Flucht aus der Ukraine: Wie engagiere ich mich ehrenamtlich?

Die zögerliche Helferin
Die zögerliche Helferin

Kati Szilagyi

Die zögerliche Helferin

Stefanie Schardien, Pfarrerin in Fürth und "Wort zum Sonntag"-Sprecherin, beantwortet für chrismon jeden Monat kniffelige Lebensfragen.

Claudia S. aus Berlin fragt:

"So viele Menschen sind aus der Ukraine geflohen! Ich finde ja, die sollten würdig untergebracht werden, nicht in Turnhallen. Freundinnen und Bekannte nehmen Geflüchtete bei sich zu Hause auf. Ich habe genug Platz, kann mir das aber nicht vorstellen. Gleichzeitig fühle ich mich unsolidarisch, wenn ich das nicht tue."

Stefanie Schardien antwortet:

Die gute Nachricht vorweg: Was für eine unfassbare Hilfsbereitschaft in unserem Land – und das nach zwei Jahren Pandemie. Chapeau, liebes Deutschland! Dass Sie im Bekanntenkreis er­leben, dass andere im Unterschied zu Ihnen auch bereit sind, geflüchtete Menschen bei sich aufzunehmen, macht Ihnen nun ein schlechtes Gewissen. Denn natürlich kommt in vielen von uns gerade die Frage auf, die sich aus der biblischen goldenen Regel stellt: Wäre ich selbst auf der Flucht auch extrem dankbar für jede Tür, die sich öffnet, und für jedes bezogene Bett?

Stefanie Schardien

Stefanie Schardien, geboren 1976, ist Pfarrerin in Fürth und "Wort zum Sonntag"-Sprecherin.
ARD/BR/Markus KonvalinStefanie Schardien

So überlegen gerade viele Menschen: Kann ich jemanden aufnehmen oder überfordert mich das? Es gibt unterschiedlichste Gründe, sich wie Sie zu entscheiden: Man braucht einen privaten Rückzugsort oder ist grundsätzlich eher zurück­haltend gegenüber fremden Menschen. Man ist beruflich eingespannt und wagt keine zusätzliche Verantwortung zu übernehmen. Man fürchtet sich, beizeiten ­wieder um den Auszug bitten zu müssen. Manche Befürchtungen ließen sich durch die Anlaufstellen vermutlich auflösen. Bleibt es aber nun für Sie auch nach so ­einer zweiten Überlegungs­schleife bei Ihrem Entschluss, ist das Ihr gutes Recht. Und Ihren Wunsch nach solidarischem ­Handeln leben Sie dann einfach nach Kräften in den zahlreichen Hilfs­angeboten vor Ort aus.

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