Ein Haustier im Lockdown

Der ausrangierte Hund
Der ausrangierte Hund

Kati Szilagy

Der ausrangierte Hund

Stefanie Schardien, Pfarrerin in Fürth und "Wort zum Sonntag"-Sprecherin, beantwortet für chrismon jeden Monat kniffelige Lebensfragen.

Manuel J. aus Lübeck fragt:

Bekannte von uns haben sich im letzten Lockdown einen Hund gekauft, monatelang alle damit vollgelabert. Nun sind sie geimpft, können wieder überall hin, für das Tier war keine Zeit mehr, es ist im Tierheim. Darf ich ihnen sagen, dass ich es ätzend finde?

Stefanie Schardien

Stefanie Schardien, geboren 1976, ist Pfarrerin in Fürth und "Wort zum Sonntag"-Sprecherin.
ARD/BR/Markus KonvalinStefanie Schardien

Stefanie Schardien antwortet:

Lockdown-Tiere – eine der trauri­gen Pandemienebenwirkungen. Ich habe mich gefragt: Warum haben Sie sich bislang wohl ­zurückgehalten? Gewissens­bisse, weil Sie Ihre Bedenken nicht vor dem Kauf angebracht haben? Das mögliche Ende der – für Sie ja ohnehin nun "ätzen­den" – Bekanntschaft? Meine Vermutung: Die Sehnsucht nach einem Haustier in der Pandemie konnten viele Menschen gut nachempfinden. Wer hätte das emotionale ­Desaster zuvor auch je geahnt: Wie einsam sich das Leben im Single-­Hausstand oder im Home­office anfühlen könnte? Wie Berührungen fehlen würden? Wie sehr man traurige ­Kinder aufheitern wollte?

Zweifellos: Die Umsichtigen zogen verantwortungsethisch vorbildlich den Rationalitätsfilter ein: Passt der Hund in mein Post-Corona-­Leben? Andere haben das leider zu wenig getan. Ich glaube: Den meisten davon ist ihr problematisches Verhalten sehr bewusst und sie werden sich der Tierabschiebung ziemlich schämen. Zumindest waren Ihre Bekannten verantwortlich genug, den Hund nicht einfach auszusetzen. 

Also: Natürlich, Sie können in der Wunde dieser per­sönlichen Pandemieniederlage bohren und draufhauen. Nur, mit welcher Absicht eigentlich? Der Hund hat nichts davon. Wie ­wäre ein einfühlsameres Feedback? Erster Satz: "Ich stelle mir das ganz schön traurig vor – für euch und für das Tier."

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