Friedensnobelpreis für den äthiopischen Regierungschef Abiy Ahmed

Aufstehen, aufeinander zugehen
Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed wurde mit dem Friedensnobelpreis 2019 ausgezeichnet. In Zeiten der gesellschaftlichen Spaltung eine kluge Entscheidung.

Das Nobelpreiskomitee hat den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichent. Er galt als einer der Favoriten. Der 43-jährige Ahmed hat den jahrzehntelangen Konflikt zwischen seinem Land Äthiopien und dem Nachbarland Eritrea beendet. Und zwar recht einfach: Er ging - als Präsident des größeren und mächtigeren Landes - auf das wesentlich ärmere Eritrea zu.

Die Kontrahenten umarmten sich

Im Juli 2018 traf er sich mit dem eritreischen Präsidenten Isayas Afewerki in Asmara, der Hauptstadt Eritreas. Die beiden umarmten sich und kündigten an, die Beziehungen zwischen ihren Ländern wieder aufzunehmen. Kurz nach seinem Dienstantritt im Jahr 2018 hatte Ahmed bereits umfassende Reformen in Äthiopien eingeleitet, politische Gefangene entlassen und äthiopische Truppen aus umstrittenen Grenzregionen zu Eritrea abgezogen.

Eritrea hatte sich 1993 nach einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg für unabhängig erklärt. Ein Krieg von 1998 bis 2000 forderte tausende Menschenleben. Seitdem herrschte zwar ein Waffenstillstand, aber die Grenze war umstritten und die politische Lage zwischen beiden Ländern angespannt.

Der Friedensnobelpreis für Ahmeds Bemühungen um einen Dialog in einem festgefahren Konflikt ist ein starkes Zeichen für einen der leichtesten und zugleich schwierigsten Wege, Streit zu beenden: offen aufeinander zugehen,  miteinander reden und im Gespräch bleiben. Das erfordert Geduld, Fingerspitzengefühl und Kompromissbereitschaft. In Zeiten, in denen sich die gesellschaftliche Fronten verhärten, ist das ein hilfreiches Vorbild.

Michael Güthlein

Michael Güthlein, Jahrgang 1990, ist Redakteur bei chrismon. Nach dem Studium der Germanistik und Geografie in Bamberg sowie dem Masterstudiengang Journalismus in Mainz hat er in den Redaktionen von chrismon und epd volontiert. Praktika führten ihn zur "Allgemeinen Zeitung" Mainz, zum "Fränkischen Tag", SWR-Fernsehen, HR-Hörfunk sowie den Kinozeitschriften "Cinema" und epd Film. Er interessiert sich besonders für die Themenfelder Politik, Gesellschaft und Kultur.
Lena UphoffMichael Güthlein, chrismon-Redakteur

Und was ist mit Greta? Die Umweltaktivistin Greta Thunberg wurde auch als Top-Anwärterin auf den Preis gehandelt. Sie bekommt für ihr Engagement bereits viel Aufmerksamkeit. Fraglich, ob der Friedensnobelpreis ihr überhaupt viel genutzt hätte. Gretas Kampagne und die Fridays for Future-Bewegung tragen indirekt auch zum Frieden bei: Die Folgen des Klimawandels könnten zu Ressourcenknappheit und dadurch zu Konflikten führen. Jetzt zu handeln, könnte mögliche Folgen eindämmen. Aber das ist abstrakt und wird kaum direkt als Folge der FFF-Proteste erkennbar sein. Dass der Preis stattdessen an eine Person geht, die einen konkreten und fassbaren Konflikt beendet hat, ist für viele Menschen sicherlich nachvollziehbarer und ein Plädoyer für eine konstruktive Diplomatie.

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