wahl, "ja" oder "nein" zu sagen. Beides verlangt Respekt und die Bereitschaft, das Anderssein der eigenen Kinder zu akzeptieren. Achtet man auch das, was einem an ihnen fremd erscheint, ist das die beste Voraussetzung dafür, dass einem ihre Liebe erhalten bleibt. Und wenn sie eines Tages kommen, weil sie sich bitter geirrt haben, dann sollte man die verlorenen Söhne oder Töchter mit offenen Armen empfangen. Dafür gibt es ein ziemlich gutes Beispiel...

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Lesermeinungen

Es mag ja Eltern geben, die meinen es gut, aber es gibt leider auch Eltern, die eine Wunschschwiegertochter/Wunschschwiegersohn wünschen, wenn zwischen Eltern und Kindern große Unterschiede liegen, und die Eltern der Meinung sind, Sohn oder Tochter müssen auf den "rechten Weg" gebracht werden. Ich habe früher oft gehört :"Da muss eine Frau, die Dich entsprechend trainiert." Oder, wer wie ich in einer Mittelstandsfamile aufgewachsen ist, da handelt man oft nach dem Motto :LIEBE VERGEHT, ABER DAS VERMÖGEN BLEIBT.Und eines Tages lernte ich eine solche Frau kennen. Mein Vater träumte schon davon, dass wir eines Tages die Firma zusammen leiten, sie als Betriebswirtin, ich als Ingenieur. Aber nach drei Wochen wollte ich nicht mehr. Sie war traditionell, konservativ, heimatverbunden mit Karnevalsverein, kurzum ein Familienmensch. Ich dagegen empfinde Familie auch als Belastung, habe eher Fernweh als Heimweh und liebe außerdem meine Heimat (Rheinland) nicht sonderlich und hasse Karneval. . Kein Wunder, nach drei Wochen war Schluß. Für meine Eltern, besonders meine Mutter war dies ein Desaster. Meine jetzige Frau, aus der ehemaligen SU haben meine Eltern nie als Schwiegertochter akzeptiert. Da kamen leider auch die alten Vorurteile über die ach so "bösen, dauernd alkoholisierten" Russen.
Kurz nach der Einheit Deutschlands bin ich in den Osten (Leipzig) gezogen. Zu der Zeit hat die Wunschschiegertochter einen anderen Mann geheiratet. Meine Eltern haben auch eine Einladung zur Hochzeit bekommen. "Wir hätten Dich lieber als Bräutigam gesehen, als den XY:" sagte meine Mutter oft, seitdem sie die Einladung bekam. Auch als meine Mutter mir die Hochzeitsanzeige zeigte, dachte ich : "Gut, dass das Thema durch ist." Auch Freunde von mir und mein leider mittlerweile verstorbener Patenonkel meinten :"Egal was Deine Eltern sagen, mit der Frau geht das nicht gut." Ich bin froh, dass ich auf diese Warner gehört habe. Meine jetzige Frau liebt und akzeptiert mich so, wie ich bin, akzeptiert meine Verrücktheiten und hat mir auch geholfen, eine berufliche Zusatzqualifikation (RUSSISCHE SPRACHE FÜR ING.) zu erwerben. Davon ist die Wunschschwiegertochter meiner Eltern weit entfernt, die sich eher für Partys und ihr Golfhandycap interessiert.

Tomm