E-Mail aus Dublin über das Gesetz zur Abtreibung

Was machen die Iren aus dem Referendum?

Wiktor Szymanowicz/Barcroft Media/Getty Images

Nach der Abstimmung in Irland fordern Aktivistinnen, dass das Abtreibungsverbot auch im britischen Nordirland aufgehoben wird. Hier
auf einer Demonstration 
in London Anfang Juni

LONDON, UNITED KINGDOM - June 05: Pro-choice campaigners stage a demonstration in Parliament Square in London demanding the British Government decriminalises abortion in Northern Ireland following the result of the referendum in the Republic of Ireland last month. Abortion in Northern Ireland is illegal under the Offences against the Person Act dating back to 1861 whereas in England and Wales it has been decriminalised by the 1967 Abortion Act. June 05, 2018 in London, England. (Photo credit should read Wiktor Szymanowicz / Barcroft Media via Getty Images)

Irland hat entschieden, das Abtreibungsverbot aufzuheben. Nun muss das Gesetz dazu formuliert werden.

In diesem Frühjahr war Irland wochenlang mit Plakaten behängt. Auf den einen prangte ein Yes, auf den anderen ein No. Dazu markige Sprüche und ergreifende Ultraschallbilder. Es ging um das für Ende Mai geplante Referendum zur Abtreibungsfrage: Soll der achte Verfassungszusatz, der die Abtreibung in Irland rigoros verbietet, gestrichen werden? Ja oder nein? Die Befürworter verwiesen auf die traurigen Schicksale junger Frauen, die heimlich zur Abtreibung ins Ausland fahren. Die Gegner führten an, dass ungeborenes Leben unbedingt zu schützen sei. Überall wurde demonstriert und leidenschaftlich diskutiert, Iren sind kommunikationsfreudig. Die katholische Kirche schwieg ­öffentlich dazu. Dann votierten am 25. Mai 66,4 Prozent für Ja. Bei der Bekanntgabe tanzten die Menschen auf der Straße.

Stephan Arras

Stephan Arras 
ist Pfarrer der 
evangelischen deutschsprachigen Gemeinde 
St. Finian’s in Dublin. 
 lutheran-
ireland.org
privatStephan Arras, Pfarrer, E-mails aus, Dublin

Und heute, nur ein paar Monate danach, redet niemand mehr darüber. Dabei steht jetzt die eigentliche Frage an: Die Abgeordneten sollen bis ­Ende des Jahres ein Abtreibungsgesetz verabschieden – wie kann dieses aus­sehen? Ich frage mich: Was würde Jesus wohl sagen? Er hat Schuld vergeben, geheilt, ermutigt und getröstet. Er hat durchaus Gesetze geachtet. Aber sein Hauptaugenmerk galt immer dem Menschen, der gerade vor ihm stand. In der Abtreibungs­debatte scheint mir ein absolutes Ja genauso falsch wie ein absolutes Nein. Die Wahrheit liegt im Blick auf den einzelnen Menschen. Vielleicht findet Irland einen Weg zu einem liberalen System mit einer Pflichtberatung für Frauen und Paare. Das würde manches ungeborene Leben retten, ließe betroffene Frauen nicht allein und bewahrte sie vor der Illegalität. Ein Gesetz, das dies schafft, wäre christlich.

 

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