Friedensmacher: Staffan de Mistura

Ein Doktor für Syrien
Frieden ist...

Daniel Ramirez-Perez

Er arbeitet daran, dass die syrischen Kriegsparteien miteinander reden. Wichtig: Ohne Vertrauen ist kein Frieden möglich, sagt Staffan de Mistura

 Früher wollte er erst Feuerwehrmann werden, dann Arzt. Da fragte ihn sein Vater: Warum wirst du nicht „doctor for countries“, ein Arzt für Staaten? Und so kam es. Staffan de Mistura, seit 47 Jahren im Dienst der Vereinten Nationen, hat in 21 Konflikten vermittelt, darunter im Sudan, in Albanien, Afghanistan, im Irak, in Bosnien. Seit 2014 ist der Diplomat, Sohn ­einer Schwedin und eines italienischen Adligen, der Sonder­gesandte der Vereinten Na­tionen für Syrien.

Ein Amt, das Kofi ­Annan und Lakhdar ­Brahimi entnervt aufgegeben haben; der schwierigste Job, den die UN zu vergeben haben, heißt es. Denn der Krieg in ­Syrien gilt als der blutigste und komplizierteste ­seit langem: zwölf beteiligte Länder, Dutzende Kriegsparteien. Über 400 000 Tote, mehr als eine Million Verletzte, fünf Millionen Flüchtlinge, über sieben Millionen Vertriebene.

Jeder Tag beginnt für Staffan de Mistura mit einem Gebet – „das hilft mir, daran zu glauben, dass wir eine Lösung für diesen furchtbaren Konflikt finden werden“. Ein Großteil seiner Arbeit besteht darin, zu reisen und die Kriegsbeteiligten persönlich zu treffen. Nur so könne Vertrauen wachsen.

Friedensmachern wird, wenn es nicht gleich klappt mit ihren Bemühungen, schnell Scheitern vorgeworfen. Und ja, der Friedensprozess im Syrienkonflikt ist zäh, wieder und wieder sitzen die Kriegsparteien – wenn sie alle paar Monate zu Friedensverhandlungen in Genf weilen – nicht am selben Tisch, sondern in unterschiedlichen Räumen. Mediatoren ziehen von Zimmer zu Zimmer und schauen, wo sich eine Einigung er­zielen lassen könnte. Wichtiger als der gemeinsame Tisch sind Inhalt und Ergebnisse der Gespräche.

Staffan de Mistura

Staffan de Mistura, geboren 1947, ist Sondergesandter der Vereinten Nationen für Syrien
News Pictures/XinhuaNEWS PICTURES (170324) -- GENEVA, March 24, 2017 (Xinhua) -- The United Nations Special Envoy for Syria Staffan de Mistura attends a press conference in Geneva, Switzerland, on March 24, 2017. The United Nations Special Envoy for Syria Staffan de Mistura said Friday that while he didn't expect a breakthrough in the latest round of Syria peace talks, he would rely on headway made earlier this month to help pave the way towards brokering a political end to the Syrian conflict. The fifth and latest round of UN-mediated political talks resumed Friday in a bid to broker a political end to the six-year Syrian conflict which has killed over 310,000 people and displaced millions of others. (Xinhua/Xu Jinquan)
Staffan de Mistura, feiner Zwirn, gerader Rücken und ein Zwicker ­auf der Nase, ist bekannt für kreative Ideen. Mal ließ er Kamele, die Medi­kamente trugen, blau anmalen, damit man sie von Hubschraubern aus überwachen konnte. Mal handelte er Impfkampagnen aus, um einen Waffen­stillstand zu erzielen. Und wenn die Waffen ruhten, konnte man auch auf Friedensver­handlungen drängen. Auf solche Vorschläge lässt sich in Syrien ­keiner ein.

Viele Syrer aus der Zivilgesellschaft finden, mit dem Diktator Baschar al-Assad sei Frieden unmöglich. Aber der tritt nicht ab. Es gibt auch Syrer, die mit der Arbeit Staffan de Misturas hadern, sie finden, er mache Assad zu viele Zugeständnisse. „Ich würde dem widersprechen“, sagt de Mistura, „Assad beklagt das Gegenteil.“ Aber es geht in diesem Konflikt ohnehin nicht ums Gewinnen, sondern um eine politische Lösung.

 Auf dem Weg dorthin fühlt sich de Mistura manchmal wie ein Arzt, der versucht, den Patienten am Leben zu erhalten, aber nur die Schmerzen lindern kann. Was ihn durchhalten lässt? „Wenn man eine Mission übernimmt, muss man ­alles dafür tun, was einem die eigenen Talente vor­geben.“ Er sehe es als ­seine Pflicht, zu helfen, die Welt besser zu machen. „Außerdem haben die Syrer eine friedliche Zukunft verdient.“ Ihn lassen die Augen der geflüchteten Frauen und Kinder nicht mehr los. Sie selbst hätten die Hoffnung nicht aufgegeben, also dürfe die inter­nationale Gemeinschaft es auch nicht. 

Infobox

Dieses Porträt ist Teil der Reihe "Friedensmacher": Frieden ist möglich, wenn die Zeit reif dafür ist. Das hat in Kolumbien über 50 Jahre gedauert. In Syrien ist seit fast sieben Jahren Krieg – und kein Ende in Sicht. Mediatoren, Schlichter, Diplomaten brauchen einen langen Atem. Auch im Kleinen ist manchmal Hilfe von außen nötig, bei Streit unter Schülern oder in Familien.

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