Frau Otts endgültige Ablage. Diesmal: Dialog

Der bekannteste Dialog-Sketch stammt von Loriot. „Ein Klavier, ein Klavier!“ – „Mutter, wir danken dir.“ So schön, so schlicht hat man es lange nicht gehört. Heute reden zwar alle mit allen, der Staat mit seinen Bürgern, die Firma mit ihren Kunden und die Kirche mit ihren Mitgliedern. Aber er ist furchtbar kompliziert geworden, der Dialog. Und oft beschleicht einen das Gefühl: Die wollen nur reden. Dabei könnten sie auch was tun.

Bei der katholischen Kirche tritt der Dialog neuerdings kaum mehr in Reinform auf, sondern als „Dialogprozess“. Zu Deutsch: Das dauert. Dafür sorgen schon die verschiedenen „Dialog-Schritte“ und „Fragehorizonte“, die das Bistum Freiburg für einen „Dialog im Licht des Evangeliums“ bereithält. Da wird es aber schon längst dunkel, bis man sich durch diese „Dialog-Formate“ durchgequasselt hat. Wer sich durch das gesammelte Material der „Dialog-Box“ arbeitet, kommt in der Zeit kaum auf den kühnen Gedanken, wirklich was zu ändern. Abendmahl, Zölibat oder so. Die Dialog-Box ist eine Art klerikaler Leitzordner. Dabei kommt die Vokabel Dialog-Box aus der Welt der Computer und meint zum Beispiel die Aufforderung, Fragen wie „Alles löschen?“ zu beantworten.

Warum nicht einfach hingehen und fragen?

Der Computer zwingt uns ja ohnehin die idiotischsten Dialoge auf. Moderne Redaktionssysteme haben vier verschiedene „tools“, um in Kontakt zu treten. Unter anderem kann man einen virtuellen gelben Post-it-Zettel an einen Artikel kleben, um der Kollegin im Nachbarzimmer zu sagen, sie solle bitte noch ein Wort kürzen. Es braucht einige Tastengriffe, den gelben Zettel wieder zu löschen. Man könnte in der Zeit auch nach nebenan gehen und einen schönen kleinen Dialog führen. Live.

Aber live ist gar nicht gefragt. Auf der Internetseite www.gorleben­dialog.de sollte man darüber abstimmen – nein, natürlich nicht, ob der radio­aktive Müll in den alten Salzstock geschmissen wird und da 100 000 Jahre weiterstrahlt. Sondern man sollte abstimmen, wie der Dialog mit Umweltminister Röttgen aussehen könnte. Ein Dialog über den Dialog. Hilfe! Ein Klavier!

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